Russische Führung will Nawalny vergessen machen

Nawalny muss im Straflager Staatsfernsehen schauen

Donnerstag, 26. August 2021 | 01:23 Uhr

Der in Russland inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny hat erstmals aus dem Straflager heraus ein Interview gegeben – und sich über seine Haftbedingungen beschwert. Er werde etwa gezwungen, jeden Tag stundenlang Staatsfernsehen und Propagandafilme zu sehen, erklärte der 45-Jährige in dem Interview mit der US-Tageszeitung “New York Times”. Lesen oder Schreiben sei in dieser Zeit verboten. “Du musst auf einem Stuhl sitzen und auf den Fernseher schauen.”

Insgesamt sollen 54 handgeschriebene Seiten mit Nawalnys Antworten bei den Journalisten angekommen sein. Seine Pressesprecherin Kira Jarmysch bestätigte auf Twitter, dass es sich um das erste Interview seit seiner Inhaftierung in dem Lager in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau handelte. Die “New York Times” veröffentlichte am Mittwoch daraus Ausschnitte.

Nawalny gilt als der schärfste Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er war im Februar zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden, weil er gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von einem Mordanschlag erholte. Das Urteil wurde international vielfach als politisch motiviert kritisiert.

In dem Interview der “New York Times” forderte der Oppositionspolitiker erneut harte Sanktionen gegen russische Oligarchen, die Putin unterstützen. Die Strafmaßnahmen von EU und den USA dürften nicht die einfache russische Bevölkerung treffen.

“Das Putin-Regime ist ein historischer Unfall und keine Gesetzmäßigkeit”, schrieb Nawalny laut der Zeitung in einer Antwort an die Journalisten. “Früher oder später wird dieser Fehler korrigiert werden und Russland einen demokratischen, europäischen Weg einschlagen.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Nawalny muss im Straflager Staatsfernsehen schauen"


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heris
heris
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Die Russischen Gefängnisse sind auch nicht mehr daß – was sie einmal waren – Handy , Fernsehen , Gute Verpflegung  usw. Das sollte aber baldigst geändert werden. Wo bleibt der Strafvollzug – die Leben ja wie in einen Sanatorium.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

was bist du für einer???
kannst dich ja mal bewerben und dort urlaub machen…

Quentin
Quentin
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage
Eine zu harte Bestrafung führt unter keinen Umständen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Resozialisierung. Wenn man Menschen keine Freiheiten gibt und absolut hart ist werden sie wahrscheinlich nach der Haft zu Tieren. Das ist auch nicht Sinn der Sache, denn dann bekommt man genau das was man nicht möchte. Ich möchte damit jetzt aber nicht sagen man sollte gar keine Autorität mehr zeigen, das wäre Schwachsinn. Mmn muss man auch zwingend versuchen einen so weit wie möglich “normalen” Alltag zu ermöglichen damit sich die Leute so schnell wie möglich wieder integrieren können und uns keine Steuern mehr kosten.… Weiterlesen »
Moods
Moods
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Bei uns wäre die Strafe für Stunden RTL schauen und Bild lesen😂

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 2 Tage

Nawalny muss im Straflager Staatsfernsehen schauen.

Das fällt doch sicherlich unter Folter?

olter
olter
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Erinnert mich an die Folterszene in ‘Eins, Zwei, Drei’ von Billy Wilder…

eisern
eisern
Superredner
1 Monat 2 Tage

Wenn ein Gefangener in Russland Interwiews machen kann und 54 Seiten aus dem Knast in die Hände von Journalisten gelangt dann ist das kein Zufall. Wenn dann noch publik werden kann das Nawalny Fernsehen muss da kann ich nur den Kopf schütteln. Wenn man russische Gefängnisse kennt dann weiß jeder das es wieder ein neues Theaterstück ist was da gespielt wird. Nawalny wird lächerlich gemacht und Putin hat seinen Spaß.

olter
olter
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Natürlich ist das Trollen mit Absicht. Zuerst durfte Navalny sein gerendertes Putin-Palast Video groß rausbringen, jetzt führt halt ein anderer Regie. 😁
Assange natürlich kann von solchen Haftbedingungen wie Navalny sie hat nur träumen, der wird mit richtig perfiden Methoden fertig gemacht.

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