Briefwahlstimmen dürften Wahlbeteiligung deutlich steigen lassen

Nationalratswahl: Vermutlich über 78 Prozent Wahlbeteiligung

Montag, 16. Oktober 2017 | 07:40 Uhr

Mit nur 67,6 Prozent ist die Wahlbeteiligung bei der Nationalratswahl im vorläufigen Endergebnis am Sonntag ausgewiesen worden. Mit der Auszählung der Brief- und Wahlkartenwähler dürften aber noch rund 780.000 zu den 4,324.760 abgegebenen Urnenwähler-Stimmen dazukommen. Damit wird die Beteiligung auf über 78 Prozent steigen und somit höher sein als 2013 (74,91 Prozent).

Die SPÖ kann davon ausgehen, letztlich doch auf Platz zwei zu kommen: Sowohl mit der Briefwahlprognose der ARGE Wahlen als auch laut SORA/ORF liegt sie letztlich bei 26,9 Prozent, die FPÖ aber auf bei 26,0 (SORA) bzw. 26,5 (ARGE). Damit muss die FPÖ den am Sonntag bei den Urnenwählern eroberten zweiten Platz wieder räumen. Unangefochten Erste bleibt die ÖVP – wobei SORA mit etwas mehr (31,6 Prozent), die ARGE von gleich viel wie im Urnenergebnis (31,4) ausgeht.

Die Grünen müssten bei den Briefwählern sehr viel besser abschneiden als von den Hochrechnern erwartet, um im Nationalrat zu bleiben. Sie liegen in beiden Prognosen unter der Vier-Prozent-Grenze: Bei SORA ganz knapp mit 3,9 Prozent, bei der ARGE deutlicher mit 3,6 Prozent. NEOS (5,0 am Sonntag) und Liste Pilz (4,1) können laut den Briefwahlschätzungen davon ausgehen, noch etwas zuzulegen.

Die Brief- und Wahlkartenwähler werden auch einige Mandate verschieben – aber keine neuen Koalitionsvarianten eröffnen. Die NEOS dürfen noch auf ein zehntes Mandat hoffen, die Liste Pilz wird wohl bei acht bleiben. Dreier-Varianten (mit SPÖ oder ÖVP) gehen sich nach wie vor nicht aus.

Die FPÖ wird zumindest eines, möglicherweise aber auch zwei ihrer 53 Mandate vom Sonntag verlieren. Das 52. Mandat der FPÖ ist ganz schwach abgesichert – gegenüber der SPÖ mit 325 Stimmen, gegenüber der ÖVP mit 433. Schneidet die SPÖ also bei den Briefwähler etwas besser ab als angenommen, könnte sie ein 52. Mandat bekommen – und das wäre dann auch eines mehr als 2013. Gleich groß sind die Chancen der ÖVP, dieses Mandat von der FPÖ zu bekommen – sie hätte dann 62 und nicht 61.

SORA geht davon bereits aus: Die ORF-Hochrechner sehen die ÖVP bei 62, die FPÖ bei 51 und die SPÖ bei 52. In der Briefwahlschätzung der ARGE Wahlen bleibt die ÖVP unverändert bei 61, die SPÖ bei 52 – und die FPÖ gibt ein Mandat an die NEOS ab und kommt somit auf 52. An den Mehrheiten im neuen Nationalrat ändert das nichts: Sowohl Schwarz-Blau als auch Rot-Blau hätte ebenso eine Mehrheit wie Schwarz-Rot.

Von: apa