Erdogan teilt weiter kräftig aus

Neuer Streit zwischen Deutschland und der Türkei

Sonntag, 19. März 2017 | 20:59 Uhr

Der Streit zwischen Deutschland und der Türkei hat eine neue Eskalationsstufe erreicht: Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag persönlich “Nazi-Methoden” vor. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht durch die “unsäglichen Vorwürfe und absurden Vergleiche” der vergangenen Wochen eine Grenze überschritten.

Ankara attackierte Berlin zudem, weil der Chef des Bundesnachrichtendiensts (BND), Bruno Kahl, der Türkei widersprochen und in Abrede gestellt hatte, dass die Gülen-Bewegung den Putschversuch 2016 in der Türkei angezettelt habe. Erbost zeigte sich Ankara auch wegen einer kurdischen Demonstration am Wochenende in Frankfurt am Main.

In einer vom Fernsehen übertragenen Rede sagte Erdogan am Sonntag an Merkel gerichtet: “Du benutzt gerade Nazi-Methoden”. “Gegen wen?”, fragte Erdogan. “Gegen meine türkischen Brüder in Deutschland und die Minister”, die in Deutschland für die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei werben wollten. Nach der Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Minister hatte Erdogan Anfang des Monats bereits deutschen Behörden “Nazi-Methoden” vorgeworfen.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht unterdessen durch die “unsäglichen Vorwürfe und absurden Vergleiche” der vergangenen Wochen eine Grenze überschritten. Dies habe er seinem Kollegen Mevlüt Cavusoglu “ganz deutlich gemacht”, sagte Gabriel der “Passauer Neuen Presse” (Montagsausgabe). SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach in der ARD-Sendung “Farbe bekennen” von einer “Frechheit”.

Ebenfalls am Sonntag hielt Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin Deutschland vor, es wolle die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen “reinwaschen”. Verteidigungsminister Fikri Isik sagte sogar, die Äußerungen des BND-Chefs würden den Fragen Auftrieb geben, ob nicht Berlin selbst am Putschversuch beteiligt gewesen sei. Türkische Politiker hatten bereits mehrfach gemutmaßt, dass westliche Staaten in den Umsturzversuch verstrickt gewesen sein könnten.

BND-Chef Kahl hatte dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” zum Putschvorwurf gegen Gülen gesagt: “Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen.” Die Gülen-Bewegung sei eine “zivile Vereinigung zur religiösen und säkularen Weiterbildung.” Kahl bezeichnete den Putschversuch zudem als “willkommenen Vorwand” für das Vorgehen gegen Erdogan-Gegner in der Türkei.

Die Türkei stuft die Bewegung von Gülen, einem einstigen Weggefährten und heutigen Erzfeind Erdogans, als terroristisch ein. In der Türkei wurden seit dem Putschversuch im vergangenen Juli Zehntausende angebliche oder wirkliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Der Prediger, der im Exil in den USA lebt, bestreitet jegliche Verwicklung in den Umsturzversuch.

Ärger gab es auch wegen der Kurden-Demonstration in Frankfurt: Präsidentensprecher Kalin sprach im Sender CNN-Türk von einer Einbestellung des deutschen Botschafters, wobei die Frankfurter Vorfälle “auf das Schärfste verurteilt” worden seien. Das kurdische Neujahrsfest Newroz sei als “Vorwand” für die Demonstration genutzt worden. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte eine Einbestellung des deutschen Botschafters indes nicht bestätigen. Dort hieß es lediglich, es habe “in dieser Sache telefonischen Kontakt” gegeben.

Erdogans Sprecher sprach von einem “Skandal”, weil viele Demonstranten verbotene Kennzeichen der Untergrundorganisation Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit sich geführt hatten. Etwa 30.000 Menschen hatten am Samstag in Frankfurt friedlich für “Demokratie in der Türkei” und “Freiheit für Kurdistan” demonstriert. Die Teilnehmer riefen auch zu einem “Nein” bei dem Referendum am 16. April zur Ausweitung von Erdogans Machtbefugnissen auf.

Laut Polizei waren zahlreiche Fahnen und Plakate mit Abbildungen verbotener Symbole sowie Bilder des Chefs der ebenfalls verbotenen PKK, Abdullah Öcalan, zu sehen. Die Polizei verzichtete aber nach eigenen Angaben auf Beschlagnahmungen, um einen friedlichen Verlauf zu gewährleisten. Die Fälle sollen aber strafrechtlich verfolgt werden.

Von: APA/ag.

Kommentare

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30 Kommentare auf "Neuer Streit zwischen Deutschland und der Türkei"


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Bikerboy
Bikerboy
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Der Psychopath vom Bosporus hat wieder gesprochen und Europa hat nicht die Eier ihm die Stirn zu bieten, traurig…

Staenkerer
1 Monat 8 Tage

tjo, wos soll de merkl a sogn? wenn se den “herrn” nit in hintern küsst tuat er de schleußen auf u a einwondrer welle schwappt noch deutschlond! des kimmt wenn man sich ba so an mochthober “einkaft” …!

