84 Menschen starben auf der Promenade von Nizza

Nizza-Attentat: Ermittlungen gegen mutmaßliche Komplizen

Freitag, 22. Juli 2016 | 15:39 Uhr

Gut eine Woche nach dem Anschlag von Nizza ist gegen fünf mutmaßliche Komplizen des Attentäters ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Ein Anti-Terror-Gericht habe für sie Untersuchungshaft angeordnet, teilte die Pariser Staatsanwalt in der Nacht zum Freitag mit.

Staatschef Francois Hollande gab am Freitag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in Paris bekannt, dass noch zwölf bei dem Anschlag verletzte Menschen in Lebensgefahr schweben.

Das förmliche Ermittlungsverfahren gegen die fünf Verdächtigen wurde wegen des Verdachts auf Komplizenschaft mit dem Attentäter von Nizza eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Sie wurden einem Richter vorgeführt und kamen in Untersuchungshaft.

Drei verdächtigen Männern werde Beihilfe zum Mord in Verbindung mit einem terroristischen Akt vorgeworfen, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Zudem wird gegen ein Paar aus Albanien ermittelt. Sie sollen gemeinsam mit einem der anderen Verdächtigen die Pistole besorgt haben, mit welcher der Attentäter auf Polizisten schoss.

Die zuständige Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstagabend erklärt, die Ermittlungen hätten den vorsätzlichen Charakter der Tat bestätigt. Demnach plante der Attentäter seinen Anschlag über Monate hinweg. Unter anderem wurden Fotos von Großveranstaltungen auf der Strandpromenade auf seinem Handy gefunden. Außerdem habe er sich über ein auch von Jihadisten genutztes Aufputschmittel informiert.

Der 31-jährige Tunesier war am Abend des 14. Juli während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag in Nizza mit einem Lastwagen in die Menge gerast. Dabei wurden 84 Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt.

Hollande teilte nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts mit, zwölf Verletzte schwebten weiterhin in Lebensgefahr. “Die Bedrohung dauert an, und nicht nur in Frankreich”, hob der Präsident hervor. Er versprach erneut eine rasche Untersuchung möglicher Sicherheitslücken.

Hollande betonte, der in die Kritik geratene Innenminister Bernard Cazeneuve genieße sein volles Vertrauen. Die Opposition wirft Cazeneuve vor, den Einsatz der nationalen Polizei in Nizza nicht zutreffend dargestellt zu haben.

Nach Berichten französischer Medien sicherten zur Zeit des Lkw-Anschlags lediglich städtische Polizeikräfte den für Autos gesperrten Strandboulevard ab. In der kommenden Woche sollen dazu nach Hollandes Worten Ergebnisse einer polizeiinternen Untersuchung vorliegen.

Hollande teilte überdies mit, Frankreich werde der irakischen Armee für ihren Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im kommenden Monat Artillerie-Geschütze zur Verfügung stellen und Armee-Berater entsenden. Bodentruppen für Syrien und den Irak seien aber weiter nicht geplant.

Ab Ende September soll der Flugzeugträger “Charles de Gaulle” in die Region entsandt werden, wie Hollande bekräftigte. Damit will Frankreich seine Luftangriffe auf Stellungen der IS-Miliz im Rahmen der internationalen Koalition intensivieren.

Der IS hatte den Anschlag von Nizza für sich beansprucht. Eine Verbindung zwischen dem Attentäter und der Jihadistengruppe haben die Ermittler aber bislang nicht entdeckt.

Von: APA/ag.