US-Pärsident Trump drohte Nordkorea zuletzt unverhohlen

Nordkorea versus USA: Diplomatie und Rhetorik-Fassade

Freitag, 11. August 2017 | 18:26 Uhr

Nach dem Krieg der Worte ist im Atomkonflikt zwischen Nordkorea und den USA die Zeit der Diplomatie angebrochen. “Die US-Bemühungen sind von der Diplomatie getrieben. Sie zeitigen diplomatische Ergebnisse”, sagte Verteidigungsminister James Mattis am späten Donnerstagabend. Die Möglichkeit eines Krieges mit Nordkorea bezeichnete der frühere General als “katastrophal”.

Den eher besonnen gewählten Worten von Mattis steht in den USA die Rhetorik von Präsident Donald Trump gegenüber. Am Freitag erklärte Trump auf Twitter: “Militärische Lösungen sind nun voll einsatzfähig, wir stehen Gewehr bei Fuß, sollte Nordkorea unklug handeln. Hoffentlich findet Kim Jong-un einen anderen Weg.” Tags zuvor hatte er erklärt, das US-Atomwaffenarsenal sei in einem guten Zustand. “Es ist in Tip-Top-Verfassung”, sagte Trump. “Niemand, das gilt auch für Nordkorea, sollte uns mit irgendetwas bedrohen.”

Trump kündigte auch an, dass die USA ihre Raketenabwehr aufstocken würden. Er werde dafür einen signifikanten Milliardenbetrag bereitstellen, sagte Trump. Er räumte jedoch ein, grundsätzlich auch zu Verhandlungen bereit zu sein. Die Börsen in aller Welt reagierten auf die Kriegsgefahr mit einem Abwärtstrend.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP gibt es zwischen den USA und Nordkorea seit Monaten informelle diplomatische Kontakte. Sie würden auch gegenwärtig gepflegt, meldete die Agentur am Freitag. Der Dialog laufe über den US-Gesandten für die Nordkoreapolitik, Joseph Yun, und Pak Song-il, einen ranghohen nordkoreanischen Diplomaten bei den Vereinten Nationen.

Im Nordkorea-Konflikt schaukelt sich die Rhetorik auf beiden Seiten seit Tagen hoch. Nordkorea droht mit einem Angriff auf das US-Außengebiet Guam im Pazifik, allerdings halten Nordkorea-Experten eine Ausführung für unwahrscheinlich Trump hatte angekündigt, militärische Provokationen aus Pjöngjang mit “Feuer und Wut” beantworten zu wollen.

Nordkoreas Führung hatte am Donnerstag demonstrativ unbeeindruckt und mit Spott auf die jüngsten Drohungen Trumps reagiert. “Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen”, hieß es in einer von den Staatsmedien verbreiteten Stellungnahme der Streitkräfte. Am Freitag hieß es dann aus Pjöngjang, die USA müssten mit einer “schandvollen Niederlage” rechnen, sollten sie weiter auf “extreme militärische Abenteuer” sowie Sanktionen und Druck bestehen.

Politiker aus aller Welt rufen deshalb zur Mäßigung auf. “Eskalation der Sprache halte ich für die falsche Antwort”, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag in Berlin. Zudem rief sie dazu auf, die Bemühungen um eine friedliche Lösung zu verstärken. “Ich sehe auch keine militärische Lösung dieses Konflikts.” Stattdessen müsse man versuchen, im UN-Sicherheitsrat und durch Kooperation auch mit China voranzukommen. “Deutschland wird hier bei den Lösungsmöglichkeiten, die wir sehen, nicht-militärischer Art dabei sein”, sagte Merkel.

Der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz brachte eine diplomatische Lösung nach dem Vorbild des Atomdeals mit dem Iran ins Gespräch. “Vielleicht kann man mit einer vergleichbaren Vorgehensweise die nukleare Rüstungsbegrenzung in Nordkorea erreichen”, sagte der Parteichef der Sozialdemokraten am Freitag in Berlin.

Auch Russland mahnt zu Vernunft auf beiden Seiten. “Falls es zu einer Schlacht kommt, sollte derjenige, der stärker und schlauer ist, den ersten Schritt weg von der gefährlichen Linie machen”, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag der Agentur Interfax zufolge. “Die Rhetorik in Washington und Pjöngjang beginnt leider auszuufern”, sagte Lawrow. Das Risiko einer militärischen Konfrontation sei dadurch sehr hoch. “Wir hoffen dennoch, dass der gesunde Menschenverstand siegen wird.” Australiens Regierung erklärte, das Land sei im Falle eines Angriffs auf die USA zum Beistand verpflichtet.

US-Verteidigungsminister Mattis erklärte, die USA verfolgten gegenwärtig eine politische Linie beim Versuch, den Konflikt zu lösen. Die Einigkeit im UN-Sicherheitsrat, wo auch Russland und China einer Verschärfung von Sanktionen gegen Nordkorea zugestimmt hatten, zeige aber, wie ernst die Lage sei. “Man sieht die einhellige Meinung, dass dies eine Bedrohung für die Welt ist.”

