Nordkorea droht mal wieder

Nordkorea warnte vor Platzen von Atomgesprächen mit den USA

Dienstag, 28. August 2018 | 18:15 Uhr

Die plötzliche Absage der Nordkorea-Reise von US-Außenminister Mike Pompeo ist US-Medien zufolge die Reaktion auf einen scharf formulierten Brief aus dem abgeschotteten Staat. Darin werde der US-Regierung mangelnde Bereitschaft vorgeworfen, die Erwartungen des Nordens bezüglich eines Friedensvertrags zu erfüllen, berichtete CNN am Dienstag unter Berufung auf Insider.

Dem Schreiben nach stünden die Atomgespräche auf der Kippe und könnten scheitern. Dann könnte Nordkorea seine Atom- und Raketenaktivitäten wieder aufnahmen. Zuvor hatte die “Washington Post” US-Vertreter zitiert, denen zufolge das Schreiben so streitlustig gewesen sei, dass sich US-Präsident Donald Trump und Pompeo zur Absage entschlossen hätten.

Nach mehrmonatiger Aussetzung ihrer Militärmanöver mit dem Verbündeten Südkorea behalten sich die USA eine Wiederaufnahme vor, wie Verteidigungsminister Jim Mattis am Dienstag in Washington sagte. “Wir haben keine Pläne, weitere Manöver auszusetzen.” Die Aussetzung sei eine “Geste des guten Willens” gegenüber Nordkorea gewesen. Konkrete Pläne für Manöver gebe es allerdings noch nicht, stellte Mattis klar: “Wir nehmen sie nicht wieder auf.” Er fügte hinzu: “Wir warten ab, wie die Verhandlungen laufen, und dann werden wir sehen.” Die USA verlangen von Nordkorea, sein Atomwaffenprogramm nachweisbar aufzugeben.

Die Äußerungen von Minister Mattis erfolgten vor dem Hintergrund wachsender Unzufriedenheit der US-Regierung mit Nordkorea. Trump hatte kürzlich eine geplante Reise seines Außenministers nach Pjöngjang absagen lassen und dies damit begründet, dass es “keine ausreichenden Fortschritte bei der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel” gebe.

Pompeo hatte die für diese Woche geplante Reise am Donnerstag angekündigt. Mit ihr sollte auch der neue Nordkorea-Beauftragte der US-Regierung, Stephen Biegun, seine Arbeit aufnehmen. Trump sagte den Besuch dann am Freitag über Twitter ab und begründete dies mit fehlenden Fortschritten bei der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel. CNN zufolge hatte Pompeo zuvor den Brief von dem ehemaligen Chef des nordkoreanischen Geheimdienstes, Kim Yong-chol, erhalten. Das US-Präsidialamt verwies für eine Stellungnahme zu dem Bericht auf das Außenministerium, das sich zunächst nicht äußerte.

Mit der Absage der Reise räumte Trump erstmals öffentlich ein, dass seine Bemühungen, Nordkorea von dessen Atomprogramm abzubringen, seit seinem Gipfel mit Machthaber Kim Jong-un im Juni in Singapur auf der Stelle treten. Die staatliche nordkoreanische Zeitung “Rodong Sinmun” warf der US-Regierung am Sonntag ein “doppeltes Spiel” vor. Während diese sich vordergründig um Dialog bemühe, engagiere sie sich zugleich in geheimen Militärübungen. So bereiteten sich in Japan stationierte US-Spezialeinheiten auf einen Überfall auf die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang vor. Das Verteidigungsministerium in Tokio erklärte am Dienstag, Nordkoreas militärische Aktivitäten stellten immer noch die größte Bedrohung für Japan dar.

US-Präsident Donald Trump hatte bei seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un am 12. Juni überraschend angekündigt, die von Nordkorea stets scharf kritisierten Manöver zu “beenden”. Die USA könnten dadurch “eine enorme Menge Geld sparen”, hatte er in Singapur gesagt. Damit kam Trump der Regierung in Pjöngjang entgegen, die seit langem ein Ende der regelmäßigen Manöver forderte. Den Verbündeten Südkorea hatte der US-Präsident zuvor offenbar nicht eingeweiht. Für Verwunderung hatte auch gesorgt, dass Trump die Übungen als “provozierend” bezeichnet hatte. Dieser Begriff wurde bisher von Nordkorea verwendet.

Wenige Tage nach Trumps Gipfel mit Kim hatten die USA und Südkorea tatsächlich ein für August geplantes Militärmanöver abgesagt. An der Übung “Ulchi Freedom Guardian” hätten sich gut 17.500 US-Soldaten beteiligen sollen. Das Pentagon hatte bei der Absage betont, dass damit über künftige Militärübungen noch keine Entscheidung gefallen sei.

In Südkorea sind zehntausende US-Soldaten stationiert. Sie sollen den engen US-Verbündeten gegen mögliche Angriffe aus dem Norden schützen. Seit Jahren veranstalten die USA und Südkorea regelmäßig großangelegte Militärmanöver. Pjöngjang reagierte stets heftig auf die Übungen. Nach derartigen Manövern im vergangenen Jahr feuerte Nordkorea Raketen über das japanische Festland hinweg.

Von: APA/ag.

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