Machthaber Kim Jong-un führte bereits zahlreiche Raketentests durch

Nordkorea warnt USA nach Raketentest

Montag, 15. Mai 2017 | 13:14 Uhr

Nach einem neuen Raketentest hat Nordkorea die USA vor der Reichweite seiner Waffen gewarnt. Das Land habe am Sonntag unter der Anleitung von Machthaber Kim Jong-un erfolgreich eine neue ballistische Mittelstreckenrakete von großer Reichweite getestet, die “große und schwere Atomsprengköpfe” befördern könne, berichteten die Staatsmedien am Montag.

Kim, der sich zufrieden gezeigt habe und den Abschuss der Rakete persönlich überwachte, kündigte demnach weitere Raketen- und Atomversuche an. Die USA sollten nicht die Realität verkennen, dass ihr Festland und ihre Gebiete im Pazifik “in der sichtbaren Reichweite für einen Militärschlag” seien. Man habe alle Mittel für einen Vergeltungsschlag.

Nordkoreas Raketentest wurde im Ausland als erneuter Verstoß gegen UN-Resolutionen verurteilt, die der kommunistischen Führung Tests unter Verwendung ballistischer Raketentechnik untersagen. Nach Berichten südkoreanischer Medien will sich der UNO-Sicherheitsrat in New York am Dienstag mit dem Test befassen.

Nordkoreas Raketenversuch wurde nicht nur als Machtdemonstration gegenüber den USA, sondern auch als direkte Herausforderung der neuen Regierung in Südkorea gewertet. Präsident Moon Jae-in, der am vergangenen Mittwoch angetreten war, hatte erklärt, wieder stärker auf die international isolierte Führung in Pjöngjang zugehen zu wollen.

Der Test habe dazu gedient, die technischen Eigenschaften eines neuen Raketenmodells zu untersuchen, das “einen mächtigen und großen atomaren Sprengkopf tragen kann”, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Mit der neuen Boden-Boden-Rakete des Typs Hwasong-12 verfügt Nordkorea nach eigenen Angaben nun über eine perfekte Waffe, die der “militär-strategischen und taktischen Idee” der herrschenden Arbeiterpartei und den Anforderungen der Gegenwart entspricht. Das Land habe die Mittel für einen Vergeltungsschlag. Ähnlich hatte sich Nordkorea nach dem Test einer Mittelstreckenrakete eines anderen Typs im Februar geäußert.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den jüngsten Raketentest Nordkoreas als “kontraproduktiv und gefährlich” bezeichnet, zugleich aber zu einem Ende der “Einschüchterung” des abgeschotteten Landes aufgerufen. “Wir lehnen die Ausweitung des Klubs der Atommächte kategorisch ab”, sagte Putin am Montag vor Journalisten in Peking. Er fügte jedoch hinzu, dass “wir aufhören müssen, Nordkorea einzuschüchtern”. Es müsse eine “friedliche Lösung für dieses Problem” gefunden werden.

Seit 2006 hat Nordkorea nach eigenen Angaben fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pjöngjang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Mit seinen Tests verstößt Nordkorea gegen Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats.

Die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hatten zuletzt stark zugenommen. Es wird befürchtet, dass Pjöngjang einen weiteren Atomtest vornehmen könnte. US-Präsident Donald Trump warnte wiederum wiederholt, die USA würden notfalls im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen. Militärische Maßnahmen schloss er dabei nicht aus.

Von: APA/dpa