"Schau auf mich, ich bin hier der Chef", analysiert die NZZ Kurz

“NZZ” attestiert Kurz’ Corona-Management “autoritäre Züge”

Sonntag, 10. Mai 2020 | 12:34 Uhr

Die “Neue Zürcher Zeitung” attestiert Bundeskanzler Sebastian Kurz “autoritäre Züge” in seiner Politik zur Bewältigung der Coronakrise. Die Grünen als Koalitionspartner habe der ÖVP-Chef an die Wand gedrückt, schrieb das renommierte Blatt am Sonntag. Unter dem Titel “Schau auf mich” heißt es, Österreich sei “sehr gut durch die erste Phase der Pandemie gekommen”.

“Schneller, besser, schlauer als die anderen in Europa” hätten Kurz und die Bundesregierung Österreich durch die Pandemie lotsen wollen. “Doch das Management der Corona-Krise hat auch einige Charakterzüge des 33-jährigen Politikers Kurz offenbart und andere bestätigt. Denn epidemiologische Zahlen sind das eine, politischer Stil und Entscheidungen das andere. Die Österreicher sind von der Lungenkrankheit vorerst weitgehend verschont worden. Aber sie waren auch Statisten einer Inszenierung ihres so gewandten jungen Kanzlers.

In der Krise hat Sebastian Kurz mehr von seinem Wesen preisgegeben. ‘Schau auf dich, schau auf mich’ – der Leitspruch der Regierung, um die Bürger zum Abstandhalten und zum Verzicht auf das Aus-dem-Haus-Gehen zu bewegen – schien auch auf den Kanzler gemünzt: Schau auf mich, ich bin hier der Chef.”

Kurz, “der Autoritäre”, habe im Eiltempo Sammelgesetze zum Lockdown durch das Parlament “gepaukt”; Staatsrechtler hätten “sowohl den weitgehenden Eingriff in die Grundrechte als auch die verworrenen Bestimmungen” kritisiert. “Der Kanzler bügelte alle diese Einwände ab.”

Einen mitunter lockeren Umgang mit dem Recht habe Kurz schon während seiner ersten Amtszeit von 2017 bis 2019 gezeigt, befindet die “NZZ”: “Das Höchstgericht kassierte später Gesetze zur inneren Sicherheit und zur Sozialhilfe, die Kurz gemeinsam mit seinem rechtsgerichteten Koalitionspartner FPÖ auf den Weg gebracht hatte. Verglichen mit der innenpolitisch stark polarisierenden früheren Regierungszeit hat die Corona-Krise dem Kanzler nun sehr viel grösseren Spielraum verschafft. Die Opposition meldete sich wenig und hielt naturgemäss den nationalen Schulterschluss ein. Die für ihn wichtigen Medien steckte Kurz in den Sack: Boulevardpresse und Privatsender erhalten den grösseren Anteil einer Sonderhilfe von insgesamt 32 Millionen Euro. Und die Bevölkerung folgte ihrem Kanzler: Die Gesichtsmaske – obligatorisch in Geschäften und im öffentlichen Verkehr, empfohlen im Büro und freiwillig viel getragen auf den Trottoirs zumindest in Wien – ist zum Maulkorb geworden. Man spricht in der Öffentlichkeit sehr viel weniger miteinander, während Kurz führt, freundlich und hart.” Der Unterschied von Kurz zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die die Pandemie eine “demokratische Zumutung” nannte, sei “augenfällig”.

Kurz, “der Krisenverliebte”, habe mit täglichen Presseauftritten in der Krise die Register seines medialen Könnens gezogen. “Einen Chef-Virologen, einen nationalen Corona-Doktor an seiner Seite, der den Bürgern erklären würde, wie die Epidemie nun verläuft und wie sie einzudämmen wäre, suchte man vergeblich. Kurz allein ist der Krisenmanager, und die Angst war sein bevorzugtes Disziplinierungsmittel”, schreibt die “NZZ” mit Blick auf das öffentlich gewordene Protokoll einer Sitzung von Regierung und Experten vom 12. März, in dem von einem Spiel mit der Angst die Rede war.

Politisch habe sich der strenge Kurs von Kurz jedenfalls ausgezahlt, heißt es weiter in dem Artikel mit Verweis auf gestiegene Umfragewerte für die ÖVP. “Seinen grünen Koalitionspartner drückte Kurz an die Wand (…). Sein Image in Europa als Vertreter einer neuen Politikergeneration der Manager und Kümmerer wird nur stärker.”

Von: apa

Kommentare

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33 Kommentare auf "“NZZ” attestiert Kurz’ Corona-Management “autoritäre Züge”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
20 Tage 5 h

Der beste Kanzler seit langer Zeit. Es müsste mehr Politiker wie ihn geben.

@
@
Superredner
20 Tage 3 h

@pfaelzerwald
Das hat man in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts auch von einem anderen Österreicher gesagt.Wie diese Geschichte ausging, wissen wir wohl alle

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 47 Min

Und genau dieser eifert ihm mit giereigem Schleim nach.

genau
genau
Kinig
20 Tage 39 Min

@@

Ja da hat ein Österreichet Urlaub in Deutschland gemacht.
Ja das ging wohl ziemlich daneben.😄

Fochmonn
Fochmonn
Tratscher
19 Tage 16 h

@@ du bisch gewaltig!

Jo73
Jo73
Superredner
19 Tage 14 h

@@: Ich würde mich schämen an Ihrer Stelle, solch ein vermessener Vergleich hier zu posten. Manchen Leuten ist einfach auch gar nichts zu peinlich.

