Internationale Giftgas-Experten befinden sich derzeit in Syrien

Neue Gespräche mit Syrien und Russland zu OPCW-Untersuchung

Donnerstag, 19. April 2018 | 06:35 Uhr

Zur Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes im syrischen Douma laufen derzeit weitere Gespräche eines UNO-Sicherheitsteams mit den syrischen und russischen Behörden. Die für Sicherheitsbedingungen zuständige UNO-Abteilung in Damaskus führe derzeit Gespräche mit Vertretern der syrischen Regierung und der russischen Militärpolizei in Douma.

Bei den Gesprächen gehe es darum, wie die Sicherheit an bestimmten Orten in Douma gewährleistet und verstärkt werden könne, heißt es in einem Bericht, der dem UNO-Sicherheitsrat am Mittwoch (Ortszeit) übergeben wurde. Ziel sei es, Vereinbarungen zu treffen, die es den Experten der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) ermöglichten, ihre Arbeit in Douma “zum frühestmöglichen Zeitpunkt” aufzunehmen.

Der Einsatz der OPCW-Experten in Douma hatte sich zuletzt weiter verzögert: Syrien und sein Verbündeter Russland erteilten zunächst unter Verweis auf Sicherheitsbedenken keine Genehmigung zur Reise nach Douma. Am Dienstag wurde ein Voraus-Team der UNO in Douma beschossen, als es die Sicherheitsbedingungen für den Einsatz der Waffeninspekteure prüfen wollte.

Die Experten-Mission steht unter Zeitdruck: Die Rückstände von Giftgas sind sehr flüchtig. Das Katz-und-Maus-Spiel mit den Inspektoren ließ international die Sorge wachsen, dass alle Spuren des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes beseitigt werden könnten. Die USA und Frankreich hatten bereits Russland verdächtigt, ebendies zu tun. Syrien und Russland bestreiten den Einsatz von Chemiewaffen.

Die jüngsten westlichen Luftangriffe in Syrien hatten nach Einschätzung von US-Regierungskreisen nur begrenzte Auswirkungen auf die Fähigkeit von Präsident Bashar al-Assad, Chemiewaffen einzusetzen. Dies gehe aus der Auswertung der Raketenangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs hervor, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters.

Den Erkenntnissen zufolge lagerten die nötigen Chemikalien und Grundstoffe weit verstreut, über die drei angegriffenen Ziele hinaus. Einige seien auch in Schulen und Wohngebäuden versteckt.

Die Schlussfolgerungen stehen im Gegensatz zur Einschätzung der US-Regierung. Diese hatte angedeutet, mit den Angriffen sei der Fähigkeit Assads zu weiteren Chemiewaffeneinsätzen ein vernichtender Schlag versetzt worden. Der Westen wirft Syrien vor, am 7. April in der damaligen Rebellenhochburg Douma C-Waffen eingesetzt zu haben, was die Regierung in Damaskus bestreitet. Experten der OPCW sollen vor Ort mit Hilfe von Interviews, Bluttests und Bodenproben nach Belegen suchen. Der Urheber soll dabei allerdings nicht ermittelt werden.

Von: APA/ag.