Netanyahu erhob schwere Vorwürfe gegen den Iran

Netanyahu: Beweise für “geheimes” iranisches Atomprogramm

Montag, 30. April 2018 | 22:46 Uhr

Israel hat nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu “neue und schlüssige Beweise” dafür, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm verfolgt. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und verstoße damit gegen das internationale Atomabkommen, sagte Netanyahu am Montag in Jerusalem. Er bezichtigte die Führung in Teheran der “dreisten Lüge” über ihre wahren Absichten.

Die Informationen stammen nach Netanyahus Angaben aus einem “geheimen Atomarchiv” des Iran. Israels Geheimdienste hätten vor wenigen Wochen zehntausende Dokumente aus diesem Archiv erhalten. Das 2015 in Wien geschlossene internationale Atomabkommen nannte er einen “schrecklichen Deal”, der nie hätte unterzeichnet werden sollen. “Das Atomabkommen basiert auf Lügen”, sagte er weiter. Das geheime Material, das der Iran nach der Unterzeichnung des Atomabkommens versteckt habe, könne zum Bau von “fünf Hiroshima-Bomben” dienen, sagte Netanyahu.

Bei den neuen Erkenntnissen handle sich um einen “großartigen Erfolg” der israelischen Geheimdienste. Die Unterlagen belegen nach Angaben Netanyahus, dass der Iran entgegen den Beteuerungen seiner Führung konkret am Bau einer Atombombe gearbeitet habe und weiter danach strebe, die Reichweite seiner atomwaffenfähigen Raketen auszuweiten. Diese Unterlagen über die Entwicklung seines Atomprogramms habe der Iran in einem “geheimen Atomarchiv vor der internationalen Gemeinschaft versteckt” und bewahre sie dort seit Jahren auf. Israel verfüge über “exakte Kopien” der Unterlagen und werde diese mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiekommission (IAEO bzw. IAEA) teilen. Die Informationen seien schon an die USA weitergereicht worden, die die Echtheit bestätigen könnten.

Netanyahus Auftritt war ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump und ein Gespräch mit US-Außenminister Mike Pompeo über die Iran-Politik vorangegangen. Im Anschluss hatte Pompeo erklärt: “Wir sind weiterhin sehr besorgt über die gefährliche Eskalation der Bedrohung Israels und der Region durch den Iran.” Netanyahu bezeichnete das iranische Atomprogramm als größte Bedrohung für die Welt, insbesondere für Israel und die USA.

US-Präsident Donald Trump sieht sich durch die israelischen Vorwürfe gegen den Iran in seiner harten Haltung gegen Teheran bestätigt und kritisierte das Atomabkommen erneut. Die Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu zeige, dass er mit seiner Meinung über den Iran zu “hundert Prozent” Recht gehabt habe, sagte Trump am Montag in Washington.

Trump sagte, die Situation sei nicht akzeptabel. Der Iran sei nicht untätig, erklärte der US-Präsident und verwies auf iranische Raketentests.

Das internationale Atomabkommen mit Teheran nannte Trump erneut einen “schrecklichen” Deal. Er sagte aber nicht, ob Amerika aus der Vereinbarung aussteigen wird. Man werde sehen, was passiere, erklärte er. Er werde vor oder am 12. Mai eine Entscheidung treffen. Er erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, ein neues Abkommen auszuhandeln.

Bis zum 12. Mai muss der Republikaner entscheiden, ob von den USA ausgesetzte Sanktionen gegen den Iran außer Kraft bleiben. Dies wird de facto auch als Entscheidung über den Verbleib der USA in dem Abkommen angesehen. Auf die Frage, welche Botschaft ein Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen an Nordkorea senden würde, sagte Trump: “Ich denke, es würde die richtige Botschaft senden.”

Der Iran weist die von Israels Regierungschef Netanyahu erhobene Vorwürfe zurück, das Land habe umfangreiches Know-how zum Atomwaffenbau heimlich aufbewahrt. Bei der Präsentation Netanyahus handle es sich um aufgewärmte, alte Anschuldigungen, mit denen sich die Atomenergiebehörde IAEO (IAEA) bereits auseinandergesetzt habe, schrieb Außenminister Mohamed Javad Zarif am Montag auf Twitter.

