Raketen palästinensischer Einheiten bei einer Übung am Strand von Gaza

Neuer Raketenangriff auf Israel aus dem Gazastreifen

Samstag, 24. April 2021 | 22:22 Uhr

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben am Samstagabend erneut eine Rakete auf israelisches Gebiet gefeuert. In der Grenzstadt Sderot heulten die Warnraketen. Die israelische Armee teilte mit, das Geschoss sei von der Raketenabwehr abgefangen worden. Seit Freitagabend waren aus dem Palästinensergebiet Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert worden. Israels Luftwaffe griff daraufhin in der Nacht zum Samstag Ziele der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas an.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu rief indes “alle Seiten” zur Ruhe auf, nachdem es am Samstag schon den dritten Tag infolge zu Zusammenstößen von Israelis und Palästinensern in Jeruslaem gekommen war. Recht und Ordnung müssten eingehalten werden, sagte Netanyahu am Samstag nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Seine Regierung stehe für “Religionsfreiheit für alle Bewohner und Besucher von Jerusalem” ein.

Netanyahu sagte nach der Regierungssitzung weiter, er habe die Militärspitze angewiesen, sich auf “jedes Szenario” einzustellen. Der israelische Generalstabschef Aviv Kochavi hatte zuvor einen für Sonntag geplanten USA-Besuch wegen der Gewalteskalation abgesagt.

Der UNO-Sondergesandte Tor Wennesland sagte, er sei “alarmiert” angesichts der Vorfälle. “Provokative Aktivitäten in Jerusalem müssen aufhören”, hieß es in einer Mitteilung. “Die wahllosen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren verstoßen gegen internationales Recht und müssen sofort aufhören.”

Ähnlich wie am Freitag kam es auch am Samstag in Jerusalem zu schweren Krawallen. In der Altstadt lieferten sich überwiegend palästinensische Jugendliche und Hunderte Bereitschaftspolizisten Straßenschlachten. Die Protestierer bewarfen die Beamten mit Steinen, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Ein israelisches Gerichtsgebäude wurde mit Steinen beworfen, die Überwachungskameras zerstört. In mehreren palästinensischen Gemeinden kam es ebenfalls zu Protesten.

Seit Freitagabend waren aus dem Gazastreifen immer wieder Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden, so dass Familien im Süden Israels gezwungen waren, Schutzräume aufzusuchen. “Wir werden weiterhin israelische Zivilisten vor dem Terror schützen”, heißt es im Twitter der Streitkräfte Israels.

Die schwerste Eskalation seit langem folgte auf heftige Konfrontationen in Jerusalem in den vergangenen Tagen. Am Freitag waren nach Zusammenstößen Dutzende Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Auseinandersetzungen am Freitag begannen nach einer Veranstaltung von rechten Israelis. Dutzende Israelis und Palästinenser wurden bei Konfrontationen verletzt. Nach Angaben der Polizei erlitten auch rund 20 Beamte Verletzungen.

In der Altstadt lieferten sich bis Samstagfrüh überwiegend palästinensische Jugendliche und Hunderte Bereitschaftspolizisten Straßenschlachten. Die Protestierer bewarfen die Beamten mit Steinen, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Ein israelisches Gerichtsgebäude wurde mit Steinen beworfen, die Sicherheitskameras zerstört.

Auslöser der Proteste war der Vorwurf von Palästinensern an die Polizei, sie habe Muslime von ihren traditionellen abendlichen Zusammenkünften im Fastenmonat Ramadan vor dem Damaskustor abhalten wollen. Aufseiten der ultra-nationalistischen Israelis heizte ein im Internet verbreitetes Video die Proteste an. In der Aufnahme ist zu sehen, wie angeblich ein Palästinenser einen ultra-orthodoxen Juden in einem Nahverkehrszug schlägt.

Mit den Krawallen endete vorerst eine Phase relativer Ruhe in Jerusalem. Im August 2020 hatte die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße. Israel hatte 2007 eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Maßnahme mit Sicherheitserwägungen. In dem Küstengebiet leben etwa zwei Millionen Menschen unter sehr schlechten Bedingungen, gegenwärtig sind dort auch die Corona-Infektionszahlen sehr hoch. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

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27 Kommentare auf "Neuer Raketenangriff auf Israel aus dem Gazastreifen"


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quilombo
quilombo
Tratscher
19 Tage 9 h

das Narrativ ist immer dasselbe: “….zuvor hatten die Palästinenser….”. Im Gazastreifen gibt es kein “zuvor”, da die Israelis mindestens einmal pro Woche im Gazastreifen bombardieren, ganz unabhängig davon, ob Hamas reagiert oder nicht.
Nachdem seit Jahrzehnten von Israel ein völkerrechtswidriger Genozid gegen die Palästinenser praktiziert wird, haben diese das Recht, so wie in der UNO-Charta festgehalten, sich mit allen Mitteln zu wehren. Auch mit Waffengewalt und Guerillaeinsätzen.

