Daniel Ortega greift die Kirche verbal an

Nicaraguas Präsident Ortega attackiert Kirche

Freitag, 20. Juli 2018 | 06:19 Uhr

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega hat der katholischen Kirche des Landes vorgeworfen, Teil eines Staatsstreichs gegen seine Regierung zu sein. Die Bischöfe seien keine Vermittler in der politischen Krise, sondern Teil eines Putschplans, sagte Ortega am Donnerstag (Ortszeit) bei einer Feier zum 39. Jahrestag der sandinistischen Revolution vor Tausenden Anhängern in der Hauptstadt Managua.

Das disqualifiziere die Geistlichen, einen nationalen Dialog zwischen der Regierung und der zivilen Opposition zu leiten, so Ortega. Einige Kirchen verfügten über geheime Waffenlager und dienten als Rebellenstützpunkte. Er machte zudem “satanische Kriminelle” und die USA für die Unruhen in seinem Land verantwortlich. Die Demonstranten würden vom “nordamerikanischen Imperium” und Geschäftsleuten im eigenen Land finanziert und planten einen “Staatsstreich”, sagte Ortega.

Die Rede des Präsidenten wurde auf Anweisung der Regierung auf allen TV- und Radiosendern des mittelamerikanischen Landes übertragen. Tausende öffentlich Angestellte sollten sich in Arbeitszentren zu den offiziellen Feierakten der Regierungspartei Sandinistische Nationale Befreiungsfront versammeln. In der Hauptstadt richtete die Polizei Sicherheitszonen ein.

Währenddessen warf das Nachbarland Costa Rica Ortega vor, in Nicaragua ein Massaker zu begehen. “Jeden Tag stirbt in Nicaragua ein Mensch wegen der Krise”, sagte Außenministerin Epsy Campbell. Davor könne die Regierung Ortegas nicht die Augen verschließen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind seit Mitte April mehr als 300 Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Nicaragua ums Leben gekommen. Die Regierung spricht offiziell von rund 50 Toten.

Der Konflikt hatte sich an einer geplanten Sozialreform entfacht. Obwohl Ortega diese zurückzog, hielten die Proteste an. Regierungsnahe Schlägertrupps und die Polizei griffen Demonstranten an. Die katholische Kirche hatte einen Dialog zwischen den beiden Seiten vermittelt, die Gespräche wurden jedoch zweimal abgebrochen.

Von: APA/dpa

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