Donald Trump Jr. war bei dem Gespräch dabei

Neue Enthüllungen über Russland-Kontakte des Trump-Teams

Montag, 10. Juli 2017 | 18:18 Uhr

Kurz nach seinem Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin sieht sich US-Präsident Donald Trump mit neuen Enthüllungen zu den Russland-Kontakten seines Wahlkampfteams konfrontiert. Wie die “New York Times” berichtete, hatten sich der älteste Sohn des heutigen Präsidenten zusammen mit seinem Schwager Jared Kushner im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen.

Diese habe im Vorfeld kompromittierende Informationen über die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in Aussicht gestellt. Bei dem Treffen, an dem auch Trumps damaliger Wahlkampfchef Paul Manafort teilgenommen habe, handle es sich um den frühesten bisher bekannten Russland-Kontakt dieser Art von Wahlkampfmitarbeitern Trumps, berichtete die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter des Weißen Hauses.

Kellyanne Conway, eine Topberaterin des Präsidenten, spielte die Bedeutung der Begegnung herunter. Es sei schließlich nichts dabei herausgekommen, “und das ist es, was zählt”, sagte sie am Montag dem Sender CNN. Im Übrigen habe man im Wahlkampf nicht lange suchen müssen, um Schlechtes über Clinton herauszufinden.

Donald Trump junior bestätigte das Treffen mit der Anwältin Natalia Weselnitskaja, die mit dem Kreml vernetzt ist. Er bestätigte auch, dass es darin unter anderem um die Clinton-Kampagne gegangen war. Die Anwältin habe angeführt, über Informationen zu verfügen, wonach “Personen mit Verbindungen nach Russland” die Parteizentrale der US-Demokraten finanziell unterstützten und auch Clinton unter die Arme griffen.

Im Verlauf des Gesprächs sei jedoch schnell klar geworden, dass Weselnitskaja über “keine bedeutsamen Informationen” verfügt habe, erklärte der Trump-Sohn. Ihr eigentliches Anliegen seien die Adoptionen russischer Kinder durch Paare in den USA gewesen, die Putin zuvor ausgesetzt hatte. Ihre Angaben, über kompromittierende Informationen zur Clinton-Kampagne zu verfügen, seien nur ein “Vorwand” gewesen, damit das Treffen zustande komme.

Noch im März hatte Donald Trump junior in einem Interview der “New York Times” geleugnet, an irgendwelchen Treffen mit russischen Staatsbürgern teilgenommen zu haben, in denen es um den US-Wahlkampf gegangen sei.

Am vergangenen Wochenende sagte der Trump-Sohn dann auf Anfrage der Zeitung zunächst, dass es bei dem Treffen mit Weselnitskaja um die Adoptionen gegangen sei, die Clinton-Kampagne nannte er nicht als Gesprächsthema. Erst später räumte er ein, dass es auch um den Wahlkampf der Trump-Rivalin gegangen sei.

Weselnitskaja erklärte ihrerseits laut “New York Times”, über den US-Wahlkampf sei bei dem Gespräch “nicht im geringsten” gesprochen worden”. Auch habe sie das Gespräch nicht im Auftrag der russischen Regierung geführt. Ein US-Präsidentensprecher wiederum beteuerte, dass Trump damals nicht von dem Treffen gewusst habe.

Die US-Geheimdienste sind überzeugt, dass Moskau hinter den Hackerangriffen auf die Parteizentrale der Demokraten und das Clinton-Team steckte und damit den Ausgang der Wahl zugunsten Trumps beeinflussen wollte. Ein vom US-Justizministerium eingesetzter Sonderermittler geht dem Verdacht nach, dass es Absprachen zwischen Trump-Mitarbeitern und Moskau über die russischen Cyberinterventionen gegeben haben könnte.

Zuletzt wies Putin bei seinem Treffen mit Trump am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg die Vorwürfe kategorisch zurück. Der US-Präsident teilte seinerseits nach dem Treffen zwar mit, dass er Putin “deutlich” mit den Cyber-Vorwürfen konfrontiert habe. Zugleich machte Trump jedoch deutlich, dass er die Angelegenheit am liebsten abhaken will.

Es sei an der Zeit, “voranzugehen, indem wir konstruktiv mit Russland zusammenarbeiten”, schrieb er am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Als Projekt nannte er unter anderem die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Moskau zur Vermeidung von Hackerangriffen – ein Vorschlag, für den er umgehend beißenden Spott nicht nur aus den Reihen der oppositionellen Demokraten, sondern auch der eigenen Republikanischen Partei erntete.

Trump relativierte seine Ankündigung dann einige Stunden später: Dass er mit Putin über eine solche Arbeitsgruppe diskutiert habe, “bedeutet nicht, dass ich denke, dies wird geschehen”, twitterte er.

Nach heftiger Kritik auch aus den eigenen republikanischen Reihen machte US-Präsident Donald Trump einen Rückzieher: Er hält nun anscheinend doch nichts von dem Plan, mit Russland bei der Cybersicherheit zusammenzuarbeiten. Sich mit Putin auf eine Arbeitsgruppe zur Cybersicherheit zu verständigen, das sei so, “als ob Polizisten und Bankräuber übereinkommen, eine Arbeitsgruppe über Bankraub zu bilden”, meinte beispielsweise der Demokrat Chuck Schumer.

Nicht nur Demokraten, sondern auch namhafte Republikaner warfen Trump am Sonntag vor, es Putin nach der Einmischung in die US-Präsidentenwahl viel zu leicht gemacht zu haben. Der Kremlchef hatte die Vorwürfe in dem Treffen vehement zurückgewiesen, und nach russischen Angaben wurde das von Trump “akzeptiert”. Der US-Präsident hatte dieser Darstellung in seinen Tweets nicht widersprochen.

Der republikanische Senator Lindsey Graham nannte das Treffen zwischen Trump und Putin “katastrophal”. Trump sei auf einem Auge blind, wenn es um Putin gehe, sagte Graham dem Sender NBC News. Man könne in diesem Fall nicht einfach “vergessen und vergeben”. Zur Idee einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Cybersicherheit meinte Graham, es sei zwar nicht die dümmste, die er bisher gehört habe, “aber sie kommt nahe daran”.

Grahams Senatskollege Marco Rubio twitterte zu dem Thema, das wäre so, als würde man eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit dem syrischen Präsidenten Bashar al-Assad über chemische Waffen bilden. Senator John McCain sagte dem Sender CBS News, Russland müsse für die Wahleinmischung einen “Preis zahlen”.

Von: APA/ag./dpa