Jo73
Jo73
Superredner
19 Tage 14 h

@genau: Und Sie machen bei solch einem “Joke” von q auch noch mit. Ich finds erbärmlich, über diese schlimme Zeit hier zu witzeln und dann auch noch aktuelle Poliitiker damit zu vergleichen. Schämen Sie sich.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
19 Tage 12 h

Ein sehr unpassender Vergleich!

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
19 Tage 8 h

@Das kann man doch beim besten Willen nicht miteinander vergleichen.

EQ
EQ
Grünschnabel
20 Tage 8 h

ocha.. der Neid der Schweizer 😁 Koan Wunder..
Keep calm die Schweiz hot ondere Vorzüge.
Holt net im Krisenmanagement

Spiegel
Spiegel
Superredner
20 Tage 6 h

Schweiz und seine scheinheilige Neutralität😉

Blackadder
Blackadder
Grünschnabel
20 Tage 8 h

Ich habe das immer behauptet. Ein opportunistischer Wendehals dem es nur um Macht geht. Ziehsohn von Orban. Er träumt von Verhältnissen wie in Ungarn.

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 14 h

blackader armseliger gehts nicht .😏

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
20 Tage 5 h

Kritik am BK von A kommt hier nicht so gut an. Immerhin könnte er ja der nächste “Chef” vieler “Wunsch – Österreicher ” werden. Er strebt halt, wie der kleine Emanuell aus der ehemaligen ” Grand Nation “, eine führende Rolle in Europa an. Hatten wir ja schon einmal.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 4 h

Leider ist die Kritik berechtigt. Es wird einen Untersuchungsausschuss geben.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 46 Min
Mezcalito
Mezcalito
Tratscher
20 Tage 6 h

“Einen Chef-Virologen, einen nationalen Corona-Doktor an seiner Seite, der den Bürgern erklären würde, wie die Epidemie nun verläuft und wie sie einzudämmen wäre, suchte man vergeblich”

deswegen steht Österreich auch so viel besser da. Wenn Gänsbacher und Falk bei uns entscheiden würden, wären wir in 2 Jahren immer noch eingesperrt

Spiegel
Spiegel
Superredner
20 Tage 6 h

Der Mensch brauch solche Leute. Ohne solche Alphatiere wären viele orientierungslos unterwegs!

GTH
GTH
Tratscher
20 Tage 5 h

also libe nzz mir isch lieaber jand nimmt die zügel in die hand und übernimmt das ruder als lange diskussionen wobei nix ausserkimp, wenn nit passt wird er jo abgwählt

raunzer
raunzer
Superredner
20 Tage 6 h

Man muss ihn nicht mögen aber man kann ihn wählen.
Ein Quantensprung, gemessen an den Pausenclowns vor ihn. 

CH-1964
CH-1964
Grünschnabel
20 Tage 7 h

kommen andere Zeiten. Die politische Rechnung ist noch lange nicht gemacht.

OOesterrreicher
OOesterrreicher
Grünschnabel
20 Tage 3 h

Also eins muß man unserem Segelohren Kanzler, das Corona Thema hat er in Zusammenarbeit mit den “Grünen” top hinbekommen.
Aber ihn deshalb als Hero hinzustellen würde ich ablehnen.
Sein gröstes Manko ist seine Windfänchenmentalität. Er richtet sich einfach daran was die Befölkerung gerne hören möchte und kommuniziert anschließened auch so. (Beispiel Flüchlinge) Alles sollten Arbeiten bis mind. zum 70 Lebensjahr, die Unternehmer sollten unterstützt werden und die Rechte der Arbeitenden Bevölkerung sollten eingeschränkt werden. Genau das ist seine Linie. Von der ehemals christlichen Partei ÖVP ist so gut wie nichts übriggeblieben.

ivo815
ivo815
Kinig
20 Tage 1 h

Ob das mit der Windfähnchenpolitik den Segelohren in Zusammenhang steht?

gertilein
gertilein
Neuling
20 Tage 9 h

Stimmt, wir nennen den “CHEF” Sonnenkönig!!

Skye
Skye
Neuling
20 Tage 1 h

Die Schweizer sehen da wohl Gespenster… Wenn Kurz schon autoritär ist, was ist dann mit Conte oder Boccia? Was ist dann Kompatscher oder Achammer? Mindestens genauso autoritär. Auch bei uns in der Landespolitik ist der Koalitiinspartner PD praktisch stimmlos gefolgt. Den Schweizern fehlt meiner Meinung nach so ein starker Mann an der Spitze…

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 5 h

“Inszenierungskünstler Sebastian Kurz: Weshalb Österreichs Kanzler nun die Corona-Regeln lockert

https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/weshalb-oesterreichs-kanzler-nun-die-corona-regeln-lockert-krisenmanager-im-umfragen-zenith-100.html

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 5 h

Kurz Corona-Krisenstab soll durchleuchtet werden
„Laufend Fehler“

https://zackzack.at/2020/04/15/kurz-corona-krisenstab-soll-durchleuchtet-werden-laufend-fehler/

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
20 Tage 48 Min
Elmarchi
Elmarchi
Grünschnabel
19 Tage 20 h

Hätten wir doch in Italien auch einen Kurz statt dem Grafen (conte), der glaubt, ein Kaiser zu sein …

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 14 h

kaum machts Einer mal besser will man Ihn Was unterstellen.🙄

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
19 Tage 8 h

du weißt aber schon, was Kanzler Kurz von den deutschnationalistischen Gruppierungen und deren “Ziele” (eher sollte man es Wünsche nennen) hält?
es wird dir nicht gefallen

Supergscheider
Supergscheider
Tratscher
19 Tage 14 h

Meinungsfreiheit hin oder her,aber Kurz dermaßen die braune Keule überziehen ist schier unangemessen und beleidigend

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
19 Tage 8 h

Supergscheider: stimmt genau

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