50.000 Soldaten sind an dem Manöver beteiligt

NATO startet Großmanöver “Trident Juncture 18” in Norwegen

Mittwoch, 24. Oktober 2018 | 16:39 Uhr

Die NATO beginnt am Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges. An “Trident Juncture 18”, einer zweiwöchigen Feldübung in Norwegen, werden nach jüngsten Angaben des Militärbündnisses 50.000 Soldaten beteiligt sein. Hinzu kommen 10.000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Das Manöver findet bis zum 7. November statt.

“In den vergangenen Jahren hat sich das Sicherheitsumfeld in Europa deutlich verschlechtert”, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel. “Es ist wichtig, zu zeigen, dass wir in der Lage sind, jeden Bündnispartner gegen jede Art von Gefahr zu verteidigen.” Gleichzeitig betonte Stoltenberg erneut, dass sich das Manöver nicht gegen Russland richte. Seinen Angaben zufolge haben Russland und Weißrussland auch die Einladung der NATO angenommen, Beobachter zu “Trident Juncture” zu schicken.

Vor Beginn des Manövers warnte die NATO das russische Militär vor Provokationen. Er erwarte, dass Russland die größte Übung der NATO seit dem Kalten Krieg überwachen werde, sagte Stoltenberg. Er sehe dabei keine Probleme, solange sich die russische Seite “professionell” verhalte und “gefährliches Verhalten” vermeide. Stoltenberg begrüßte, dass Moskau die NATO-Einladung angenommen habe, Beobachter zu der Übung in Norwegen zu entsenden.

Nach den USA ist die deutsche Bundeswehr größter Truppensteller und mit rund 10.000 Soldaten beteiligt. Ziel des Manövers ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.

Kritik an dem Manöver gibt es dennoch. Die russische Seite werde es sich nicht nehmen lassen, im Gegenzug ebenfalls aufzurüsten und Militärmanöver zu starten, kommentierte der deutsche Linken-Bundestagsabgeordnete Alexander Neu. Die gesamte Übung sei “eine einzige Provokation und Drohgebärde gegenüber Russland”. Neu verwies zudem darauf, dass die NATO-Staaten zuletzt mehr als 14 Mal so viel Geld für die Verteidigung ausgegeben hätten als Russland. “Russland hat momentan weder die materiellen noch die finanziellen und auch nicht die personellen Fähigkeiten, um die NATO überhaupt erfolgreich angreifen zu können.”

Dass die deutsche Bundeswehr so stark beteiligt ist, liegt vor allem daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der NATO übernehmen soll. Die sogenannte VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) wurde im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellt und ist ebenfalls ein Element der Abschreckungsstrategie gegen Russland, der seit 2014 wieder starke Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Damals hatte Russland sich die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt und offensiv damit begonnen, prorussische Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Etliche NATO-Staaten halten ihren großen Nachbarn seitdem für unberechenbar. Dazu tragen auch Russlands Rolle im Syrien-Konflikt sowie vermutete Verstöße gegen den INF-Abrüstungsvertrag über Mittelstreckenwaffen bei.

Zu ersten Zwischenfällen bei der Übung “Trident Juncture” kam es unterdessen im norwegischen Straßenverkehr. Die Polizei meldete in der Nacht auf Mittwoch zwei Unfälle bei Glamos und Jorabrua. In beiden Fällen kollidierten Militärfahrzeuge mit Linienbussen, der Fahrer eines der Busse trug leichte Verletzungen davon. Die NATO teilte zudem mit, dass bei einem Unfall mit vier US-Militärfahrzeugen vier Soldaten verletzt worden seien.

Parallel zu “Trident Juncture” halten einige Verbündete aber auch eine Übung ab, die deutlich näher an russischem Gebiet liegt. Vom 26. Oktober bis zum 8. November findet “Northern Coast 2018” vor der Küste Finnlands in der Ostsee statt. An diesem Manöver nehmen 11 NATO-Staaten sowie Finnland und Schweden mit 40 Schiffen und 4.000 Soldaten teil.

Von: APA/ag./dpa

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