Stoltenberg sieht einen paradoxen Weg zum Frieden in der Ukraine

NATO-Generalsekretär fordert mehr Waffenlieferungen an Kiew

Freitag, 30. Dezember 2022 | 08:51 Uhr

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat zu weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine aufgerufen. “Es mag paradox klingen, aber militärische Unterstützung für die Ukraine ist der schnellste Weg zum Frieden”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kreml-Chef Wladimir Putin müsse nämlich davon überzeugt werden, dass er sein Ziel, die Kontrolle über die Ukraine zu übernehmen, nicht erreichen werde. Ukrainische Angriffe auf Ziele in Russland bezeichnete Stoltenberg als legitim.

“Jedes Land hat das Recht, sich zu verteidigen. Auch die Ukraine”, sagte er. Bei den ukrainischen Angriffen müsse auch der Kontext gesehen werde. Dies seien massive russische Angriffe auf zivile Infrastruktur, die darauf abzielen, ukrainischen Zivilisten im Winter Wasser, Heizung und Strom zu nehmen.

Die ukrainische Armee hatte erst am Donnerstagabend bekanntgegeben, russische Stützpunkte in der Umgebung der Industrie- und Hafenstadt Berdjansk angegriffen zu haben. Dabei seien rund 50 russische Soldaten “liquidiert” worden, teilte der Generalstab in Kiew mit. Die Militärs in Kiew machten keine Angaben dazu, mit welchen Waffensystemen Berdjansk angegriffen wurde. Die Stadt am Asowschen Meer liegt knapp 100 Kilometer hinter den aktuellen Frontlinien. Am Donnerstag war die Ukraine in mehreren Region bis weit in den Westen des Landes von Russland mit Raketen attackiert worden.

Die ukrainische Flugabwehr wehrte nach Behördenangaben in der Nacht auf Freitag Drohnenangriffe in Kiew und Umgebung sowie im Osten des Landes ab. “Russland hat wieder auf unsere Infrastrukturobjekte gezielt”, teilte der Militärgouverneur des Kiewer Umlands, Olexij Kuleba, am Freitag in seinem Telegram-Kanal mit. Seinen Angaben zufolge schoss die Flugabwehr die Drohnen ab. Schäden habe es nicht gegeben.

Auch die Stadtverwaltung in Kiew berichtete über den weitgehend glimpflichen Verlauf der nächtlichen Attacke. Fünf Drohnen wurden demnach über der Hauptstadt abgeschossen. Dabei seien ein Verwaltungsgebäude teilweise zerstört und die Fenster eines Wohnhauses beschädigt worden. Über Tote und Verletzte gab es keine Berichte.

“Die zweite Nacht in Folge habt unsere Flugabwehr alle fünf feindlichen ‘Shahed’ (Drohnen) ausgeschaltet, die über dem Gebiet waren”, teilte zudem der Militärgouverneur der Region Dnipropetrowsk um die Großstadt Dnipro, Walentyn Resnitschenko, in seinem Telegram-Kanal mit. Demnach gab es Angriffe in drei verschiedenen Landkreisen. Im angrenzenden Gebiet Saporischschja wurden laut dem Einsatzkommando Ost der ukrainischen Armee ebenfalls alle angreifenden Drohnen vernichtet.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj räumte indes ein, dass die meisten Regionen des Landes nach den massiven russischen Raketenangriffen unter Stromausfällen leiden. “Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was hätte passieren können, wenn unsere heldenhaften Flugabwehrtruppen und die Luftabwehr nicht gewesen wären”, sagte Selenskyj in einer Videoansprache am Donnerstagabend. Die Luftkommandos in der Zentral-, Süd-, Ost- und Westukraine hätten 54 russische Raketen und elf Drohnen während eines der größten russischen Luftangriffe seit Beginn des Krieges im Februar abgewehrt.

“Dieses Jahr hat noch zwei Tage, vielleicht wird der Feind erneut versuchen, uns dazu zu bringen, das Neue Jahr im Dunkeln zu feiern”, warnte Selenskyj vor weiteren Angriffen. “Aber egal, was sie vorhaben, eines wissen wir über uns selbst: Wir werden durchhalten.”

In seinen Unterredungen mit ausländischen Staats- und Regierungschefs versucht der ukrainische Staatschef, deren Unterstützung für einen Internationalen Strafgerichtshof nach dem Vorbild des Nürnberger Tribunals nach dem Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, vor dem sich Politiker und Militärs aus Moskau für den Angriffskrieg gegen die Ukraine verantworten sollen.

Die ukrainische Präsidentenberaterin Alona Werbytska berichtete indes, dass in der Ukraine derzeit 15.000 Menschen vermisst werden, “darunter viele Zivilisten”. Das Schicksal dieser Menschen sei völlig ungewiss, sagte die Ombudsfrau. “Wir wissen nicht, was mit ihnen geschehen ist”, sagte sie. “Befinden sie sich auch in russischer Kriegsgefangenschaft, sind sie aus russisch besetzten Gebieten verschleppt oder womöglich längst umgebracht worden?

