Ukraine-Krieg stellt auch Zukunft der ISS infrage

NASA “beobachtet” Weltraum-Zusammenarbeit mit Russland

Dienstag, 01. März 2022 | 15:04 Uhr

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine will die US-Raumfahrtbehörde NASA in Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Russland im Weltraum die Situation weiter “beobachten”. “Momentan läuft unser Betrieb normal”, sagte Kathy Lueders, Chefin des bemannten Raumfahrtprogramms der NASA, am Montag bei einer Pressekonferenz. “Es wäre ein trauriger Tag für den internationalen Betrieb, wenn wir im Weltraum nicht weiter zusammenarbeiten könnten.”

“Natürlich beobachten wird die Situation weiterhin”, sagte Lueders. Es werde auch nach möglichen “betrieblichen Flexibilitäten” geschaut. Die Teams beider Länder seien in ständigem Kontakt und derzeit bekomme die NASA aus Russland alle Unterstützung, die sie brauche. “Wir bekommen keinerlei Hinweise von unserem Gegenüber, dass sie den Betrieb nicht weiterführen wollen”, sagte Lueders. “Wir verstehen, dass die internationale Situation so ist, wie sie ist, aber unser Team arbeitet noch zusammen.” Man arbeite genauso zusammen “wie noch vor drei Wochen”.

“Wir haben schon früher unter solchen Umständen den Betrieb aufrechterhalten und beide Seiten haben sich immer sehr professionell verhalten”, sagte Lueders weiter. “Wir haben weiterhin friedliche Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern im Weltraum.”

Angesichts der beispiellosen Sanktionen des Westens hat die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos die längerfristige Zukunft der ISS infrage gestellt. “Die Frage einer Verlängerung der Vereinbarung unter den aktuellen Bedingungen sehen wir skeptisch.” Roskosmos habe bisher nur die Erlaubnis, die Station bis 2024 zu betreiben. Dann läuft der Vertrag der internationalen Partner aus. Die NASA hatte bereits einer Betriebsdauer bis 2030 zugestimmt.

Die europäische Raumfahrtagentur ESA prüft unterdessen die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland mit Blick auf ihre eigene Zusammenarbeit mit dem Land. Es würden bei der ESA momentan viele schwierige Entscheidungen gefällt, schrieb Generaldirektor Josef Aschbacher am Montag auf Twitter.

Besonders betroffen könnte das europäisch-russische Weltraumprojekt “Exomars” zur Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten sein. Die ESA teilte mit, dass ein Launch noch in diesem Jahr wegen des allgemeinen Umfeldes und der Sanktionen sehr unwahrscheinlich sei. Eigentlich sollte der zweite Teil der Mission im September mit einem Rover an Bord in Richtung Mars starten. Die ESA teilte generell mit, dass sie die Sanktionen ihrer Mitgliedstaaten gegen Moskau wegen des Krieges in der Ukraine vollständig umsetzen werde.

Als Reaktion auf EU-Sanktionen hatte Russlands Raumfahrtbehörde Roskosmos zuvor angekündigt, die Zusammenarbeit bei Weltraumstarts in Kourou in Französisch-Guayana auszusetzen. Den Willen zur weiteren Zusammenarbeit mit den USA im Weltraum – insbesondere in Hinblick auf den Betrieb der Internationalen Raumstation ISS und Flügen dorthin – hatte Roskosmos dagegen betont – und die USA vor einer möglicherweise überstürzten Aufkündigung dieser Zusammenarbeit gewarnt.

Derzeit arbeitet der deutsche Astronaut Matthias Maurer mit vier US-Amerikanern und zwei Russen auf dem Außenposten der Menschheit. Ende März soll NASA-Astronaut Mark Vande Hei mit einer russischen Sojus-Kapsel zur Erde zurückkehren. An diesem Plan werde vorerst festgehalten, sagte NASA-Managerin Lueders.

Trotz vieler Konflikte zwischen Moskau und Washington galt die Raumfahrt stets als einer der wenigen Bereiche, wo die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern funktioniert hat. Während des Kalten Krieges hatten die USA und die Sowjetunion aber getrennte Raumfahrtprogramme betrieben und sich dabei auch Wettläufe geliefert. Erst zum Jahreswechsel hatte die NASA einem Weiterbetrieb der ISS bis 2030 zugestimmt. Roskosmos wollte eine entsprechende Verlängerung nun der Regierung in Moskau vorschlagen.

Von: APA/dpa