Vitamintherapie für russischen Oppositionellen verschrieben

Nawalny ins Gefängniskrankenhaus verlegt

Montag, 19. April 2021 | 17:27 Uhr

Der in einem Straflager erkrankte russische Kremlgegner Alexej Nawalny ist in ein Krankenhaus für Gefangene verlegt worden. Das teilte die Gefängnisbehörde am Montag mit. Der Gesundheitszustand des Oppositionellen wurde demnach als “zufriedenstellend” bezeichnet. Nawalny ist bereits seit mehr als zweieinhalb Wochen im Hungerstreik, um so einen Arztbesuch durchzusetzen. Sein Team warnte vor einem drohenden Herzstillstand.

Nawalny sei in die Einrichtung auf dem Gelände eines anderen Straflagers gekommen, teilte die Gefängnisbehörde weiter mit. Er werde täglich von einem Arzt untersucht. Nach Angaben seiner Anhänger ist Nawalnys Zustand dagegen kritisch. Sie fürchten um das Leben des Oppositionellen. Sein Team warnte eindringlich wegen kritischer Kaliumwerte im Blut vor dramatischen Folgen. Der Oppositionspolitiker klagte zuletzt über Rückenleiden, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fieber und Husten.

Nawalnys Anwalt Alexej Lipster teilte mit, er warte jetzt in der Strafkolonie im Ort Wladimir bei Moskau auf Zugang zu seinem Mandanten. Er habe aber noch keine Besuchserlaubnis erhalten. Der Leiter von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Ivan Schdanow, erklärte auf Twitter, die Verlegung könne nur bedeuten, dass sich der Zustand des Oppositionellen verschlechtert habe. “Und zwar in einem solchen Maße, dass es sogar der Folterer zugibt.”

Die Nawalny-Mitstreiterin Ljubow Sobol sagte einem Moskauer Radiosender, sie wisse nicht, was mit Nawalny über das Wochenende passiert sei, weil die Anwälte ihn nicht besuchen dürften. “Ich denke, es besteht keine Hoffnung, dass wir heute gute Nachrichten über seine Gesundheit erhalten. Ich denke, sein Zustand ist wirklich sehr kritisch, fast sehr ernst. Zwanzig Tage im Hungerstreik – das ist eine Menge.”

Den Behörden zufolge wird der 44-Jährige jeden Tag von einem Allgemeinmediziner untersucht. “Mit Zustimmung des Patienten wurde ihm eine Vitamintherapie verschrieben”, heißt es in der Mitteilung. Das Krankenhaus in der Region Wladimir östlich von Moskau sei auf “die laufende Beobachtung” solcher Patienten spezialisiert.

Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa widersprach im Kurznachrichtendienst Twitter den Behörden. Er sei nicht in ein Krankenhaus gebracht worden, sondern in ein anderes Straflager, in dem auch an Tuberkulose erkrankte Häftlinge behandelt werden könnten. “Dies ist überhaupt kein Krankenhaus, in dem sie eine Behandlung für seine Probleme diagnostizieren können”, schrieb sie. Sie forderte am Montag erneut, dass sie Nawalny im Straflager untersuchen dürfe.

Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Josep Borrell, machte die russischen Behörden für Nawalnys Gesundheitslage verantwortlich. Die Situation sei sehr besorgniserregend. Russland müsse für eine Behandlung sorgen, forderte Borrell vor einer Videokonferenz der 27 EU-Außenminister.

Die USA, EU, Deutschland und Österreich hatten am Sonntag die russische Führung aufgefordert, dem Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin medizinischen Zugang zu gewähren. Washington drohte sogar mit Konsequenzen, sollte Nawalny in Haft sterben.

Das Team des Oppositionellen hat für den kommenden Mittwoch zu Proteste aufgerufen – an dem Tag will Putin eine Rede an die Nation halten. Die Behörden warnten nun vor einer Teilnahme an den nicht genehmigten Protesten und kündigten ein hartes Durchgreifen an.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte dazu in Moskau der Agentur Interfax zufolge, der Gesundheitszustand von Gefangenen in Russland habe im Ausland niemanden zu interessieren.

