Der Diktator war persönlich anwesend

Nordkorea testete Antrieb für Trägerrakete

Dienstag, 20. September 2016 | 15:30 Uhr

Elf Tage nach seinem weltweit verurteilten Atomtest hat Nordkorea Fortschritte bei seinem ebenfalls umstrittenen Programm für Weltraumraketen vermeldet. Machthaber Kim Jong-un habe dem erfolgreichen Test am Boden eines neuartigen, leistungsstarken Antriebs für eine Satelliten-Trägerrakete beigewohnt, berichteten die Staatsmedien am Dienstag.

Die Techniker habe er daraufhin angewiesen, “die Vorbereitungen für den Satellitenstart sobald wie möglich abzuschließen”. Die Satellitenentwicklung des isolierten Landes ist aus der Sicht der Weltgemeinschaft eine Tarnung für die Entwicklung von Interkontinentalraketen.

Das Land verfüge jetzt über einen Antrieb, mit dem es innerhalb seines Fünf-Jahres-Programms für die Weltraumerforschung den Bau einer Trägerrakete für “verschiedene Arten von Satelliten einschließlich Erdbeobachtungssatelliten auf Weltniveau” abschließen könne, hieß es weiter in den nordkoreanischen Medien.

Kim forderte demnach weitere Raketenstarts, um das Land “in den nächsten Jahren zu einem Besitzer geostationärer Satelliten zu machen”. Der Test habe in Sohae an der Westküste stattgefunden. “Dieser Test stellt einen erwarteten und bedeutsamen Schritt in der Entwicklung größerer, fortgeschrittener Trägerraten dar”, urteilten Experten des US-Korea-Instituts auf dessen Website 38 North.

Das verarmte, aber hochgerüstete Land hat bereits zwei Satelliten ins All geschossen, den bisher letzten im Februar dieses Jahres. Er soll die Erde in einer Umlaufbahn umkreisen. Der UNO-Sicherheitsrat hatte im März wegen des Starts der Weltraumrakete und wegen eines nordkoreanischen Atomtests die Sanktionen gegen das kommunistische Regime verschärft. In dem Raketenstart wurde ein verdeckter Test für die Technik einer Langstreckenrakete gesehen.

Trotz Verboten und der Sanktionen hatte Nordkorea weitere Starts von ballistischen Raketen und am 9. September seinen fünften und bisher stärksten Atomtest unternommen. Der Sicherheitsrat berät derzeit über neue Sanktionen gegen Pjöngjang.

Mit dem jüngsten Test habe Nordkorea offensichtlich die Leistung eines Antriebs überprüfen wollen, “der auch für Langstreckenraketen genutzt werden kann”, teilte der Generalstab des südkoreanischen Militärs mit. Ziel von Machthaber Kim ist es, Raketen zu bauen, die auch einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können.

Militärs in den USA und in Südkorea gehen davon aus, dass Nordkorea noch nicht über eine einsatzfähige Interkontinentalrakete verfügt, diesem Ziel aber mit jedem Test einer Weltraumrakete näher kommt. Aus der Sicht von Experten gibt es prinzipiell keine Unterschiede zwischen einer Rakete, die einen Satelliten ins All bringt, und einer Rakete, die Atomsprengköpfe transportiert.

Der Raketenforscher Chae Yeon Seok vom südkoreanischen Institut für Raumfahrtforschung sagte, Nordkorea treibe mit dem neuen Raketenantrieb die Entwicklung einer ballistischer Interkontinentalrakete voran, “die das US-Festland treffen könnte”. Die Entwicklung von Satelliten stehe beim nordkoreanischen Raumfahrtprogramm dagegen nicht im Vordergrund.

Auch der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte unterstrich, dass der getestete Raketenantrieb auch “für Langstreckenraketen genutzt werden kann”. Wie ein Vertreter des Wiedervereinigungsministeriums in Seoul der Nachrichtenagentur Yonhap sagte, will Pjöngjang mit dem Test seine “Fähigkeit” demonstrieren, mit einer Rakete die US-Ostküste treffen zu können. Ein geostationärer Satellit müsse in einer Höhe von 36.000 Kilometern Höhe ausgesetzt werden, der Osten der USA sei nur rund 12.000 Kilometer entfernt.

Nordkorea hatte Anfang September seinen fünften und bisher stärksten Atomwaffentest ausgeführt, dem eine Reihe von Raketentests vorausgingen. Mit den Tests verstößt Nordkorea gegen ein Verbot des UNO-Sicherheitsrats. Das UNO-Gremium berät derzeit über weitere Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang.

Von: APA/dpa/ag.

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