Der Kriegszustand soll noch dieses Jahr beendet werden

Nordkorea lobt historischen Gipfel mit Südkorea

Samstag, 28. April 2018 | 16:53 Uhr

Einen Tag nach dem Treffen zwischen den Staatschefs der beiden koreanischen Staaten hat Nordkorea weitere Friedenssignale ausgesandt. Das Gespräch zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un sei “historisch” gewesen und habe den Weg zu “nationaler Aussöhnung und Einheit, Frieden und Wohlstand” geebnet, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur KCNA.

Nach ihrem Treffen in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern hatten Kim und Moon sich am Freitag zum Ziel einer dauerhaften und stabilen Friedensregelung und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel bekannt. Der seit mehr als sechs Jahrzehnten geltende Kriegszustand solle noch dieses Jahr beendet werden, erklärten sie bei ihrer symbolträchtigen Begegnung im Grenzort Panmunjom.

In einem gesonderten Bericht schrieb KCNA, Kim und Moon hätten sich “aufrichtig und offenherzig” zu Themen ausgetauscht wie Friedenssicherung und Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel. Die Zeitung “Rodong Sinmum”, Sprachrohr der in Nordkorea herrschenden kommunistischen Partei der Arbeit, berichtete auf den vorderen vier ihrer sechs Seiten über das Ereignis – mit insgesamt 60 Fotos, 15 davon auf der Titelseite.

Das staatliche nordkoreanische Fernsehen sendete mehrere Minuten lang Bilder von dem Treffen, einschließlich der Umarmung zwischen Moon und Kim. Die bewährte Nachrichtensprecherin Ri Chun-hee wurde aufgeboten, um den Text der Gipfelerklärung zu verlesen.

Es werde “keinen Krieg mehr auf der koreanischen Halbinsel geben”, und Korea werde wieder “eins” werden, heißt es darin. Der Korea-Krieg (1950-1953) mit einer US-geführten UNO-Truppe aufseiten Südkoreas einerseits und Nordkorea sowie China andererseits war vor 65 Jahren mit einem Waffenstillstand zu Ende gegangen – ein Friedensvertrag kam nicht zustande. Formal befinden sich beide Länder deswegen weiter im Kriegszustand.

Nun solle es mit den USA und möglicherweise auch mit China Treffen für eine Friedensvereinbarung geben, hieß es in der Gipfelerklärung. Washington und Peking haben den Waffenstillstand mit unterzeichnet. Die USA haben in Südkorea Zehntausende Soldaten stationiert.

Trotz des Tauwetters im Atomkonflikt zwischen Nord- und Südkorea will US-Präsident Donald Trump den Druck auf die Führung in Pjöngjang aufrechterhalten. Auch er würdigte das Gipfeltreffen in Panmunjom als “historisch”, die USA würden aber nicht nachlassen, bevor eine komplette Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel erreicht sei, sagte Trump auf einer Pressekonferenz mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington.

Nach dem historischen Gipfeltreffen zwischen Kim und Moon will Trump selbst mit dem nordkoreanischen Machthaber sprechen. “Die Kampagne des maximalen Drucks hat uns geholfen, diesen Schritt zu erreichen”, sagte Trump. Er freue sich auf ein Treffen mit Kim Jong-un. Der Korea-Gipfel galt auch als eine Art Vorlauf dafür.

Ort und Termin für das Treffen zwischen Trump und Kim werden nach Angaben Trumps gerade festgelegt. Das gab Trump am Samstag via Twitter nach einem Telefonat mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in bekannt. Trump nannte keine Einzelheiten.

Trump hatte in vorhergehenden Äußerungen erklärt, er wolle Kim im Mai oder Anfang Juni treffen. Zur Auswahl standen fünf Orte, die aber nicht offiziell bekanntgegeben worden waren. Gemutmaßt wurde über Genf, Stockholm, Helsinki, Oslo, Bangkok, Ulan-Bator, Singapur u.a. noch weitere Städte.

Trump glaube natürlich, es gehe um ihn, aber darum gehe es nicht, schrieb der Politikwissenschaftler Robert E. Kelly auf Twitter. Kim wolle Kapital aus seinem Atompotenzial schlagen. Sollte es keinen Handel geben, werde Nordkorea wieder in die defensive Hocke gehen und warten, bis der Sturm vorbei sei.

Auch andere Analysten und Diplomaten sehen die derzeitige Politik der nordkoreanischen Führung unter anderem darin begründet, dass Pjöngjang meine, aus einer Position der Stärke heraus verhandeln zu können. Außerdem befürchte es die Auswirkungen der vom UNO-Sicherheitsrat verhängten drastischen Strafmaßnahmen und einen möglichen militärischen Angriff der USA.

Von: APA/ag./dpa