Anhänger sorgen sich um Oppositionellen

Nawalny in berüchtigtem Gefängnis inhaftiert

Dienstag, 19. Januar 2021 | 13:02 Uhr

Der gerade erst nach Russland zurückgekehrte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny wird in der Hauptstadt Moskau in einem besonders gefürchteten Untersuchungsgefängnis festgehalten. Nawalny sei am Montagabend in die Haftanstalt Matrosenruhe gebracht worden, schrieb ein Sprecher von Moskaus ziviler Beobachtungskommission am Dienstag in seinem Telegram-Kanal. Zuvor hatte auch Nawalnys Team diese Befürchtung geäußert.

In dem Gefängnis gab es immer wieder rätselhafte Todesfälle – unter anderen starb dort im Jahr 2009 der Anwalt Sergej Magnitski. Ein Teil der Untersuchungshaftanstalt wird laut dem Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow, vom Inlandsgeheimdienst FSB kontrolliert. “Eben der FSB, der versucht hat, Nawalny zu vergiften”, so Schdanow. Nawalny sitze nun zum ersten Mal in einem richtigen Untersuchungsgefängnis, schrieb seine Sprecherin Kira Jarmysch. Es sei fast unmöglich, dort mit ihm Kontakt aufzubauen.

Angaben der zivilen Beobachtungskommission zufolge soll es Nawalny in der Haft verhältnismäßig gut gehen. Er sei “froh, wieder in der Heimat zu sein”, die Gefängniswärter übten bisher “keinen moralischen und physischen Druck” auf ihn aus.

Die Behörden äußerten sich weiter nicht zum Aufenthaltsort des 44-jährigen Oppositionellen, der am Sonntagabend direkt nach seiner Ankunft aus Deutschland am Flughafen festgenommen worden war. Dort war er nach einem Giftanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August im sibirischen Tomsk behandelt worden.

Am Mittwoch soll Nawalny in einem weiteren Verfahren wegen Verleumdung eines Weltkriegsveteranen vor ein russisches Gericht gestellt werden. Ob der Oppositionelle wegen der üblichen 14-tägigen Corona-Quarantäne nach seiner Einreise überhaupt vor den Richtern erscheinen kann, war nach Angaben seines Anwalts Wadim Kobsew zunächst offen. “Wir haben keine Ahnung”, sagte Kobsew im Radiosender Echo Moskau.

Das Verfahren wegen Verleumdung war bereits im Juli vergangenen Jahres begonnen worden; nach dem Giftanschlag auf Nawalny und dessen anschließender Behandlung in Deutschland wurde es jedoch ausgesetzt. Die Justiz wirft dem 44-Jährigen “unwahre” und “beleidigende” Äußerungen über einen Weltkriegsveteranen vor. Dieser hatte sich im Fernsehen für das Verfassungsreferendum von Russlands Präsident Wladimir Putin ausgesprochen.

Direkt nach seiner Ankunft wurde Nawalny am Montag in einem umstrittenen Schnellverfahren mit 30 Tagen Haft belegt. Ihm wird vorgeworfen, gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen zu haben. Nawalny und sein Team kritisieren das Verfahren als politische Inszenierung mit dem Ziel, ihn zum Schweigen zu bringen. “Ein normaler Mensch kann diese Absurdität nicht verstehen”, schrieb seine Sprecherin Jarmysch am Dienstag auf Twitter. Nawalny rief seine Anhänger zu Protesten auf.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte das Vorgehen der russischen Behörden. Die “beispiellose Überraschungsanhörung” Nawalnys am Montag sei “absurd” und eine Verhöhnung der Justiz. Bis zum letztmöglichen Moment sei dem Kreml-Kritiker der Zugang zu seinem Anwalt verweigert worden. “Diese absurde Theatralik entlarvt die Verzweiflung der russischen Behörden, Alexej Nawalny zum Schweigen zu bringen”, betonte Natalia Zviagina, Direktorin des Moskauer Amnesty-Büros in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

Die russische Führung schwieg weitgehend zu dem Verfahren um Nawalny. Außenminister Sergej Lawrow gab in Moskau zwar eine Online-Pressekonferenz, betonte aber, er sei für die rechtliche Seite des Falls in Russland nicht zuständig. Das sei Sache der russischen Sicherheitsorgane. Gleichwohl forderte er Deutschland erneut dazu auf, Beweise für eine Vergiftung Nawalnys vorzulegen.

Die Forderung der deutschen Regierung und anderer Staaten nach einer Freilassung Nawalnys wies der Kreml entschieden zurück. “Das ist eine innere Angelegenheit der Russischen Föderation, wir erlauben es nicht, sich da einzumischen”, so Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Als “Unsinn” bezeichnete Peskow Nawalnys Vorwürfe, dass Putin “Angst” vor dem Oppositionellen habe und ihn deshalb habe einsperren lassen. Für Putin gebe es hier keinen besonderen Anlass, sich in den Fall Nawalny einzuschalten.

