"Lasst die Büchse der Pandora zu!"

Non Paper – Internationaler Bosnien-Beauftragter Inzko warnt

Samstag, 17. April 2021 | 09:55 Uhr

Angesichts des sogenannten “Non Paper” über eine neue Grenzziehung am Westbalkan warnt der Hohe Repräsentant von Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, vor einer Zerschlagung Bosniens. “Niemand soll die völkische Büchse der Pandora öffnen dürfen. Lasst sie zu!”, erklärte Inzko im Gespräch mit der “Kleinen Zeitung” (Samstag-Ausgabe). “Das ist kein Sturm im Wasserglas.” Solche “gewaltigen Grenzverschiebungen” hätten aller Wahrscheinlichkeit “unheilvolle Folgen”, sagt Inzko.

Für ihn als Hohen Repräsentanten sei “die Situation kristallklar: Eine Trennung oder ein Ausscheiden aus dem Staat Bosnien und Herzegowina ist nicht möglich. Ich würde so etwas niemals unterschreiben”, so Inzko weiter. “Bosnien und Herzegowina braucht einen langfristigen Ansatz, es braucht Zeit, um sich vom Krieg und den hunderttausend Toten zu erholen. Es gibt viele kleine Nelson Mandelas – wie den Moslem Hasan Ahmetlić, aus Tešanj, der eine katholische Kirche auf eigene Kosten restauriert hat.”

Das Non Paper zu neuen Grenzen am Westbalkan sorgt seit Tagen für Aufregung. Nach tagelangen Spekulationen über das Dokument wurde dieses inoffizielle Papier vom slowenischen Nachrichtenportal “Necenzurirano” veröffentlicht. Das Schriftstück ist weder unterzeichnet noch an jemanden adressiert. Der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa soll es der Europäischen Union übermittelt haben. Jansa selbst, dessen Land im zweiten Halbjahr den EU-Ratsvorsitz führt, hat die Existenz des Non Paper nicht bestritten. Auf Twitter sagte er lediglich, dass er EU-Ratspräsident Charles Michel zuletzt im Vorjahr getroffen habe, weshalb er ihm heuer “schwer irgendwas persönlich aushändigen” habe können.

Das Papier mit dem Titel “Westbalkan – Der Weg vorwärts” will vor einem EU-Beitritt der Westbalkan-Staaten die “ungelösten nationalen Fragen” von Serben, Albanern und Kroaten lösen. Unter “Lösungen” wird etwa die Vereinigung des Kosovo mit Albanien vorgeschlagen, wobei der mehrheitlich von Serben bewohnte Norden einen Sonderstatus nach dem Vorbild Südtirols erhalten sollte. In Bosnien-Herzegowina soll der serbische Landesteil, die Republika Srpska, an Serbien angeschlossen werden. In diesem Fall würde Serbien nämlich den Verlust des Kosovo akzeptieren, heißt es.

Für die überwiegend kroatischen Kantone Bosnien-Herzegowinas wird entweder eine Vereinigung mit Kroatien oder ein Sonderstatus innerhalb des Landes nach dem Südtirol-Modell vorgeschlagen. Die Bosniaken (bosnischen Muslime) sollen dem Plan zufolge einen “unabhängig funktionierenden Staat” bekommen. Bei einem Referendum würden sie zwischen einer “EU- oder Nicht-EU (Türkei)-Zukunft” entschieden, so das Dokument.

Wer das inoffizielle Papier verfasst hat, konnte man laut “Necenzurirano” offiziell nicht feststellen. Nach Angaben der Quellen stammt es bestimmt nicht aus dem slowenischen Außenamt, Teile davon sollen in Budapest geschrieben worden sein. In Brüsseler Kreisen wird es jedoch als slowenisches Dokument gehandelt, weil Jansas Büro bei dessen Verteilung auf verschiedene Adressen beteiligt gewesen sein soll, so das Nachrichtenportal.

Nach Informationen des Nachrichtenportals soll das Dokument im Februar EU-Ratspräsident Michel übergeben worden sein. Das haben zuvor auch bosnische Medien berichtet. In dessen Büro bestätigte man laut Medienberichten jedoch nicht den Erhalt des Non Paper. Aus der EU-Kommission hieß es, dass man das Dokument nicht erhalten habe.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "Non Paper – Internationaler Bosnien-Beauftragter Inzko warnt"


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Tirolisimo
Tirolisimo
Tratscher
23 Tage 19 h

Nach Südtiroler-Modell, ob DAS der richtige Weg ist…….?

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