Trump lässt die Vergangenheit nicht los

Neue Enthüllungen zu russischen Cyberattacken alarmieren USA

Dienstag, 06. Juni 2017 | 17:07 Uhr

Waren die russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf umfangreicher als bekannt? Die Website “The Intercept” berichtete am Montag (Ortszeit) unter Berufung auf ein US-Geheimdienstdokument, russische Hacker hätten monatelang versucht, in die US-Wahlsysteme einzudringen. Im US-Bundesstaat Georgia wurde kurz darauf eine Frau festgenommen. Sie soll vertrauliche Informationen weitergegeben haben.

Dem Bericht zufolge sollen Hacker mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU bis kurz vor der Wahl am 8. November versucht haben, Informationen über die von den Wahlbehörden eingesetzte Hard- und Software zu erlangen. Die Cyberattacken hätten sich gegen private Dienstleister gerichtet, welche die Behörden bei der Wählerregistrierung unterstützen und diese mit Technologie versorgen, zitierte die Plattform aus dem Dokument, das vom Geheimdienst NSA stammen soll.

Die Hacker hätten unter anderem sogenannte Phishing-E-Mails versendet, um schädliche Software zu platzieren. Außerdem habe es Versuche gegeben, Login-Daten zu stehlen. Wie erfolgreich die Cyberangriffe gewesen und welche Daten möglicherweise gestohlen worden seien, bleibe allerdings unklar, heißt es demnach in dem NSA-Bericht.

Die Autoren stellen ausdrücklich klar, dass das NSA-Dokument nicht sage, welche Geheimdienstinformationen der Analyse zugrunde liegen. Es sei unklar, ob der Versuch erfolgreich gewesen sei und welche Daten möglicherweise gestohlen wurden.

Sollte sich die Echtheit des Dokuments bestätigen, würden die Informationen über die Erkenntnisse eines Geheimdienstberichts von Jänner hinausgehen. Darin kamen mehrere Dienste zu der Schlussfolgerung, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine Kampagne zur Manipulationen der Präsidentschaftswahl angeordnet hat. Diese soll sich auf eine Kombination verschiedener Strategien gestützt haben, darunter verdeckte Geheimdienstoperationen, gezielte Berichterstattung der Staatsmedien sowie das Agitieren bezahlter Nutzer in sozialen Netzwerken.

Russland bestreitet das. Auch die neuen Vorwürfe wies Moskau am Dienstag entschieden zurück. Der Kreml betonte, dass man nicht versucht habe, die US-Wahl zu beeinflussen. “Diese Behauptung entspricht absolut nicht der Wahrheit”, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Es gebe dafür keinerlei Belege.

Bei der kurz nach der “Intercept”-Publikation im US-Bundesstaat Georgia festgenommenen 25-jährigen Frau handelt es sich um eine Angestellte eines privaten Dienstleisters der US-Geheimdienste, wie das US-Justizministerium mitteilte. Sie muss sich wegen Diebstahls und Weitergabe vertraulicher Informationen verantworten.

Die Gerichtsdokumente nennen den Namen des Medienunternehmens nicht. US-Medien stellten aber einen Zusammenhang mit “The Intercept” her. Die Sprecherin der auf Sicherheitsthemen spezialisierten Enthüllungsplattform, Vivian Siu, sagte, das NSA-Dokument sei der Publikum anonym zugespielt worden. Das Medium habe “keine Kenntnis über die Identität der Quelle”.

Es ist die erste bekannte Festnahme einer Whistleblowerin unter Präsident Donald Trump. Dessen Regierung hat angekündigt, mit aller Macht gegen Leaks und die Weitergabe geheimer Informationen vorzugehen. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Rod Rosenstein erklärte am Montag zu der Festnahme, die Weitergabe vertraulichen Materials gefährde die nationale Sicherheit und untergrabe das Vertrauen in die Regierung.

“The Intercept” ist eine Website, die unter anderem von Laura Poitras und Glenn Greenwald betrieben wird. Sie gelangte im Zusammenhang mit dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zu einiger Berühmtheit.

Die mutmaßlichen russischen Cyber-Interventionen sowie die Russland-Verbindungen von Mitarbeitern des Trump-Wahlkampfteams werden von der Bundespolizei FBI sowie mehreren Kongressausschüssen untersucht. Am Donnerstag wird der von Trump entlassende frühere FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss des Senats dazu aussagen. Der Präsident hatte als Begründung für seinen überraschenden Rauswurf Comeys selbst unter anderem die Russland-Ermittlungen genannt.

Von: APA/dpa

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