Großer Terrorprozess in Brüssel

Nebenkläger kritisieren Abwesenheit von Abdeslam

Donnerstag, 08. Februar 2018 | 18:49 Uhr

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam wegen Schüssen auf belgische Polizisten haben Opfervertreter am Donnerstag die Abwesenheit des Angeklagten kritisiert. Abdeslam mache sich über den Rechtsstaat lustig, sagte der Anwalt von zwei als Nebenkläger auftretenden Polizisten im Brüssler Gericht. Abdeslams Anwalt rief das Gericht auf, seinen Mandaten fair zu behandeln.

Abdeslam war am zweiten und voraussichtlich letzten Prozesstag nicht anwesend. Der 28-jährige Franzose und sein mutmaßlicher Komplize, der 24-jährige Tunesier Sofiane Ayari, werden beschuldigt, vier Monate nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 bei einer Wohnungsdurchsuchung in einem Brüsseler Vorort das Feuer auf Beamte eröffnet zu haben. Abdeslam war als einziger überlebender mutmaßlicher Attentäter der Pariser Anschläge mit 130 Toten zu dem Zeitpunkt der meistgesuchte Mann Europas.

Bei der Schießerei in dem Brüsseler Vorort wurden drei Polizisten verletzt, die Beamten erschossen den Islamisten Mohamed Belkaid. Ayari und Abdeslam entkamen. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft fordert für beide 20 Jahre Haft wegen versuchten Polizistenmordes.

Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass es bei dem Schusswechsel aufseiten der mutmaßlichen Islamisten lediglich zwei Waffen gab: Ayari hielt die eine, Belkaid, der getötete dritte Verdächtige, die andere. Abdeslams DNA-Spuren wurden in der Wohnung im Brüsseler Vorort gefunden, nicht aber an den Waffen.

Beim Auftakt am Montag hatte sich Abdeslam geweigert, Fragen zu beantworten, und den Richtern getrotzt: Er habe keine Angst und vertraue auf Allah, sagte er. Am Dienstag ließ er wissen, dass er nicht erneut vor Gericht erscheinen wolle. Am Donnerstagnachmittag, während die Anhörung in Brüssel noch lief, wurde er bereits zurück in das Gefängnis nahe Paris gebracht, in dem er bis zum Prozessbeginn untergebracht war.

Sein Verteidiger, der bekannte belgische Anwalt Sven Mary, bestätigte am Donnerstag, er werde seinen Mandanten dennoch weiterhin vertreten. Mary rief das Gericht dazu auf, seinen Mandanten wie jeden anderen zu behandeln. “Diese Akte ist belastet durch alles, was sie gelesen und gehört haben”, sagte Mary an die Brüsseler Richter gewandt. Sie dürften sich davon nicht beeinflussen lassen. “Urteilen Sie über ihn wie über jeden anderen”, sagte Mary in seinem Plädoyer. In dem vor dem Brüsseler Gericht verhandelten Fall seien “keine Elemente vorhanden, um Abdeslam für eine terroristische Straftat zu verurteilen”.

Wegen eines möglichen Verfahrensfehlers plädierte Mary außerdem für die Unzulässigkeit des Prozesses. Dem Anwalt zufolge war der Durchsuchungsbefehl für die Wohnungsdurchsuchung fälschlicherweise in französischer Sprache ausgestellt worden, hätte aber auf Niederländisch verfasst sein müssen. Das stelle das gesamte Verfahren gegen Abdeslam und Ayari in Frage.

Der Anwalt des Mitangeklagten Ayari, Isa Gultaslar, plädierte ebenfalls gegen eine Terrorverurteilung. Es scheine, als solle seinem Mandanten statt wegen der Schießerei wegen Terrorismus der Prozess gemacht werden, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Ayari hatte sich vor Gericht zwar kooperativ gezeigt, entgegnete aber auf viele Fragen, er könne sich nicht erinnern, oder verwies auf frühere Aussagen.

Abdeslams Erscheinen vor Gericht war ursprünglich mit Spannung erwartet worden. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er Mitglied der Terrorzelle ist, die neben den Anschlägen in Paris auch für die beiden Anschläge am Brüsseler Flughafen und in der Metro der belgischen Hauptstadt im März 2016 mit 32 Toten verantwortlich gemacht wird. Der Prozess in Brüssel steht zunächst aber nicht in Verbindung mit den islamistischen Anschlägen. Das Urteil wird in mehreren Wochen erwartet.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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1 Kommentar auf "Nebenkläger kritisieren Abwesenheit von Abdeslam"


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Pizzaiolo
Pizzaiolo
Neuling
10 Tage 59 Min

Armer westlicher Rechtsstaat … genau aus diesem Grund lachen uns die arabischen Welten aus und bezeichnen uns als „weich Eier“ … in deren Länder gibt es noch Hängen, Steinigen oder Folter. Der Angeklagte sollte nach Recht des Herkunftslandes bestraft werden so wie damals Saddam Hussein und seine Gefolgen … Hängen und öffentlich verwesen lassen … sind zwar harte Massnahmen, zeigen aber dass der Westen doch noch „Eier“ hat – Nachahmungstäter sollten abgeschreckt werden

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