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
19 Tage 7 h

Im bericht steht nichts über “wöchentliche angriffe ” seitens israel. Woher beziehen Sie die Informationen? Sie bestegigen nur meinen gedanke, waffen kauefen und einsätzen istfür einge wichtiger als schulbildung und gesundheitswesen.

magari
magari
Grünschnabel
19 Tage 6 h

@quilombo: Israel dem Genozid / Völkermord gegen die Palestinenser zu bezichtigen. Sag mal bist du noch ganz bei Sinnen? Du weißt doch garnicht wovon du sprichst!

Kurotowa
Kurotowa
Grünschnabel
18 Tage 23 h

Gaza nach dem Krieg 2014…

quilombo
quilombo
Tratscher
18 Tage 23 h
@Entequatch, klar steht nichts im Bericht. Das wird eben nicht geschrieben, man will ja nicht, daß das Trugbild gestört wird. Aber jeder der mit Leuten zu tun hat, die schon öfter im Gazastreifen waren, erfährt aus erster Hand, was dort passiert, und wie total falsch und einseitig darüber berichtet wird. Die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen die Israel seit Jahrzehnten ohne Pause begeht, sind schon lange kein Geheimnis mehr, aber die großen Medien reden nicht davon. Im Nahen Osten ist wohl kein Land, welches so oft und so schwer die Menschenrechte ignoriert. Du könntest dich informieren, wer Vittorio Arrigoni war, er lebte im… Weiterlesen »
quilombo
quilombo
Tratscher
18 Tage 17 h

@magari, ich weiß ganz genau von was ich spreche. Schau nach welche die Definition von dem Begriff “Genozid” ist, dann vergleiche das mit dem was Israel den Palästinensern antut. Es entspricht 1 zu 1.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
18 Tage 11 h

@quilombo
Geht’s noch? Sie sind wohl auch nicht informiert, oder grundsätzlich gegen Israel eingestellt.

schlex
schlex
Grünschnabel
18 Tage 11 h

@quilombo do hon i ondere informationen

Offline
Offline
Universalgelehrter
18 Tage 6 h
@pfaelzerwald..es wundert mich sehr, dass du hier Partei für Israel ergreifst. Heißt du die israelische Siedlungspolitik etwa für gut ? Mit einer gewalttätigen Ausdehnung seines Lebensraumes ist, Gott sei Dank, schon einmal eine Nation gescheitert. Ohne zu vergessen, was Nazi-Deutschland und !! seine Verbündeten dem Staat Israel und dem Judentum Grauenhaftes angetan haben, stehe ich auf dem Standpunkt, dass Israel aus diesen historischen Verbrechen nicht das dauerhafte Recht ableiten darf, kritiklos nur seine Interessen, und das mit Gewalt, durchzusetzen. Die Rolle des auch noch 75 Jahre nach Ende des II. Weltkrieges selbstgewählten !! “Ewig unterdrückten Volkes” ist heutzutage ebenso falsch… Weiterlesen »
Wiesodenn
Wiesodenn
Grünschnabel
18 Tage 5 h

Gibt es dort auch einen Völkermord an den Palästinensern anzuerkennen.

Die Israelis bomben mit Flugzeugen, die Palästinenser schießen mit kleinen Raketen.

quilombo
quilombo
Tratscher
17 Tage 23 h

@pfaelzerwald, ich bin sehr gut informiert und meine Einstellung ist nicht für oder gegen ein Land oder ein Volk, sondern ausschließlich auf Seiten der Gerechtigkeit, ohne Kompromisse.

quilombo
quilombo
Tratscher
17 Tage 23 h

@schlex, leider, ich kenne diese “normalen” Informationen. Jeder der sich mit der Materie nicht eingehend beschäftigt, hat diese.
Aber die Tatsachen sind erschreckend und in den meisten Fällen das genaue Gegenteil von dem was uns die Nachrichten im TV und Zeitungen erzählen.

Entequatch
Entequatch
Grünschnabel
19 Tage 10 h

Wo wo kommt das Geld her für die 36 Raketen? Günstig ist soetwas nicht. Und zugleich jammern dass Geld für Schulen, Krankenhäuser usw. fehlt.

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
18 Tage 22 h

von den idiotischen Spenden der Europäer

Kurotowa
Kurotowa
Grünschnabel
18 Tage 1 h

@bon jour
Idiotisch ist vor allem, wenn israelische Bomben und Raketen auch von der EU finanzierte Infrastruktur immer wieder komplett zerstören.

