"ÖVP-Chef bleibt ein demokratischer Liberaler"

Kompatscher: “Kurz ist nicht Orban”

Montag, 16. Oktober 2017 | 15:44 Uhr

Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) befürchtet keine populistische Wende in Österreich. “Sebastian Kurz ist nicht der ungarische Premier Viktor Orban. Kurz bleibt ein demokratischer Liberaler”, so Kompatscher im Interview mit der römischen Tageszeitung “La Repubblica” am Montag.

“Die Sorge vor einem Sieg der FPÖ hat Kurz dazu bewogen, sich auf entschlossene Weise mit Themen wie Migration zu befassen. Abgesehen von gewissen Tönen bleibt die ÖVP eine konservative Partei mit demokratischen Werten und europagesinntem Geist”, meinte der Landeshauptmann. “Ich glaube nicht, dass Kurz Interesse hat, Österreich vom Rest Europas zu isolieren oder eine Reaktion anderer EU-Länder wie im Jahr 2000 hervorzurufen”, so Kompatscher. Unter den europäischen Volksparteien fehle das Bewusstsein der eigenen Werte und der eigenen Stärke. “Man schaut mit zu großer Sorge nach rechts. Den Sorgen der Wählerschaft muss man mit einer ernsthaften Politik entgegenwirken”, sagte Kompatscher.

Der Südtiroler Landeshauptmann äußerte die Hoffnung, dass Migration nicht das wichtigste Wahlkampfthema im kommenden Frühjahr in Südtirol sein werde. Südtirol erfülle seine Pflichten bei der Versorgung von Migranten und unterstütze die Regierung in Rom bei ihrer Kooperation mit Libyen. “Die Migrationsproblematik regelt man nicht mit Streit, oder mit dem Bau von Mauern”, sagte der Südtiroler Landeshauptmann.

Philipp Achammer, Obmann der Südtiroler Volkspartei, gratulierte indes der ÖVP zum Wahlsieg. Der klare Erfolg sei nicht zuletzt auf die Person des ÖVP-Obmannes und Außenministers Sebastian Kurz zurückzuführen, teilte die SVP in einer Aussendung mit. “Wird die neue Bundesregierung von Sebastian Kurz angeführt, dann wäre dies sicher positiv für Südtirol”, meinte Achammer. “Er hat in den vergangenen Jahren stets eine große Offenheit und Sensibilität für die Anliegen unseres Landes und die Weiterentwicklung unserer Autonomie gezeigt”, so der SVP-Obmann.

Erfreut über das Ergebnis der FPÖ zeigte sich naturgemäß deren Schwesterpartei, die Südtiroler Freiheitlichen. Dank eines “überzeugenden Spitzenkandidaten, eines tollen Teams, eines klaren Programms und eines seriösen Wahlkampfes” sei es gelungen dieses “Top-Ergebnis” zu erreichen. “Ich gratuliere Heinz-Christian Strache und allen freiheitlichen Parteifreunden von ganzem Herzen dazu!”, meinte Parteiobmann Andreas Leiter Reber, der mit einer Delegation der Südtiroler Freiheitlichen nach Wien gereist war, um dort gemeinsam mit der FPÖ den Wahlausgang zu verfolgen. Reber sah in dem Ergebnis der FPÖ “große Chancen” für Südtirol, da die FPÖ stets “der zuverlässigste Partner und Freund der Südtiroler in Wien” gewesen sei.

Die Südtiroler Grünen bezeichneten das Ergebnis der österreichischen Grünen als “bedauernswerte Niederlage” und sahen mehrere Ursachen, die zum Teil “hausgemacht” seien. Die Grünen hätten sich in der Kampagne für Van Der Bellen verausgabt und dabei interne Konflikte nicht zeitgerecht bereinigt. Der gekränkte Abgang von Peter Pilz habe die Grünen zudem geschwächt und demotiviert. Darüber hinaus sei Ulrike Lunacek im Dreikampf Kurz-Kern-Strache an den Rand gedrängt worden.

Von: apa

Bezirk: Bozen