Nawalny möchte dennoch in seine Heimat zurückkehren

Nawalny bezeichnete Putin als Drahtzieher des Giftanschlags

Donnerstag, 01. Oktober 2020 | 19:48 Uhr

Nach seiner Vergiftung hat der Kremlgegner Alexej Nawalny in einem “Spiegel”-Interview den russischen Präsidenten Wladimir Putin für die Tat verantwortlich gemacht. “Ich behaupte, dass hinter der Tat Putin steht, und andere Versionen des Tathergangs habe ich nicht”, sagte er dem Nachrichtenmagazin. Wie der “Spiegel” am Donnerstag berichtete, kündigte der 44-Jährige bei einem zweistündigen Redaktionsbesuch in Berlin auch an, nach Russland zurückzukehren.

“Meine Aufgabe ist jetzt, der Typ zu bleiben, der keine Angst hat. Und ich habe keine Angst!”, so Nawalny. Er werde Putin nicht das Geschenk machen, sich aus dem Kampf in Russland zu verabschieden. Nawalny sagte, dass er die Parlamentswahl im kommenden Jahr fest im Blick habe und dort das Machtmonopol der Kremlpartei Geeintes Russland brechen wolle.

Nur die unter Putins direktem Befehl stehenden Chefs der Geheimdienste – Inlandsgemeindienst FSB, Militärgeheimdienst GRU und Auslandsgeheimdienst SWR – hätten Zugriff auf das tödliche Nervengift Nowitschok, so Nawalny.

Die russische Regierung wirft Nawalny indes vor, vom US-Geheimdienst CIA gesteuert zu werden. CIA-Spezialisten leiteten Nawalny an, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau. Er wies zudem Vorwürfe Nawalnys gegen Putin zurück.

Russlands Führung bestreitet zudem, dass es eine Vergiftung gegeben habe und spricht von einer Provokation. Der prominenteste Gegner von Kremlchef Putin soll mit dem Nervengift der Gruppe Nowitschok vergiftet worden sein. Der Kampfstoff ist nach dem internationalen Verbot von Chemiewaffen geächtet. Russische Geheimdienstler und Regierungsmitglieder betonten mehrfach, dass alle Vorräte des zu Sowjetzeiten entwickelten Gifts vernichtet worden seien.

Zu dem Attentat am 20. August sagte Nawalny: “Du fühlst keinen Schmerz, aber Du weißt, Du stirbst.” Er habe gemerkt, das sei das Ende. “Organophosphate greifen dein Nervensystem an wie eine DDos-Attacke den Computer – das ist eine Überlastung, die dich kaputtmacht.”

Zu Forderungen Russlands, endlich Beweise oder Biomaterial Nawalnys für eigene Untersuchungen vorzulegen, sagte der Kremlgegner, dass in der Klinik in Omsk ausreichend Blut von ihm sein müsse, um die Vergiftung nachzuweisen. In dem Krankenhaus war er nach einer Zwischenlandung notärztlich versorgt worden.

Der Politiker durchläuft nach seiner Entlassung aus der Berliner Klinik Charité inzwischen eine Reha-Maßnahme, um wieder zu Kräften zu kommen. Nawalny, der nach “Spiegel”-Darstellung “rund um die Uhr” von Personenschützern begleitet wird, hatte sich in den vergangenen Tagen auch immer wieder in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Er sagte, dass es ihm schon viel besser gehe – und sein Überleben auch für die Wissenschaft interessant sein könne.

Der Fall hat die Spannungen in den deutsch-russischen Beziehungen noch einmal deutlich verschärft. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die Nawalny in der Klinik besucht hatte, forderte Russland zur Aufklärung des Verbrechens auf. Moskau aber verlangt Beweise für eine Vergiftung und lehnt bis dahin Ermittlungen in dem Kriminalfall ab. Zu Nawalnys Vorwürfen äußerte sich schon kurz nach Veröffentlichung des Interviews Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin, einer der engsten Vertrauen Putins.

“Putin hat ihm das Leben gerettet”, sagte Wolodin in einer auf der Internetseite der Duma veröffentlichten Stellungnahme. Von den Piloten über die russischen Ärzte bis hin zum russischen Präsidenten hätten alle Nawalnys Leben gerettet. Wenn mit ihm wirklich etwas passiert sei, dann handelte es sich um eine Inszenierung der westlichen Geheimdienste. Nawalny arbeite im Auftrag ausländischer Mächte, behauptete Wolodin.

Nawalny betonte in dem Interview, dass er bisher keine Verbindung zu Deutschland gehabt habe, aber dem Land, den Menschen, den Ärzten und Merkel dankbar sei. Die Experten der Charité hätten es geschafft, seine Persönlichkeit wieder herzustellen.

Zur Frage von Sanktionen wegen des Verbrechens sagte er, jede Russland-Strategie müsse “das Stadium des Wahnsinns in den Blick nehmen, das Putin erreicht hat”. In der Debatte um einen Baustopp für die Ostseepipeline Nord Stream 2 überlasse er die Entscheidung aber der deutschen Politik.

Nawalny war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen und später zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma. Nach dem Befund eines Bundeswehr-Speziallabors wurde er mit dem Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Das sollen auch Labors in Frankreich und Schweden bestätigt haben. Mit Spannung werden aktuell die Untersuchungsergebnisse der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erwartet. Danach drohen Russland neue Sanktionen.

Von: APA/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Nawalny bezeichnete Putin als Drahtzieher des Giftanschlags"


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wellen
wellen
Universalgelehrter
27 Tage 22 h

Logisch, wer soll es sonst gewesen sein. Die Methode hat Tradition unter Putin, und es sollen sich die russischen Ärzte schämen die ihren Berufsstand und den hippokratischen Eid verraten haben, indem sie absurde Diagnosen aufgestellt haben.Jetzt ist Putin verdächtig zurückhaltend in der Weißrussland Revolution, der hat sich mit Navalny ein enormes Eigentor geschossen.Nieder mit PutinsTrumpsOrbansSalvinis aller Welt.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
27 Tage 21 h

wellen
Und dann will er wieder zurück? Passt nicht ! Seinen Mut kann man auch anders beweisen.

wavemaster
wavemaster
Neuling
27 Tage 21 h

Der pöse Putin. Er wollte sicher Nordstream 2 verhindern!

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Tratscher
27 Tage 20 h

Klaro hat das Putin getan, weil er seiner eigenen Heimat Russland damit schaden wollte! IroniemodusOFF
Und ein Dilettant ist Putin auch noch, weil er hochgiftiges Nowitschok verwendet hat und das Opfer überlebt.
Und erneut: Wem hat dieses Ereignis denn genützt?
Und erneut 2.0: Dem Herrn Nawalny aus christlicher Nächstenliebe weiterhin gute Besserung und überschätzen Sie Ihren Status in ihrem Land nicht so!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
27 Tage 15 h

Piefke-NRW
Also wenn ich so lese, was Sie geschrieben haben, komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass es Putin NICHT war. Für so blöd halte ich ihn nicht. Ganz im Gegenteil.

luis p
luis p
Tratscher
27 Tage 18 h

ich glaube nicht dass Putin wegen Nawalny alles aufs Spiel setzt. Nawalny ist für Putin kein Gegner und es sich deswegen mit der EU und der ganzen Welt zu vertun ist unlogisch. ich denke eher alle wollen es Putin in die Schuhe schieben.

silas1100101
silas1100101
Universalgelehrter
27 Tage 16 h

Wo sind die Beweise?

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
27 Tage 15 h

Hier ist der Beweis!

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