NATO-Generalsekretär Stoltenberg

NATO: Russische Atomdrohungen sollen Eingreifen verhindern

Mittwoch, 12. Oktober 2022 | 20:28 Uhr

Die Atomwaffen-Drohungen Russlands sind laut NATO-Kreisen hauptsächlich dazu da, die Staaten der Allianz und andere Länder davon abzuhalten, direkt in den Ukraine-Krieg einzugreifen. Sollte die Regierung in Moskau tatsächlich Kernwaffen einsetzen, würde dies fast sicher eine “physische Antwort” der Verbündeten der Ukraine und möglicherweise auch der NATO selbst zur Folge haben, so ein Insider. Der Schritt würde “noch nie dagewesene Konsequenzen” für Russland nach sich ziehen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erachtet die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr als prioritär. Der NATO-Chef sagte am Mittwoch vor einem Treffen der Verteidigungsminister der NATO-Staaten in Brüssel, dass es extrem wichtig sei, dass die Bündnispartner Luftabwehrsysteme an die Ukraine lieferten. “Die oberste Priorität wird mehr Luftverteidigung sein.”

US-Generalstabschef Mark Milley verurteilte die jüngsten Raketenangriffe Russlands in der Ukraine. “In den vergangenen Tagen hat Russland seine Angriffe auf die zivile Infrastruktur verstärkt”, sagte Milley, “Russland hat absichtlich zivile Infrastruktur angegriffen, um Zivilisten zu verletzen. Sie haben die Alten, die Frauen und die Kinder in der Ukraine ins Visier genommen. Willkürliche und absichtliche Angriffe auf zivile Ziele sind nach den internationalen Kriegsregeln ein Kriegsverbrechen.”

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte der Ukraine indes langfristige Militärhilfe zu. “Unsere Entschlossenheit, die ukrainischen Verteidiger zu unterstützen, gilt für alle Jahreszeiten”, sagte Austin am Mittwoch am Rande von Beratungen der sogenannten internationalen Ukraine-Kontaktgruppe, über die Waffenlieferungen an das Land koordiniert werden. “Wir werden die Verteidigungskapazitäten der Ukraine weiter ausbauen, sowohl für die dringenden Erfordernisse von heute als auch auf lange Sicht.”

Zur Verteidigung gegen Russlands Angriffskrieg brauche das Land ganz verschiedene Luftabwehrsysteme, etwa gegen ballistische Raketen, Marschflugkörper und Drohnen, betonte Stoltenberg.

Die geplante Anpassung der ukrainischen Streitkräfte an NATO-Standards werde aber noch viele Jahre dauern, hieß es. Für das Ziel der vollständigen Interoperabilität gebe es eine Zehnjahresperspektive, ess gehe dabei um den Umstieg auf westliche, NATO-kompatible Ausrüstung, aber auch um die Militärdoktrin und Themen wie Taktik und Ausbildung. Bisher nutzt die von Russland angegriffene Ukraine überwiegend Ausrüstung, die noch in der Zeit der früheren Sowjetunion entwickelt wurde. Das erschwert es dem Westen derzeit auch, Nachschub an Waffen und Munition für die Verteidigung gegen Russland zur Verfügung stellen.

An Belarus gerichtet forderte Stoltenberg den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko auf, Belarus nicht mehr in den Konflikt in der Ukraine hineinzuziehen. Er erwarte, dass “das Lukaschenko-Regime aufhören wird, sich an diesem Konflikt zu beteiligen”. Und er kritisierte, dass Weißrussland als Aufmarschgebiet für Luftangriffe gegen die Ukraine genutzt wurde. Lukaschenko hatte am Montag angekündigt, mit Russland eine gemeinsame militärische Eingreiftruppe einsetzen zu wollen. Aktuell gebe es aber keine Hinweise darauf, dass sich Belarus aktiv am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligen wolle.

Der Kreml reagierte unterdessen auf Äußerungen Stoltenbergs vom Dienstag. Die Aussage von Stoltenberg, dass ein Sieg Russlands in der Ukraine gleichbedeutend mit einer Niederlage der NATO sei, bestätige, dass die Allianz an der Seite der Ukraine kämpfe, sagte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow vor Journalisten in Moskau. Auf die Frage, ob Moskau Maßnahmen ergreifen würde, antwortete Peskow, dass Russland “seit dem 24. Februar Maßnahmen ergriffen hat”.

Am Dienstag hatte Stoltenberg gesagt, dass ein Sieg Russlands eine “große Niederlage” sowohl für die Ukraine als auch für das gesamte Bündnis wäre, da er “die Welt gefährlicher” und die NATO-Länder “anfälliger für weitere russische Aggressionen” machen würde.

Überschattet werden die Gespräche in Brüssel von der anhaltenden Weigerung des Bündnismitglieds Türkei, den Weg für die Aufnahme Finnlands und Schwedens in die NATO freizumachen. Die beiden Länder hatten Mitte Mai infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Bündnismitgliedschaft beantragt. Die Türkei verweigert bisher aber die Ratifizierung der sogenannten Beitrittsprotokolle. Das Land begründet seine Haltung mit der angeblichen Unterstützung Finnlands und Schwedens von “Terrororganisationen” wie der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Ende Juni hatte es zunächst so ausgesehen, als sei der Streit über die angebliche Unterstützung von Schweden und Finnland für “Terrororganisationen” beigelegt. Die Türkei stellt sich nun allerdings auf den Standpunkt, dass damals getroffene Absprachen vor allem von Schweden noch nicht erfüllt worden seien.

Von: APA/Reuters/dpa/TASS

Kommentare

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8 Kommentare auf "NATO: Russische Atomdrohungen sollen Eingreifen verhindern"


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hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

“Noch nie dagewesene Konsequenzen” für Russland,würden aber auch noch nie dagewesene Auswirkungen für ganz Europa,ja der ganzen Welt bedeuten.Ich wäre mit solch arrogant Stümperhaften Aussagen sehr vorsichtig-und das auf beiden Seiten: Russlands,aber auch der Seite der NATO. Will wer einen atomaren Weltkrieg mit Milliarden von Toten ????
Ich nicht!

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 25 Tage

@Hundeseele: Putin und Russland haben den Krieg in Europa angefangen. Es gibt kein Zurück. Und wie Du weißt: auf Russland wartet der jämmerliche Untergang.

hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

@Tigre.di.montana
du scheinst nicht zu verstehen,dass bei einem Atomkrieg das gesamte Europa untergeht,nicht Russland alleine ….

Waltraud
Waltraud
Kinig
1 Monat 24 Tage

@hundeseele
Das scheinen hier viele nicht zu verstehen.

fritzol
fritzol
Universalgelehrter
1 Monat 25 Tage

na logisch ,wenn wir mehr liefern ist der krieg sofort zu ende

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 25 Tage

fritzle…
Abwehrwaffen nicht Angriffswaffen!
Die Waffen sollen die zivile Bevölkerung schützen!

Joosi
Joosi
Grünschnabel
1 Monat 25 Tage

Koane fragt sich welche Kompetenzen usw hat diese Mensch. Was weiß man überhaupt über ihm,…

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
1 Monat 24 Tage

Josss
Tante Google kann dir helfen!

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