Er kritisierte auch US-Präsident Trump dafür, dass er sich Netanyahus Anschuldigungen zu eigen mache. Die “ungestüme” Reaktion Trumps belege eine koordinierte Zeitplanung für die angebliche Enthüllung.

Netanyahu hatte seine Präsentation vor Journalisten auf Zehntausende Dokumente aus einem “geheimen Atomarchiv” in Teheran gestützt, die der israelische Geheimdienst sichergestellt habe. Es handelt sich nach seinen Worten um “neue und schlüssige Beweise zu dem geheimen Atomprogramm, das der Iran seit Jahren vor der internationalen Gemeinschaft versteckt”.

Von: APA/dpa

Kommentare

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9 Kommentare auf "Netanyahu: Beweise für “geheimes” iranisches Atomprogramm"


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lord schnee
lord schnee
Tratscher
27 Tage 8 h

man hat wohl angst, dass russland und der iran die region stärker unter ihre kontrolle bekommen. also her mit noch mehr chaos.

enkedu
enkedu
Kinig
27 Tage 7 h

Das ist keine Angst sondern das sind Fakten. Israel sorgt sich zu recht.

Antivirus
Antivirus
Superredner
27 Tage 4 h

Endlich droht mal Vergeltung, Israel hat sich mit den Jahren Amerikas Unterstützung Palästina schon fast zur Gänze zu eigenen gemacht , Amerika hat sich in 20 Jahren Krieg Pleite geschossen nun kommt der Schlaue ins Spiel nämlich Russland, die benützen das Köpfchen und spielen Amerikas Träume “Schachmatt “

witschi
witschi
Universalgelehrter
26 Tage 17 h

@Antivirus, das land gehört doch allen und niemand ist illegal, predigen doch die linken immer. also hat israel recht

lord schnee
lord schnee
Tratscher
26 Tage 16 h

@enkedu ja israel sorgt sich zu recht, aber allen anderen geht es nur um den freien zugang zum öl. man erpresst sich gegenseitig. die länder müssen gegeneinander ausgespielt werden, wenn amerika seinen einfluss behalten will. wen wunderts, wenn das immer mehr satt haben: die einen greifen zu den waffen, die anderen gehen.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
27 Tage 33 Min

Ich misstraue Israel und Netanyahu bei Weitem mehr als dem Iran. Apartheid-Politik und Siedlerkolonialismus der Zionisten sind von der dreistesten Art, die man sich vorstellen kann und heutzutage weltweit einzigartig.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
27 Tage 18 Min

Und außerdem sollten sich der Israelische Staat und Geheimdienst in punkto “geheimes Atomwaffenprogramm” selbst an die Nase fassen – hätte Mordechai Vanunu 1986 nicht Informationen über Dimona als “whistleblower” an die Öffentlichkeit gebracht, wäre es auch weiterhin geheim  geblieben. Das hat ihm dann halt 18 Jahre Gefängnis, davon 11 Jahre in Isolationshaft, eingebracht und bis heute wird er drangsaliert, darf weder Handy noch Internet benutzen und auch nicht Israel verlassen, um mit seiner norwegischen Frau in Oslo zu leben.
Nun … es ist ja häufig so, dass man anderen unterstellt, was man selbst tut oder getan hat.

der Rote Wichtel
26 Tage 23 h

Wieso beschleicht mich so ein merkwürdiges Gefühl, wenn uns die unheilige Allianz wieder einmal “zu 100% zuverlässige Beweise” für irgend ein militärisches Vergehen eines Nahoststaates vorlegt?

dom99
dom99
Grünschnabel
26 Tage 17 h

Jetzt wo der Krieg in Syrien für die U.S. verloren ist, versucht man einen neuen Konflikt und Krieg zu provozieren. Die U.S.A brauchen den Krieg um ihre marode Wirtschaft am Leben zu halten. Da kommen neue Beweise für ein scheinbares Atomprogramm seitens des Irans sehr gelegen. Man erinnere sich an die Beweise und den folgenden hundertausenden Toten im Irak.
Da werden ganze Länder in Schutt und Asche gelegt nur um wirtschaftliche Interessen eines oder weniger Länder durchzusetzen. Auch Lybien, Afghanistan und noch viele mehr sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.
Wann wird diesen Verbrechern endlich das Handwerk gelegt?

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