Nordkorea unterstellt den USA die Vorbereitung eines Angriffs

Nordkorea droht USA wegen Manöver mit Vergeltungsmaßnahmen

Dienstag, 22. August 2017 | 21:21 Uhr

Nach dem Beginn eines gemeinsamen Militärmanövers der USA mit Südkorea hat Nordkorea seine Tonlage verschärft. Ein Sprecher der im Grenzort Panmunjom stationierten Einheit der nordkoreanischen Volksarmee drohte am Dienstag wegen der Übungen im Nachbarland mit “schonungsloser Vergeltung und Bestrafung”. Wie die Maßnahmen aussehen sollen, blieb unklar.

Ungeachtet der zunehmenden Drohungen Nordkoreas betonte der Befehlshaber des Pazifikkommandos der USA, Harry Harris, wie wichtig eine diplomatische Lösung in dem Konflikt sei. “Der wichtigste Startpunkt ist ein diplomatischer Startpunkt”, sagte Harris laut Berichten südkoreanischer Sender auf dem südlich von Seoul liegenden US-Luftwaffenstützpunkt Osan. “Wir hoffen darauf und wir arbeiten an einer diplomatischen Lösung für die Herausforderung durch (Nordkoreas Machthaber) Kim Jong-un.” Diese Arbeit müsse von einem starken militärischen Aufwand und einer “glaubwürdigen Kampfkraft” gestützt werden. Der Admiral inspizierte in Begleitung weiterer US-Kommandanten das laufende Manöver.

Der nordkoreanische Armeesprecher unterstellte den USA wie üblich, durch ihr Manöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten. “Die USA werden für die katastrophalen Konsequenzen zur Verantwortung gezogen, die solche rücksichtslosen aggressiven Kriegsmanöver nach sich ziehen”, wurde er von den Staatsmedien zitiert. Dass Nordkorea seine Rhetorik bei Manövern auf der anderen Seite der Grenze verschärft, ist nicht unüblich. Doch die Spannungen hatten sich zuletzt nach zwei nordkoreanischen Teststarts von Interkontinentalraketen im Juli wieder deutlich erhöht. Das Land arbeitet an der Entwicklung von Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Nichtsdestotrotz sahen die USA nun eine leichte Entspannung in dem Konflikt. Seit der letzten Resolution des UN-Sicherheitsrates habe es keinen Raketenabschuss oder andere provokative Aktionen aus Nordkorea gegeben, lobte Außenminister Rex Tillerson am Dienstag. “Wir hoffen, dass dies das Signal ist, auf das wir gewartet haben, dass sie bereit sind, sich mit weiteren Spannungen zurückzuhalten (…) und dass wir vielleicht einen Weg für einen Dialog in der näheren Zukunft sehen”, sagte Tillerson am Dienstag in Washington.

US-Präsident Donald Trump hatte der stalinistischen Führung in Pjöngjang kürzlich mit “Feuer und Wut” gedroht, was angesichts der atomaren Bewaffnung beider Länder für Unruhe gesorgt hatte. Nordkorea drohte damit, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel Guam abzufeuern. Letztlich stellte es seine Pläne aber zurück. Die USA und Südkorea hatten die seit langem geplante elftägige Übung “Ulchi Freedom Guardian” (Ulchi-Freiheitswächter) am Montag begonnen. Im Zentrum stehen computergestützte Simulationen eines Kriegs auf der koreanischen Halbinsel.

Der Kommandant der US-Streitkräfte Korea (USFK), Vincent Brooks, wies Forderungen Nordkoreas nach einem Ende der gemeinsamen Manöver mit Südkorea zurück. Die beiden Alliierten würden die Übungen solange fortsetzen, bis “es einen Grund gibt, das nicht zu tun.” Er betonte: “Diese Übungen sind sehr wichtig.” Die USA haben 28.500 Soldaten als Abschreckung in Südkorea stationiert.

Auch eine Gruppe von US-Kongressabgeordneten mahnte bei einem Besuch in Seoul eine Gesprächslösung im Konflikt mit Nordkorea ein. “Wir müssen anerkennen, dass ein Präventionskrieg dieses Problem nicht lösen, sondern es viel schlimmer machen würde”, sagte der Senator Edward Markey, ein Demokrat aus Massachusetts, nach einem Treffen der Delegation mit Präsident Moon Jae-in. Mit Nordkorea zu sprechen, sei keine Konzession der USA, sondern der einzige Weg, um die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen.

Japan forderte weiteren internationalen Druck auf Nordkorea, um das Land von seinem Atomprogramm abzubringen. Es sei nicht die Zeit, darüber zu sprechen, die vor Jahren gestoppten Sechs-Parteien-Gespräche zwischen dem stalinistischen Land sowie Südkorea, China, Russland, den USA und Japan wiederzubeleben, sagte der neue japanische Außenminister Taro Kono am Dienstag. Zunächst müsse die Regierung in Pjöngjang eindeutig erklären, dass sie ihr Atomprogramm aufgebe. “Es ist an der Zeit, Druck auszuüben.”

Japan will auch wegen der Bedrohung durch Nordkorea seine Verteidigungsausgaben weiter erhöhen und die Raketenabwehr ausbauen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, wolle das Verteidigungsministerium einen Rekordetat von rund 5,3 Billionen Yen (41,3 Milliarden Euro) für das kommende Budgetjahr beantragen. Das wäre ein Anstieg zum Vorjahr von 2,5 Prozent. Zum einen soll ein neuer Typ Abfangraketen für das auf Zerstörern installierte Aegis-System angeschafft werden. Zudem plant Japan ein solches System auch auf dem Land. Die Technologie hierfür käme vom Bündnispartner USA.

Von: APA/dpa