50.000 gingen in Bukarest wieder auf die Straße

Neue massive Anti-Regierungsproteste in Rumänien

Samstag, 11. August 2018 | 21:22 Uhr

Trotz des brutalen Polizeieinsatzes am Vorabend gegen die Großdemonstration von Auslandsrumänen sind in Bukarest auch am Samstag Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie forderten den sofortigen Rücktritt der Regierung unter Ministerpräsidentin Vasilica Viorica Dancila (Postsozialisten/PSD) sowie sofortige Neuwahlen.

In Bukarest demonstrierten rund 50.000 Menschen vor dem Regierungssitz. Die Aktivisten riefen “Rücktritt”, “Ihr habt die rote Linie überschritten”, “Schande”, “Wir sind das Volk”, “Weg mit Mafia-Regierung”, “Ohne Straftäter in hohen Ämtern”, “Hände weg von der Justiz”, und “Wir geben nicht auf”. Neben Regierungschefin Dancila ist auch der wegen Korruption vorbestrafte Parteichef der PSD, Liviu Dragnea, im Visier der Demonstranten, die sich für eine bessere Korruptionsbekämpfung in ihrem Land einsetzen.

Angesichts des massiven Einsatzes von Tränengas am Vorabend traf ein Großteil der Demonstranten vorsorglich mit Atemschutzmasken ein, mit deren Hilfe sie im Übrigen auch der Regierungschefin eine Botschaft übermittelten: Auf eine riesige Rumänien-Fahne schrieben sie mit Atemschutzmasken “Rücktritt”. Die Polizei war mit einem noch größeren Aufgebot als am Vorabend anwesend, sah diesmal jedoch von Gewalt gegen die Demonstranten ab.

Auch in anderen Großstädten – Timisoara, Sibiu, Cluj, Iasi und Brasov – gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, viele erklärten sich “schockiert und bis ins Mark getroffen” von der Polizeigewalt gegen die Bukarester Demonstranten.

Die Hartnäckigkeit der Protestierenden sorgte jedenfalls für Kritik seitens der regierenden Postsozialisten. Die Demonstranten seien gut beraten, “nicht länger zu provozieren, sonst kommen wir mit einer Million Anhängern und zertreten euch”, drohte der PSD-Abgeordnete Catalin Radulescu, der schon letztes Jahr angedroht hatte, alle Regierungskritiker mit seinem Sturmgewehr zu erschießen.

Die schwer in die Kritik geratene Innenministerin Carmen Dan (PSD) trat erst am späten Samstagnachmittag, fast 24 Stunden nach dem blutigen Einsatz der Ordnungshüter, mit einer knappen Erklärung vor die Presse. Fragen der Journalisten beantwortete die Ministerin nicht. Dan erstattete ausführlich Bericht über den Gesundheitszustand der verletzten Polizisten, erwähnte indes die mehr als 400 verletzten Demonstranten mit keinem Wort und hatte auch keine Genesungswünsche für diese übrig. Die Ministerin behauptete, die Polizei sei “vorbildlich” und “ausschließlich gegen Hooligans” vorgegangen, und rügte Staatspräsident Klaus Johannis für dessen herbe Kritik am “unverhältnismäßigen Vorgehen” der Polizei.

Fast zeitgleich meldete sich auch PSD-Chef Liviu Dragnea zu Wort und machte das Staatsoberhaupt sowie die bürgerliche und liberale Opposition für die dramatischen Vorfälle vom Vortag verantwortlich: Johannis sei der “politische Sponsor dieser Gewalt und extremistischen Ausschreitungen”, da er gemeinsam mit den Oppositionsparteien die Menschen systematisch gegen eine “legitime Regierung” aufhetze, so Dragnea.

Die Opposition bestand indes auf der Einberufung einer außerordentlichen Parlamentstagung, um einen Untersuchungsausschuss mit der Aufklärung des gewaltsamen Polizeieinsatzes zu beauftragen. Liberalen-Chef Ludovic Orban verglich die Polizeigewalt von Freitag mit dem blutigen Bergarbeiter-Einfall in Bukarest im Juni 1990, als die vom ersten Nachwendepräsidenten Ion Iliescu in die Hauptstadt beorderten Kumpel Hunderte Demonstranten niedergeknüppelt hatten. USR-Chef Dan Barna sprach von einem “pechschwarzen Tag für Rumäniens Demokratie”, während der ehemalige Premierminister und EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos befand, dass das Land mit einer derartigen Regierung “nicht fähig ist, den ab Jänner 2019 anstehenden EU-Ratsvorsitz zu übernehmen und auszuüben.”

Von: apa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Neue massive Anti-Regierungsproteste in Rumänien"


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6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
3 Tage 15 h

So geht Wutbürger richtig 😜
Nicht so wie bei der zweiten Demo vor unserem Landtag als keiner kam, aber alle am Stammtisch gscheid redeten was der Politiker-Rentenskandel für eine Sauerei sei…🙈

Dublin
Dublin
Kinig
3 Tage 13 h

…aber dort werdens nieder geknüppelt…

Staenkerer
2 Tage 13 h

@Dublin jo, leider! und decht follt oan ba de schockmeldungen ollm wieder de bürger der DDR ein, de trotz niderknüppen nit aufgaben und mit ausdauer des erreicht hobn, des damals niemand für möglich hilt!

kaisernero
kaisernero
Grünschnabel
2 Tage 9 h

HAA recht hosch
…..ban pudl und ban saufn sein olle stork

andr
andr
Superredner
3 Tage 16 h

Irgendwann steht das Volk auf

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
2 Tage 15 h

nur hier stehst alleine.

Tabernakel
2 Tage 14 h

Guten Morgen. Wer ist “das Volk”?

oli.
oli.
Universalgelehrter
1 Tag 18 h

@Sag mal , wenn die Gewerkschaft zum Streik auf der A22 der LKW FAHRER ruft , machen alle mit , der Rest kommt nicht vorbei , da ist ein Zusammenhalt da .
Warum schaffen es die Bürger nicht ?

Paul
Paul
Universalgelehrter
3 Tage 15 h

olle das gleiche SUCHTPROBLEM …sie kriagn nimmer genuag…und die Sicherheitskräfte müssen die vielen korruppten Politiker. und deren ” Vettern “vor dem wütenden Volk schützen ….? so kann es auch kommen…Verkehrte Welt

Tabernakel
2 Tage 14 h

Was hast Du geraucht?

Paul
Paul
Universalgelehrter
3 Tage 7 h

und wo bleiben all die Herren des EU Parlaments , Kommisionen. und der Junker ? Romänien ist ein EU Land und diese Politiker unterschlagen ” hauptsächlich EU – GELDER ….STILLSCHWEIGEN !!!

Tabernakel
2 Tage 14 h

Romänen gibt es nicht.

selwol
selwol
Grünschnabel
2 Tage 16 h

Wer wird wohl diese Auslandsrumänen finanzieren?
Es sind Stiftungen,denen es darum geht ein Land zu destabilisieren.
Siehe Ukraine usw.
https://www.youtube.com/watch?v=2anmOeKFchs

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
2 Tage 3 h

was sagt die EU zu ihrem eu-reifen Mitgliedsland? Ach so, die ist ja nur mit Polen beschäftigt.

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