Peerion
Peerion
Tratscher
18 Tage 10 h

Umgeben von Menschen, die diesem Staat am liebsten auslöschen möchten, bleibt den Isarelis nichts snderes übrgig als ihre Position duch Fakten zu stärken. Seit 1948 ist die wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Etwicklung Israels eine Erfolgsgschichte, und zwar trotz der ständigen Versuche, den Staat zu Fall zu bringen. Eine wirklich positive Friedensstrategie ist die konsequente Unterstützumg Israels in seinem Überlebenskampf.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

@Peerion
verstehe den Hass auf Israel auch nicht.

Offline
Offline
Universalgelehrter
18 Tage 6 h

@pfaelzerwald….glaube mir, zumindest meine Kommentare haben absolut nichts mit Hass auf Israel, das Judentum oder sonst Irgendjemand zu tun. Was mich aber stört ist die Tatsache, dass Kritik an Israel unterschwellig immer in die gleiche Ecke gedrängt wird. Gewalt, egal von Wem, gegen Wen und aus welchem Anlass, werde ich nie tolerieren, immer verurteilen und durch Nichts !! zu entschuldigen versuchen…

Wiesodenn
Wiesodenn
Grünschnabel
18 Tage 5 h

Fakten = Unterdrückung durch Bomben

Besser wätre ein eigener Staat für die Palästinenser.

Wiesodenn
Wiesodenn
Grünschnabel
18 Tage 5 h

Es reicht mit den Palästinensern auch mal ein bisschen nett zu sein.

quilombo
quilombo
Tratscher
17 Tage 23 h
die nach Palästina ausgewanderten Juden haben sich nie an irgendwelche Gesetzte oder Verträge gehalten. Bis heute haben sie 82 UNO Resolutionen ignoriert. Außerdem haben sie den Atomwaffensperrvertrag nicht eingehalten. Die Balfour-Deklaration von 1917 besagte, daß sich Juden in Palästina ansiedeln dürfen, wenn sie ein Haus oder ein Grundstück kaufen können, daß sie aber Gäste Palästinas seien, und als solche keine politischen Aktivitäten ausüben dürfen. Kurz darauf gründeten sie eine Terrororganisation, diese schlachtete Palästinenser ab und riss ihre Dörfer nieder. Auch die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 war und ist illegal. Bis jetzt hat Israel 90% Palästinas illegal besetzt. Mit gestohlenem… Weiterlesen »
ischJOwurscht
ischJOwurscht
Tratscher
19 Tage 7 h

Gegenfrage, wann war der Gazastreifen jemals friedlich (in den letzten Jahrzehnten ?

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
19 Tage 7 h

Mir kommt der Konflikt vor, wie der tragische Kampf zweier schwer Posttrauma-Erkrankter. Und sollte tatsächlich Einer unterliegen, implodiert auch der Andere.
Interessanter Artikel:
Holocaust versus Nakba? | Telepolis (heise.de)

quilombo
quilombo
Tratscher
18 Tage 17 h

der Holocaust ist tatsächlich mit der Nakba vergleichbar. Nur vom Holocaust redet man ständig, von der Nakba nie. Der Holocaust hatte eine bestimmte Zeitdauer, die Nakba dauert seit 73 Jahren und hat noch kein Ende. Die Opfer des Holocaust kann man ziemlich genau recherchieren, obwohl man sich selten an die historischen Tatsachen hält, die Opfer der Nakba übersteigen mittlerweile bei weitem die des Holocaust.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

@quilombo 
Da findet ja zur Zeit eine spannende Historiker-Diskussion über die “Einmaligkeit” (oder nicht) der Shoa statt. Klar gibt es die erwartungsgemäßen Relativierungsversuche aus der ultrarechten Ecke. Horizonterweiternd ist aber der selbstkritische Blick auf lang verdrängte Kolonialismus-Verbrechen. Sie schufen unumkehrbare blutige Fakten bis in die Gegenwart. Palästina, USA, Religions-/Ethnien-Kriege… China rupft gerade mit seinen ehemaligen Kolonialmächten ein Hühnchen.

heris
heris
Grünschnabel
18 Tage 10 h

So viele Friedensverhandlungen wurden  unternommen– doch Frieden  hat es keinen gebracht  das ganze wird immer ein Pulverfass  bleiben.

Wiesodenn
Wiesodenn
Grünschnabel
18 Tage 5 h

Solange die Israelis keinen Frieden wollen, allerdings sind die Palästinenser zum kleineren Teil auch Schuld.

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