Mistermah
Mistermah
Superredner
1 Monat 8 Tage

Mal eine andere sichtweise. Auffällig das Erdogan mit den Ländern zoff anfängt, indem Wahlen anstehen. Mit einer aggressiven haltung gegenüber der Türkei hat ruette sein Mehrheit verteidigt. Nach der Wahl wurden die Töne gleich wieder bescheidener. Könnte eine ebenso aggressive haltung der Regierungsparteien in Deutschland den selben Effekt haben und den rechtsruck, sprich Afd, den Wind aus den Segeln nehmen?

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Bikerboy…………..leider ist es so,frage mich langsam für was diese “Waschlappen” in der EU gut sein sollen,bei solchen feigen Verhaltensweisen!!!!!

Audi
Audi
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Grenzn zui ban Grenzgebiet Europa , nor kimmb koando inna

Neumi
Neumi
Superredner
1 Monat 7 Tage

@Mistermah na hoffentlich

gauni2002
gauni2002
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

So ganz Unrecht hat Erdogan nicht, denn im Merkelland herrscht bereits die Diktatur. 

raunzer
raunzer
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

…war bei uns in den vergangenen 25 Jahren genau so und der großen Mehrheit ist es nicht mal aufgefallen.

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@raunzer ……………..hoffentlich fällt es unserem Volke vor den nächsten Wahlen auf,es stimmt nämlich grösstenteils!!!!

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

du musst ein problem haben – pauschalierung zum schämen👎

gapra
gapra
Tratscher
1 Monat 8 Tage

@gauni2002 der Kommentar schlägt dem Fass den Boden aus

Gagarella
Gagarella
Superredner
1 Monat 8 Tage

Brand-Gefährlich dieser Typ.
Ab in die Psychiatrie mit ihm.

Staenkerer
1 Monat 8 Tage

er toppt wie a kloans kind, der typ hott schiß das er des referendum verliert u. damit an toak von sein einfluß u. seiner mocht!

oli.
oli.
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@Staenkerer , wenn er verliert ist jeder Schuld nur er nicht , weil er in der EU kein Wahlkampf machen dürfte.
Warum macht er in Russland kein Wahlkampf bei seinen neuen Freund Putin ? , da leben auch Türken , aber dazu hat er keine Eier in der Hose.

Schnueffler
Schnueffler
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Der Typ schaut doch zu oft in den Spiegel

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

wie viele Grenzen muss der überschreiten, dass er in die Schranken gewiesen wird?👎Dann fliegen die Teppiche, sprich die Fetzen😉

Staenkerer
1 Monat 8 Tage

de merkel werd sich hüten de fetzn fliegn zu lossn!
wenn erdogan so fest im sottl sitzat wie er glab, nor brauat er koane minister zur eigenwerbung ins auslond schickn, u. wenn de merkl ihm nix schuldig war nor hat se long schun olle register gezochn!
boade, sowohl erdogan als a die merkel brauchn de wählerstimmen der deutsch/türken, also werd se still sein (wie so oft) u. hoffn das sich de woogen von alloan glätten … od. sie gib wieder amoll noch …

OrB
OrB
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Europa muss seine Muskeln spielen lassen!
Der Ziegenhirte muss gegenüber der EU-Respekt zeigen!!!

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

va mir aus mog er nach D kommen, um dort türkischen Honig und seinen Ziegenkäse zu handeln😉

Audi
Audi
Tratscher
1 Monat 9 Tage

So oan missasch decht durchfotzn bissas nimma dosteaht

denkbar
denkbar
Superredner
1 Monat 9 Tage

Er spiegelt sein Problem in die Bundeskanzlerin.

Johnny C.
Johnny C.
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Hat es solche Personen in der Geschichte nicht schon öfters gegeben?
Wir wissen wie das endet, in Leid und Elend für sehr viele Menschen.

ThunderAndr
ThunderAndr
Superredner
1 Monat 9 Tage
Staenkerer
1 Monat 8 Tage

erdogea oh erdowahn …

Surfer
Surfer
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Viel könnte man Merkel vorwerfen aber nicht Nazimethoden….

Dolomiticus
Dolomiticus
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Hat nicht dieser Sandokan den Jan Böhmermann mit großem Tschimpum Trara in Deutschland vor Gericht zitieren lassen, weil ihn dieser mit einem Schäferlied als Vertreter eines fremden Staates so arg beleidigt hatte? Und wer zeigt jetzt diesen Ziokàn wegen der Nazi-Tiraden gegen europäische Staatsvertreter und Staaten an? Soll ich es tun?

herbstscheich
herbstscheich
Tratscher
1 Monat 8 Tage

wer fährt noch in diese Land  auf Urlaub ??

knoflheiner
knoflheiner
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Den Europäischen Politiker fehln die Eier und deis schon gewoltig.!!!
Der hott in der EU gornichts zu sogn ober schun gornichts.
Dringend Grenze zu zwischen Türkei und Europa dann kann er in sein Land blerrn und schimpfn wia long er will.

wolke5
wolke5
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Je mehr Europa auf diese gezielten Provokationen eingeht um so größer sein Erfolg.Ignorieren wäre vielleicht besser.

Tabernakel
Tabernakel
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

Jetzt hat er auch uns Südtiroler beleidigt!

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