Wie kleinteilig die Bemühungen auf diplomatischer Ebene sind, zeigte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Ihr Haus mache derzeit Druck auf Staaten, die Gastarbeiter aus Nordkorea aufnehmen. Dies solle eingestellt werden, damit die Arbeiter das im Ausland verdiente Geld nicht zurückschicken könnten, wo es für militärische Zwecke der Regierung abgezweigt werde.

Wie Trump betont auch Mattis, dass das US-Militär bereit sei, um einem bewaffneten Konflikt zu begegnen. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die USA keinesfalls in einen Krieg gezogen werden wollen. Selbst wenn Nordkorea sich wie angedroht dazu entschließen würde, eine Rakete in die Gewässer vor der US-Pazifikinsel Guam abzufeuern, wird keine militärische Reaktion der USA erwartet. Auch vor einem Abschuss eines nordkoreanischen Flugkörpers könnten die US-Streitkräfte zurückschrecken, um die technisch heikle Raketenabwehr nicht einem möglichen Versagen auszusetzen.

Der Konflikt spitzt sich seit Monaten zu. Nordkorea hatte trotz Verboten des UN-Sicherheitsrats und Warnungen aus dem Ausland am 28. Juli eine Interkontinentalrakete getestet. Diese hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10.000 Kilometern. Nordkoreas Staatschef Kim sagte nach dem Test, das Festland der USA sei jetzt in Reichweite. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bisher schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Nordkorea versus USA: Diplomatie und Rhetorik-Fassade"


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Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
10 Tage 12 h

Ein UN-Mandat zur genehmigung eines Angriffes wird die USA für einen Angriff NIE bekommen.

Und für einen Angriff wird die USA nie zur Rechenschaft gezogen werden. Sie stehen im Vorsitz der UN-Nationen und haben somit Vetorecht.

Paradoxe Scheinwelt. Gott bewahre uns vor einem Atomkrieg.

Feli
Feli
Grünschnabel
10 Tage 10 h

Wird sie auch nicht.

Aber sollte Nordkorea zuerst schießen, ist es kein Angriffskrieg der USA. Nur für Angriffskriege braucht man ein Mandat. Wenn Nordkorea wirklich Guam angreift wird es heikel…

Allerdings zählt Guam nicht zum Nato-geschützten Gebiet, wodurch wir von dem Konflikt verschont bleiben könnten.

Lana77
Lana77
Tratscher
10 Tage 8 h

Dear Kim Jong Rotzlöffl kearet mol ordentlich übers Knia glegt ! 😆

zeze
zeze
Grünschnabel
10 Tage 10 h

I versteh nit warum des regime nit gstürzt weart und guat isch…

Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
10 Tage 5 h

Und genau aus diesem Grund macht dich Nkorea stark. Sie wollen nicht enden wie Afghanistan, Lynien, Irak, Syrien usw. Legitim würde ich sagen.

Antivirus
Antivirus
Tratscher
10 Tage 15 h

Toll, lassen wir uns Überraschen ob die USA und UNO dagegen was einzuwenden haben?? 😂😂😂😂

zombie1969
zombie1969
Superredner
9 Tage 22 h
Sich bei diesem Konflikt bei einer Analyse auf D. Trump zu beschränken, wird der Situation nicht gerecht. Eine erhebliche Mitverantwortung tragen D. Trumps Vorgänger und Nordkoreas “Schutzmacht” China. Man hat das Regime in Nordkorea falsch bewertet. Die Annahme, man könne mit dem aktuellen Machthaber auf diplomatischen Weg eine Lösung finden, war viel zu lange oberste Richtlinie. Der Umgang mit Kritikern und Verwandten hat doch klar demonstriert, dass Kim Jong-un nicht mit normalen Masstäben zu bewerten ist. D. Trump muss nun das in Ordnung bringen, was ihm andere Leute eingebrockt haben. Wie würde wohl ein B. Obama oder eine H. Clinton… Weiterlesen »
Lingustar
Lingustar
Superredner
9 Tage 18 h
Keine Bange… die Amis werden mit Sicherheit nicht als Erste schießen. Der Trump hat zwar nicht mehr alle auf der Latte, aber soo blöd ist er nun auch wieder nicht. Und Rollmops Kim muss auf Gedeih und Verderb so weitermachen wie bisher, denn wenn er plötzlich als weichgespült ankommt, dann dauert es keine zwei Wochen, und sein Volk zieht im zentimeterweise das Fell über die Ohren. Und er muss sich auch immer weiter hochschaukeln, denn sonst fällt sein Kartenhaus noch schneller zusammen, als es dies ohnehin irgendwann tun wird. Als Nächstes werden dann die Amis -wie angekündigt- Kims Geldquellen austrocknen,… Weiterlesen »
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