Ein Herz und eine Seele

Obama gab glühende Empfehlung für Clinton ab

Donnerstag, 28. Juli 2016 | 09:51 Uhr

In seinem bisher energischsten Auftritt im diesjährigen US-Wahlkampf hat Präsident Barack Obama seiner Ex-Außenministerin Hillary Clinton die besten Qualifikationen für seine Nachfolge bescheinigt und zugleich ihrem Rivalen Donald Trump Demagogie und Konzeptlosigkeit vorgeworfen. Obama wurde für seine Rede vom demokratischen Parteitag in Philadelphia am Mittwochabend frenetisch bejubelt.

Noch nie sei jemand für das Präsidentenamt “derart qualifiziert gewesen wie Hillary Clinton”, betonte Obama am vorletzten Tag des Nominierungsparteitages vor rund 5.000 Delegierten. Trump habe dagegen keinen Plan und kein Faktenwissen. Der Präsident machte deutlich, dass er bei Clinton sein politisches Erbe in besten Händen sieht. Sie sei eine Führungspersönlichkeit mit “konkreten Plänen”, um gesellschaftliche Barrieren niederzureißen und die Chancen für alle US-Bürger zu verbessern.

Vom Parteitag der Republikaner in der Vorwoche habe er hingegen “keine Lösungen für drängende Probleme” vernommen, sagte Obama. Dort sei stattdessen zu “Wut und Hass” angestachelt worden. Trump wolle die Wahl dadurch gewinnen, dass er “genügend Menschen Angst einjagt”.

Dem düsteren Bild, das der Rechtspopulist bei dem Parteitag von der Lage des Landes gezeichnet hatte, setzte der Präsident eine positive Zustandsbeschreibung entgegen: “Ich bin hinsichtlich der Zukunft Amerikas optimistischer als je zuvor.”

Als Beispiele für die Errungenschaften seiner Präsidentschaft nannte Obama unter anderem, dass 15 Millionen neue Jobs geschaffen, die allgemeine Krankenversicherung eingeführt und die Produktion von sauberer Energie verdoppelt worden sei.

Seine glühende Empfehlung für Clinton begründete der Präsident in erster Linie mit den Erfahrungen, die er mit ihr während ihrer vierjährigen Amtszeit als Außenministerin gemacht habe. Sogar inmitten von Krisensituationen höre sie den Menschen zu, bewahre die Ruhe und behandle jeden mit Respekt. Selbst unter widrigen Umständen gebe sie niemals auf.

Clinton war am Dienstag von dem Parteitag offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt worden. Sie ist die erste Frau der US-Geschichte, die für eine der großen Parteien in das Präsidentschaftsrennen zieht und somit realistische Chancen auf das Amt hat.

Zum Ende der Rede Obamas kam Clinton in einem Überraschungsauftritt die Bühne. Der Präsident und seine Nachfolgekandidatin, die sich während der Vorwahlen vor acht Jahren erbittert bekämpft, dann aber in der gemeinsamen Regierungsarbeit ein Vertrauensverhältnis entwickelt hatten, umarmten sich demonstrativ und gingen zusammen von der Bühne. Erst am Donnerstag will sie zum Abschluss des Parteitags eine große Rede halten und die Nominierung feierlich annehmen.

Den gesamten Abend über hatten führende Politiker zur Unterstützung Clintons aufgerufen. Dazu zählte nicht nur Vizepräsident Joe Biden, sondern auch der ehemalige CIA-Chef und Verteidigungsminister Leon Panetta, der früher eher als Clinton-Kritiker aufgefallen war. “Kein Kandidat einer großen Partei hat in diesem Land jemals weniger gewusst oder war schlechter vorbereitet”, sagte Biden über Trump. “Donald Trump würde uns tatsächlich unsicherer machen”, betonte er. “Als Amerikaner können wir das schlicht nicht zulassen. Punkt.”

Der vom Parteitag nominierte Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Tim Kaine, machte sich auch über Trump lustig und ahmte seine typische Sprache nach. “Gibt es irgendjemanden, der ihm Glauben schenkt?”, fragte Kaine. “Er sagt Dir niemals, wie er das machen will, wovon er sagt, er wolle es machen.”

Auch der frühere Bürgermeister von New York, der parteilose Michael Bloomberg, fuhr schwere Geschütze gegen Trump auf. “Es gibt Zeiten, da stimme ich mit Hillary Clinton nicht überein”, sagte er. “Aber wir müssen alle Meinungsverschiedenheiten beiseite legen, zum Wohle unseres Landes. Und wir müssen uns hinter die Kandidatin stellen, die einen gefährlichen Demagogen schlagen kann”, betonte Bloomberg und fügte hinzu: “Ich bin ein New Yorker und wir New Yorker erkennen einen Betrüger, wenn wir ihn sehen.”

Von: APA/dpa