Die russische Generalstaatsanwaltschaft warf Deutschland unterdessen vor, Rechtshilfeersuchen wenig aufschlussreich beantwortet zu haben. “Das zeigt die Absicht der ausländischen Kollegen, die wahren Umstände des Vorfalls zu verbergen, um die unbegründeten Anschuldigungen gegen die russische Seite fortzusetzen”, hieß es. Am Freitag hatten die deutschen Behörden mitgeteilt, sie hätten die russischen Gesuche beantwortet. Berlin forderte Moskau zudem erneut auf, das Verbrechen an Nawalny aufzuklären.

Nawalny und sein Team machen Russlands Präsidenten Wladimir Putin und den FSB für den Giftanschlag mit dem Nervengift Nowitschok verantwortlich. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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16 Kommentare auf "Nawalny in berüchtigtem Gefängnis inhaftiert"


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Maurus
Maurus
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Ein Schauspieler, dem der Westen aufhorcht

Aurelius
Aurelius
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Putin ist ein Diktator der über Leichen geht

Faktenchecker
1 Monat 6 Tage

Kenne einen richtigen Schauspieler:

sich für 100 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) ein “Königreich” gebaut zu haben, das 39 Mal so groß sei wie Monaco.

Faktenchecker
1 Monat 6 Tage

Und sich ein Zarenreich einrichtet:

https://youtu.be/ipAnwilMncI

“sich für 100 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) ein “Königreich” gebaut zu haben, das 39 Mal so groß sei wie Monaco.”

n-tv

Namulith
Namulith
Tratscher
1 Monat 5 Tage
Anduril61
Anduril61
Tratscher
1 Monat 6 Tage
Es ist schon interessant wie sich Merkel und die EU Granden für Nawalny einsetzen, das Feindbild Putin muss um jeden Preis erhalten werden…🤔🤔🤔 Wenn es um aber um Julian Assange geht, der Kriegsverbrechen des US Militärs aufgedeckt hat und dafür heute in einem britischen Hochsicherheitsknast sitzt da schweigen dieselben Politiker…🤔🤔🤔 was hat Nawalny bisher grosses geleistet ausser permanent gegen Putin zu hetzen ? OK. er hat Korruption im Land aufgedeckt und einige Missstände, aber wo gibt es das nicht….Als Regierungschef könnte ich mir einen Nawalny nie vorstellen, da könnte Europa und die Nato mit ihren geplanten Osterweiterungen dann aber ein… Weiterlesen »
giovanocci
giovanocci
Tratscher
1 Monat 5 Tage

eben alles nur show!!

Das brauchen die un Schlagzeilen zu haben

Jaga1456
Neuling
1 Monat 6 Tage

Russland wird zur diktatur.. und bei uns aber auch, wie der fall Assange beweist.. leider regieren kriminelle die welt

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 6 Tage

m888..die Wähler machens möglich.

ibens
ibens
Grünschnabel
1 Monat 6 Tage

Wäre er halt nicht hingefahren… Mich würde eher die ehrliche (!) Meinung der Mehrheit der Russen zu Putin und Nawalny interessieren – und darum müsste es doch gehen?!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Im WDR-Radio war ein interessanter Beitrag dazu. Putin ist laut einer neutralen NGO-Umfrage unter russischen Bürgern die absolute Nr. 1. Herrn Nawalny kennen 1%. Und das sind politisch interessierte Menschen, die in sozialen Netzen unterwegs sind.
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-tagesgespraech/audio-nawalny–muss-deutschland-mehr-wagen-100.html

Paula
Paula
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Der Herr Nawalny wusste doch sicher was ihn erwarten würde, wenn er wieder in die Heimat zurück reist. Dass die ihn verhaften würden ist ja nun nicht undenkbar. Und dass er da nicht unbedingt in ein Wellnesshotel mit Massage und Pool untergebracht wird hätte er sich auch an einer Hand abzählen können.
Wie schon hier geschrieben wurde – interessant wäre es zu wissen, wie die Bevölkerung in Russland das sieht und von dem Ganzen hält.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 6 Tage

Wer die medialen Schlammschlachten der Geschichte ein wenig verfolgt hat,weis wie Propaganda funktioniert und wer die Drahtzieher solcher Inszenierungen sind.
Nur zur Info
Giftgas im Irak
Lybien und Menschenrechtsverletzungen
Syrien Giftgas
usw,usw.

Faktenchecker
1 Monat 6 Tage

Wer das Reich des Zaren Putin sehen möchte.

https://youtu.be/ipAnwilMncI

“sich für 100 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) ein “Königreich” gebaut zu haben, das 39 Mal so groß sei wie Monaco.”

n-tv

Alles mit dem Volk gestohlenem Geld bezahlt!

Peerion
Peerion
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

A. Nawalny teilt das gleiche Schicksal wie J. Assange, der auch wegen Verstosses gegen Bewährungsauflagen seit über einem Jahr in einem britischen Gefängnis sitz, gleichwohl sich hier westliche Regierungen nicht so für ihn ins Zeug legen wie für A. Nawalny.

eisern
eisern
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Das eigentliche Problem der Menschenrechte in Russland verkommt zu einer Inszenierung. Wer spricht noch über die Krim, die Ukraine und die Unterstützung Putins für Lukaschenko in Weißrussland? Abhängigkeit von den Bodenschätzen im Zarenreich ist stärker als das Einfordern von Menschenrechten ,besonders für D nach dem zweiten Weltkrieg.

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