Pjöngjang und Moskau wollen militärisch enger zusammenarbeiten

Nordkorea begeht Siegesfeier mit Gästen aus Russland

Mittwoch, 26. Juli 2023 | 14:26 Uhr

Von: APA/Reuters

Nordkorea und Russland wollen enger in Verteidigungsfragen zusammenarbeiten. Das hätten er und sein nordkoreanischer Amtskollege in Pjöngjang vereinbart, erklärte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Mittwoch. “Ich bin davon überzeugt, dass die heutigen Gespräche zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen unseren Verteidigungsabteilungen beitragen werden.” Schoigu hält sich in Nordkoreas Hauptstadt anlässlich des 70. Jahrestages des Ende des Korea-Krieges auf.

Nordkorea begeht den “Tag des Sieges” am Donnerstag unter anderem mit einer Militärparade und hat dazu nicht nur Gäste aus Russland, sondern auch aus China eingeladen. Die Führung in Peking schickt unter anderem Li Hongzhong nach Pjöngjang, der Mitglied im Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas ist.

Für das ohnehin weitgehend isolierte Nordkorea ist es nach dem Ende der Corona-Pandemie das erste Mal, dass ausländische Delegationen das Land besuchen. Die Regierung von Machthaber Kim Jong Un versucht, ihre Beziehungen zu China und Russland zu vertiefen und mit den Nachbarn eine gemeinsame Basis für die Rivalität mit dem Westen und vor allem den USA zu finden.

Die USA haben Nordkorea vorgeworfen, Russland in seinem Krieg gegen die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützt zu haben. Unter anderem sei im November 2022 eine Lieferung von Infanterieraketen und Fluggeräten an die russischen Wagner-Söldner gegangen, die an der Seite der regulären Armee kämpften. Nordkorea und Russland haben den Vorwurf zurückgewiesen.

China wiederum ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner seines weitgehend isolierten Nachbarlandes. Die chinesischen Exporte nach Nordkorea waren im Juni achtmal höher als ein Jahr zuvor. Hintergrund der Isolation Nordkoreas sind die internationalen Sanktionen wegen seiner Atom- und Raketenprogramme – für die im UNO-Sicherheitsrat sowohl Russland als auch China gestimmt hatten. Jüngste Versuche der USA und einiger europäischer Staaten, neue Strafmaßnahmen gegen Nordkorea zu erlassen, verhinderten die beiden Staaten jedoch mit ihrem Veto. Stattdessen drangen Russland und China darauf, bestehende Sanktionen aus humanitären Gründen zu lockern, und sie versuchten, Nordkorea zur Wiederaufnahme der 2019 gescheiterten Denuklearisierungsgespräche zu bewegen.

Obwohl Nordkorea verarmt ist, steckt es seit Jahren Unsummen in die Rüstung und präsentiert seine Erfolge gern. Die für Donnerstag geplante riesige Militärparade bietet dafür eine weitere Gelegenheit. An ihr werden Experten zufolge wahrscheinlich bis zu 15.000 Soldaten teilnehmen. Möglicherweise würden auch neue Modelle nukleartauglicher Waffen zur Schau gestellt, sagte Yang Moo Jin, Professor an der Universität für Nordkoreanische Studien in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.

Die ganze Woche über gab es bereits Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des Kriegsendes. So habe Kim einen Friedhof für chinesische Soldaten besucht, meldete die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Sie hatten im Vaterländischen Krieg an der Seite Nordkoreas gegen Südkorea und seine Verbündeten gekämpft. Kim ehrte KCNA zufolge auch die nordkoreanischen Gefallenen auf dem Märtyrerfriedhof des Vaterländischen Befreiungskriegs und würdigte sie dafür, dass sie dem “US-Imperialismus eine Niederlage beigefügt” hätten.

Der Korea-Krieg währte von 1950 bis 1953. Nord- und Südkorea waren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 aus der sowjetischen und der US-Besatzungszone in Korea hervorgegangen, die der vorherigen Annexion des Landes durch Japan folgten. Die koreanische Halbinsel wurde entlang des 38. Breitengrades geteilt. Nord- und Südkorea beanspruchten jedoch beide die rechtliche Nachfolge des einstigen koreanischen Kaiserreiches. Im sich daraus entwickelnden Korea-Krieg standen die USA an der Seite Südkoreas, China und die Sowjetunion waren Verbündete Nordkoreas. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag, sondern lediglich ein Waffenstillstandsabkommen, das am 27. Juli 1953 geschlossen wurde.