Vucic erläuterte seinen Vorschlag zur "Grenzziehung" bisher nie näher

Normalisierungsdialog mit Kosovo: Unterstützung in Serbien

Sonntag, 04. November 2018 | 11:24 Uhr

Eine aktuelle Meinungsumfrage legt nahe, dass die Serben möglicherweise zum ersten Mal den EU-initiierten Normalisierungsdialog zwischen Belgrad und Prishtina mehrheitlich unterstützen. Dies stellte die Meinungsforschungsagentur Demostat auf Basis der Resultate einer zwischen 8. und 17. Oktober unter 1.200 Bürgern Serbiens durchgeführten Umfrage fest.

79 Prozent der Befragten unterstützten den Normalisierungsdialog. 54 Prozent gaben an, dass sie darin eine Chance sähen, die Kosovo-Frage zu lösen, wie das Internetportal Balkan Insight berichtete.

Vier von fünf Befragten erklärten auch, dass ihnen der Vorschlag von Präsident Aleksandar Vucic zu einer “Grenzziehung” mit den Kosovo-Albanern klar sei. Vucic hat seinen Vorschlag bisher nie näher erläutert. Allerdings sind 61 Prozent der Serben einem Gebietsaustausch mit dem Kosovo abgeneigt, wie die Umfrage ebenfalls ergab.

Der kosovarische Präsident Hashim Thaci hatte sich vor Wochen für eine “Grenzkorrektur” mit Serbien ausgesprochen, die den Anschluss von drei südserbischen Gemeinden mit bedeutendem albanischem Bevölkerungsanteil an den Kosovo ermöglichen würde.

Der seit 2011 laufende Normalisierungsdialog steckt seit Wochen in der Sackgasse. Dazu war es gekommen, nachdem sich die Hauptverhandler Vucic und Thaci öffentlich für die “Grenzziehung” bzw. “Grenzkorrektur” ausgesprochen hatten. Ein Versuch der kosovarischen Opposition, Thaci daran zu hindern, im Normalisierungsdialog mit Serbien auch über eine Änderung der Staatsgrenzen zu verhandeln, war am Donnerstag im Parlament des Kosovo gescheitert.

Indes gab das serbische Außenministerium bekannt, dass neun Staaten seit Oktober 2017 ihre Anerkennung des Kosovo wieder rückgängig gemacht haben. Zuletzt hätten sich dazu, wie Außenminister Ivica Dacic an diesem Wochenende erklärte, Grenada und Dominica entschlossen. Zuvor hieß es im serbischen Außenministerium, dass auch Surinam, Sao Tome und Principe, Guinea-Bissau, Burundi, Papua-Neuguinea, Liberia und Lesotho ihre Anerkennung des Kosovo zurückgezogen hätten.

Das kosovarische Außenministerium bestritt derartige Angaben Belgrads bisher immer. Es handle sich um eine “Verleumdung” von Dacic, erklärte Jetlin Zyberaj, ein Berater von Außenminister Behgjet Pacolli, am Samstag gegenüber dem kosovarischen TV-Sender RTK.

Laut dem Internetportal des kosovarischen Außenministeriums wurde der jüngste Staat Europas bisher von 116 Staaten anerkannt, darunter auch jenen, die laut Dacic ihre Anerkennung zurückgezogen haben. Belgrad lehnt es nach wie vor ab, seine ehemalige Provinz Kosovo als eigenen Staat anzuerkennen.

Dacic erläuterte zuletzt am Samstag, dass etwa Dominica seine Anerkennung des Kosovo bis zum Abschluss des Normalisierungsdialogs zwischen Belgrad und Prishtina suspendiert habe. Ähnliche Erläuterungen hatte der Minister auch im Falle anderer Staaten abgegeben, die sich angeblich dazu entschlossen haben. Der serbischen Öffentlichkeit wurden immer wieder auch Schreiben präsentiert, in denen Belgrad von diesen Staaten darüber informiert worden sei. Dacic hatte im April erklärt, dass ein Sonderteam in seinem Ministerium damit befasst sei, die Zahl der Staaten zu senken, die den Kosovo anerkannt haben.

Von: apa

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