Nach dem Fund einer ukrainischen Rakete auf dem Staatsgebiet von Belarus bot das Verteidigungsministerium in Kiew seine Mitarbeit an den Untersuchungen des Vorfalls an. In einer Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung des Ministeriums hieß es, dass die Behörde zu einer “objektiven Untersuchung des Vorfalls” bereit sei. Staatsmedien in der belarussischen Hauptstadt Minsk hatten berichtet, dass eine vom Flugabwehrsystem S-300 abgeschossene Rakete Donnerstagvormittag auf belarussisches Staatsgebiet gefallen sei.

US-Präsident Joe Biden unterzeichnete am Donnerstagabend das billionenschwere Budget, das unter anderem 45 Milliarden Dollar a (42,26 Mio. Euro) an Unterstützung für die Ukraine vorsieht. Auch Großbritannien will weiter Milliardengelder an Kiew schicken. Verteidigungsminister Ben Wallace sagte, dass kommendes Jahr 2,3 Milliarden Pfund (2,60 Mrd. Euro) an Militärhilfe fließen werde. Das entspreche dem heuer überwiesenen Betrag.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "NATO-Generalsekretär fordert mehr Waffenlieferungen an Kiew"


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Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 5 Tage

Sog i jo long schun! Umme mite Geräte und sel wosn ordentlich Kawumm mochn! 💥💥

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 5 Tage

…genau, damit’s in Moskau ah amoll naggelt…

Goennenihrwichtigtuer
1 Monat 5 Tage

Und de 6 de – gedruckt hoben fling mit ummi an die front liefern… ober ohne woffn sölln wie gefordert grou verhondeln…..

sarkasmus
sarkasmus
Superredner
1 Monat 5 Tage

@Doolin
Vieleicht dann auch bei uns

@
@
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@Goennenihrwichtigtuer
Was willst du uns mit deinem Kommentar sagen? Ich kann deinen Gedanken kognitiv nicht folgen.Bitte 👏erläutere mir deinen Beitrag mit einfachen Worten, so dass ich ihn auch verstehe.

Goennenihrwichtigtuer
26 Tage 9 h

Hel glab I…

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 5 Tage

Solang alle Parteien Waffen genug haben wird jeder auf seiner Position verharren. Also machen wir uns auf nen langen Konflikt gefasst!

Faktenchecker
1 Monat 5 Tage

NG LG der Putin-Troll.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@N.G…. der Konflikt wird so lange dauern, bis in Russland jemand was dagegen tut…. nicht die Waffen werden es richten, sondern der interne Widerstand der sicherlich wächst. Wer geht schon gerne in den Krieg, um zu sterben, nur weil im Kreml jemand das anordnet, während die Armut im eigenen Land wächst. Ich denke es wird nicht lange dauern, wenn der Putin nurmehr im Büro sitzt und nur über Videozuschaltung bei der Taufe neuer Schiffe und U-Boote teilnimmt, will das schon was bedeuten….

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Oracle Nun, ich hab von Anfang an, gegen jede andere Meinung erklärt, der Krieg wird dauern. Dafür wurde ich ausgelacht. Wir werden sehen! Damit hab ich NICHT gewünscht, er sollte lange dauern, sonder er wird…!
Wenns Träumer gibt uns sich alles schön reden wollen, bitte.. sie werden eines Besseren belehrt werden.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Oracle Erst gestern einen Bericht in ZDF Heute Journal über die Stimmung in der Bevölkerung Russlands gesehen. Da passiert gar nichts mehr, die Menschen haben Angst. Diese Hoffnung kann man begraben. Wenn, gibt es innenpolitisch einen Aufstand in der Regierung aber sonst ..! Ansonsten teile uch deine Meinung, so wird der Konflikt auf lange Zeit nicht gelöst werden!

fingerzeig
fingerzeig
Tratscher
1 Monat 4 Tage

@N. G.
sie wissen ja…prinzipiell bin ich kein fan von ihnen, aber im bezug auf diesen gottverdammten krieg in der ukraine,teile ich ihre ansichten -mehr oder weniger.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 5 Tage
Natürlich muss Putin gestoppt werden. Weder die Ukraine noch der Westen kann sich etwas Anderes erlauben. Ganz offiziell wollen ja China und Russland eine neue Weltordnung. Ich habe keine Lust, mich in einer derart totalitären und von Gewalt geprägten Gemeinschaft wiederzufinden. Wir sehen die lückenlose Überwachung der eigenen Bürger und die massiven Menschenrechtsvetletzungen in China sowie die gewaltsame Unterdrückung in Russland zum Zwecke der Aufrechterhaltung des eigenen Regimes. Um diese Entwicklung auch auf unserem Boden aufzuhalten, bedarf es einer starken Verteidigung der souveränen Ukraine im Einklang mit internationalem Recht, aber es bedarf auch eines Kurswechsels gegenüber China. Und besonders letzterer… Weiterlesen »
NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
1 Monat 5 Tage

recht hat er, aber es wird gezögert und gezaudert und hingehalten und ausgewichen.

Und was ist mit Den Haag? Mittlerweile liegen doch schon so viele Beweise vor, dass man Putin und seine Mitstreiter vor den internationalen Gerichtshof zerren könnte, aber nix passiert. Und so sterben jeden Tag weiterhin Menschen, nur weil ein Vollpfosten vom großen Zarenreich träumt.

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 4 Tage

Russland erkennt den Internationalen Gerichtshof nicht an. Die USA übrigens auch nicht. Auch nach einer Verurteilung, würde sich nichts für Putin ändern.

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