Nawalny hatte im vergangenen August in Russland einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebt und war monatelang in Deutschland behandelt worden. Russlands bekanntester Oppositioneller wurde im Februar zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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8 Kommentare auf "Nawalny ins Gefängniskrankenhaus verlegt"


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pusteblume
pusteblume
Tratscher
22 Tage 6 h

Des isch der Beweis derfir, wos in Russland laaft. Es isch uanfoch lai brutal, daaa man fir die medizinische Behandlung in Hungerstreik gian muass und vielleicht stirbt. Furchtbor

Doolin
Doolin
Superredner
22 Tage 5 h

…möchten kaum wissen, welche Behandlung er kriegt…
😆

quilombo
quilombo
Tratscher
22 Tage 1 h

😄😃😀

limbo
limbo
Neuling
22 Tage 2 h
Mich würde nur mal interessieren warum er mit dieser direkten Konfrontation nicht aufgehört hat ganz klar dass er dann auch mit den Konsequenzen zu rechnen hat. Da braucht man nicht Russland als böses Land hinzustellen, das wäre in anderen Länder auch nicht anders. Probiert das doch mal hier oder in den USA, dem ach so perfekten Land wo mit Sicherheit alles ganz richtig läuft!?? Und noch was mit welchem Geld wird wohl der Herr unterstützt im Hintergrund?? ob dieses wohl so sauber ist?? Tatsache ist er wollte groß in die Politik einsteigen, aus welchen Gründen auch immer ist das mißlungen… Weiterlesen »
Kurotowa
Kurotowa
Grünschnabel
22 Tage 4 h

Üver Navalny gibt es mehr Stories in einer Woche als über Assange in 10 Jahren…

quilombo
quilombo
Tratscher
22 Tage 41 Min
ja. Julian Assange sitzt seit über 2 Jahren unschuldig wie ein Schwerverbrecher. Die folterähnlichen Haftbedingungen haben seine Gesundheit ruiniert, er könnte jeden Tag sterben. Es gibt keinen Schuldspruch und kein Urteil gegen ihn, er hat der Welt schwere Kriegsverbrechen veröffentlicht. Die Verbrecher wurden nicht zur Rechenschaft gezogen, ja nicht einmal vor Gericht gestellt. Julian Assange riskiert 175 Jahre Gefängnis dafür, daß er ihre Verbrechen ans Tageslicht brachte. Das Pech Julian Assanges ist, daß er nicht in Rußland gefangen ist. Also redet man auch nicht über ihn. Die EU und die Usa drohen England nicht mit Konsequenzen, falls ihm etwas zustößt.… Weiterlesen »
quilombo
quilombo
Tratscher
22 Tage 1 h
Nawalny leidet schon seit Jahren an einer Lebenmittelallergie. Wenn er nicht aufpaßt, dann hat er einen akuten Anfall. Das ist ihm auch in Omsk passiert. Die dortigen Ärzte haben ihm das Leben gerettet. Anschließend wohlte er in Deutschland sich auskurieren lassen. Dabei wurde zusammen mit der Nato und den Usa die Vergiftungsgeschichte mit Nowitschok erfunden, für die immer noch keine Beweise erbracht wurden, um einen weiteren Vorwand zu haben, Schritte gegen Rußland zu beginnen. Nawalny selbst hat sich seine Rückkehr nach Moskau wohl wie einen Trumpfzug vorgestellt, es war ein Fiasco. Die Russen wollen nichts wissen von ihm, aus gutem… Weiterlesen »
eisern
eisern
Tratscher
22 Tage 3 h

Wie ist es möglich das aus einem russischen Gefängnis Kaliumwerte nach außen dringen?Alles schon sehr speziell und gut inszeniert. Ich befürchte das die ganze Wahrheit nie ans Tageslicht kommt.

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