Kim Jong-nam starb am 13. Februar

Nordkorea vermutet Herzschwäche bei Kim Jong-nam

Donnerstag, 02. März 2017 | 15:07 Uhr

Nordkorea bestreitet, dass der ältere Halbbruder von Machthaber Kim Jong-un auf dem Flughafen von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur einem Giftmord zum Opfer gefallen ist. Der ehemalige stellvertretende UNO-Botschafter des Landes, Ri Tong-il, äußerte am Donnerstag bei einem Besuch in Malaysia vielmehr die Vermutung, dass der Tod auf eine Herzschwäche zurückzuführen sei.

Auf Kims Halbbruder Kim Jong-nam (45) hatten zwei Frauen Mitte Februar einen Anschlag verübt. Die Obduktion ergab, dass er durch das Nervengift VX starb. Den beiden Frauen, die aus Indonesien und Vietnam stammen, droht die Todesstrafe. Vermutet wird, dass Nordkorea hinter dem Anschlag steckt. Ri Tong-il leitet eine nordkoreanische Delegation, die sich seit Dienstag in Malaysia aufhält.

Nach seinen Worten litt der 45-Jährige an hohem Blutdruck. Deshalb sei er womöglich an Herzinfarkt gestorben. Der nordkoreanische Diplomat wollte auch nicht bestätigen, dass es sich bei dem Toten um den Halbbruder des Machthabers handelt. Er nannte ihn bei dem Namen, der in seinem Reisepass stand: Kim Chol. Bekannt ist jedoch, dass Kim Jong-nam zuvor schon mit anderen Papieren unterwegs war.

Wegen des Giftmords hat Malaysia bereits Anklage gegen die beiden mutmaßlichen Attentäterinnen im Alter von 25 und 29 Jahren erhoben. Aus Mangel an Beweisen soll ein Nordkoreaner, der seit zwei Wochen in Malaysia in Untersuchungshaft saß, am Freitag abgeschoben werden. Nach sieben weiteren Verdächtigen aus Nordkorea wird noch gesucht.

Südkoreanische Aktivisten wollen unterdessen Millionen Flugblätter über die Ermordung Kims nach Nordkorea schicken. Die Flugblätter sollen mittels großen Gasballons über die Grenze fliegen. Sie enthalten Informationen über den mutmaßlichen Giftmord und mehrere Bilder, darunter ein Foto des sterbenden Kim, der zusammengesunken auf einem Stuhl im Flughafenkrankenhaus sitzt. Der Text beschriebt den nordkoreanischen Machthaber als “Teufel, der seinen eigenen Bruder getötet hat”.

Derartige Aktionen sorgen seit Jahren für Ärger mit Nordkorea, das bereits versucht hat, die Ballons abzuschießen. Unter den Aktivisten sind zahlreiche Flüchtlinge aus Nordkorea.

Von: APA/ag.

Kommentare

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3 Kommentare auf "Nordkorea vermutet Herzschwäche bei Kim Jong-nam"


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zombie1969
Tratscher
20 Tage 21 h

Es wäre interessant zu erfahren, welche aktuellen innenpolitischen Ereignisse in Nordkorea dieses Attentat vorangetrieben haben. Kim Jong-nam war politisch nicht ambitioniert und seine schon länger zurückliegenden kritischen Äusserungen keine Gefahr für die Machthaber. Der nordkoreanische Geheimdienst hat ausserdem genug Erfahrung Personen unauffällig zu beseitigen. Der Plan Amateur-Schauspieler dazu einzusetzen, erweiterte nur den Kreis der Mitwisser und die Verwendung eines geächteten Nervengifts führt zwangsläufig auf die Spur einer militärische Quelle.
Offensichtlich sollte der Anschlag Aufsehen erregen, um anderen eine Warnung zu sein. Damit ist nicht die breite Öffentlichkeit in Nordkorea gemeint, sondern die Mitglieder der Oberschicht, die Zugang zu internationalen Medien besitzen. 

Tabernakel
Universalgelehrter
20 Tage 15 h

Wenn das eine Herzschwäche war, dann ist Kim ein lupenreiner Demokrat.

Kurt
Universalgelehrter
20 Tage 12 h

so viele Meldungen über dieses Land hat man seit langer Zeit nicht erfahren😉

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