Kim Jong-Un setzte trotz Verwarnungen die Raketentests fort

Nordkorea provoziert mit neuem Atombombentest

Freitag, 09. September 2016 | 15:55 Uhr

Nordkorea kommt nach eigenen Angaben seinem Ziel näher, verfeindete Staaten mit Atomraketen angreifen zu können. Nach einem neuerlichen Atomtest erklärte die kommunistische Führung des isolierten Landes am Freitag, Nordkorea beweise damit, dass es ballistische Mittelstreckenraketen mit Atom-Sprengköpfen bestücken könne.

Experten zufolge hatte die Detonation am frühen Morgen eine größere Sprengkraft als die Atombombe, die die USA im Zweiten Weltkrieg auf Hiroshima abwarfen. Der zweite Atomtest innerhalb weniger Monate löste weltweit Besorgnis aus. US-Präsident Barack Obama drohte mit ernsten Konsequenzen. Russland plädierte für eine scharfe Antwort. Nordkoreas engster Verbündeter China kündigte eine Protestnote an. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) bezeichnete den mutmaßlich fünften Atomwaffentest Nordkoreas als “zutiefst beunruhigenden und bedauerlichen Akt”.

Das kommunistische Regime treibt sein Atomprogramm trotz scharfer internationaler Sanktionen voran, wenn auch die Angaben zur Bestückung von Raketen mit Atomsprengköpfen nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden konnten. Südkorea äußerte sich besorgt, dass der Norden nach Geheimdiensterkenntnissen offenbar Fortschritte bei der Verkleinerung von Sprengköpfen mache, so dass sie für ballistische Waffen eingesetzt werden könnten. Erst am Montag feuerte Nordkorea während des G-20-Gipfels im benachbarten China drei Raketen ab, die nach südkoreanischen Angaben bis in den japanischen Luftverteidigungsraum flogen, bevor sie ins Meer stürzten.

Mehrere Erdbebenwarten hatten am frühen Morgen ein schwere Erschütterung in Nordkorea aufgezeichnet. Die Stärke der Erdstöße schwankte zwischen 5 und 5,3. Umgehend kam der Verdacht auf, dass es sich um einen Atomtest handeln könnte – den fünften dieser Art. Die Erschütterung wurde nach südkoreanischen Angaben in der Nähe des Geländes registriert, wo Nordkorea im Jänner zum vierten Mal eine Atom-Detonation ausgelöst hatte. Der erneute Test fiel auf den Jahrestag der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1948. Es dürfte sich um eine Machtdemonstration von Staatschef Kim Jong-un handeln.

Die Sprengkraft war Experten zufolge gewaltiger als bei allen anderen Tests zuvor. Jeffrey Lewis vom Middlebury Institut Internationaler Studien in Kalifornien schätzte sie auf 20 bis 30 Kilotonnen. Das wäre mehr als die Bombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Südkoreas Militär ging der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge vorerst von zehn Kilotonnen aus.

Über Art und Umfang des Atomwaffenarsenals Nordkoreas gibt es wenig Gesichertes. Der Bestand – mit Stand August 2016 – werde auf sechs bis acht Sprengkörper auf Plutonium-Basis geschätzt, schreibt die Gruppe Arms Control Association (Rüstungskontrollvereinigung) in den USA. Durch die Produktion von hoch angereichertem Uran, was im Fall Nordkoreas jedoch unklar ist, könnte Nordkorea Material für zusätzliche vier bis acht Bomben haben.

Doch nicht nur militärisch, sondern auch politisch sind Atomwaffen für das Regime von großer Bedeutung. “Nuklearwaffen spielen eine wichtige Rolle für die Legitimierung der Macht Kim Jong-uns”, sagt der Forscher Park Hyeong-jung vom staatlichen koreanischen Institut für Nationale Vereinigung in Seoul. Kim, der Anfang 30 sein soll, wolle den Eliten des Landes und der restlichen Bevölkerung zeigen, dass Nordkorea “unbesiegbar” sei. Auch der Tag des jüngsten Tests habe eine symbolische Bedeutung – Nordkorea feierte am Freitag den 68. Jahrestag der Staatsgründung.

Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye erklärte, der Test belege die “wahnsinnige Rücksichtslosigkeit” des Machthabers Kim. Es handle sich um einen klaren Verstoß gegen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats, der zuletzt seine Sanktionen wegen des nordkoreanischen Atomprogramms verschärft hatte. Nordkorea ignoriere auf ganzer Linie die Forderungen der internationalen Gemeinschaft nach einer Abkehr vom Streben nach Atomwaffen.

Noch für Freitag berief der UNO-Sicherheitsrat eine Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein. Obama bekräftigte umgehend die Unterstützung der Verbündeten in der Region. Auch China verurteilte den Test scharf und rief die Führung des Landes zur Zurückhaltung auf. Gleichzeitig kündigte das Nachbarland einen diplomatischen Protest bei der nordkoreanischen Botschaft in Peking an. China will den Status quo jedoch bewahren. Peking fürchtet nichts mehr als einen Kollaps des nordkoreanischen Regimes, der in einer Wiedervereinigung unter Südkoreas Führung mit einer Schutzmacht USA münden könnte.

Wie weit Sanktionen noch gehen können, ist unklar. Nordkorea ist bereits von den wichtigsten Handelsströmen der Welt abgeschnitten. China, auf das der Großteil des nordkoreanischen Außenhandels entfällt, hatte nach dem Atomtest im Jänner beschränkte Handelssanktionen gegen den Nachbarn verhängt.

Auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte am Freitag “diese neuerliche Verletzung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates auf das Schärfste”. Eine klare Reaktion des UNO-Sicherheitsrates sei erneut notwendig.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Nordkorea provoziert mit neuem Atombombentest"


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Dublin
Tratscher
17 Tage 5 h

Stoppt doch endlich den wahnsinnigen Dicken!

knoflheiner
Grünschnabel
17 Tage 7 h

irgendwie gfollt mir der Zoch…
 der verorscht die gonzn Politiker auf der Welt

tresel
Tratscher
17 Tage 4 h

kimmp mir so vor wia a trotziges biabl wos in di luft springt und in atem anhält bis er fost erstickt wenns net so geht wie er will.

Albert
Neuling
17 Tage 3 h

Man muss wissen, dass es ein kommunistischer Diktator ist. Den juckt es wenig, was aussen um ihn herum passiert. Auch das Volk interessiert den nicht. Einzig und allein die eigene Machtposition und Demonstration gegenüber der Welt ist sein Ziel. Wir hatten und haben viele solcher Beispiele in der Vergangenheit und werden sie auch in der Zukunft ertragen müssen. Da werden keine Strafen und Sanktionen greifen. Auch der Tod solcher Machthaber wird das Land kaum verändern. Auch hierfür haben wir Beispiele genug in der letzten Zeit. Es ist schwierig und ein langer Prozess die Meinungen und Mentalität einer Bevölkerung zu andern.

Jogl
Tratscher
17 Tage 1 h

Psychopat auf einer Stufe mit IS, Trump etc……….😡

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