Özdemir ließ kein gutes Haar an der AfD

Özdemir rechnet in Debatte über Yücel-Texte mit AfD ab – VIDEO

Freitag, 23. Februar 2018 | 07:41 Uhr

Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir hat in einer leidenschaftlichen Bundestagsrede mit der AfD abgerechnet und ihr Rassismus sowie Verachtung des demokratischen Systems der Bundesrepublik Deutschland vorgeworfen. In der von der AfD beantragten Debatte ging es um umstrittene alte Texte des aus türkischer Haft freigekommenen Journalisten Deniz Yücel.

Die AfD sei “aus demselben faulen Holz geschnitzt” wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der Journalisten verhaften lasse, sagte Özdemir. Zudem rückte er die AfD indirekt in die Nähe von Nazis. “In unserem Land, in der Bundesrepublik Deutschland, gibt es keine Gleichschaltung, von der Sie nachts träumen, bei uns gibt es Pressefreiheit.”

Eine Aschermittwochsveranstaltung der AfD, bei der seine Abschiebung gefordert worden sein soll, habe ihn eher an eine Sportpalastrede erinnert, rief er und empfahl den AfD-Abgeordneten, sich an das Ausstiegstelefon für Neonazis zu wenden. Im Berliner Sportpalast hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels 1943 seine berüchtigte Rede mit dem Aufruf zum “Totalen Krieg” gehalten.

Die AfD hatte beantragt, den aus türkischer Haft freigelassenen “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel öffentlich zu maßregeln wegen zweier “taz”-Kolumnen aus den Jahren 2011 und 2012. Darin hatte Yücel dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht und den Geburtenrückgang in Deutschland als Beitrag zum “Deutschensterben” bejubelt. Mit großer Mehrheit lehnte der Bundestag die AfD-Forderung ab.

Mehrere Redner der anderen Fraktionen ließen Kritik anklingen, wiesen aber darauf hin, dass es sich offensichtlich um satirische Texte gehandelt habe. AfD-Redner wollten das als Argument aber nicht gelten lassen. Der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio nannte Yücel einen “Hassprediger” und betonte: “Das Hohelied, das auf Herrn Yücel angestimmt wird, kann den Missklang seiner Äußerungen nicht übertönen.”

Özdemir nutzte die Debatte aber für eine Generalabrechnung mit den Rechtspopulisten. “Wenn Sie ehrlich wären, dann würden Sie zugeben, dass Sie dieses Land verachten”, rief der Grünen-Abgeordnete, der immer wieder von starkem Beifall, aber auch Zwischenrufen offensichtlich aus der AfD unterbrochen wurde. “Dieses Hohe Haus verachten Sie genauso, wie Sie die Werte der Aufklärung verachten.”

“Sie verachten alles, wofür dieses Land in der ganzen Welt geachtet wird und respektiert wird”, sagte Özdemir. Dazu gehöre die Erinnerungskultur ebenso wie die Vielfalt des Landes, dazu gehörten Bayern und Schwaben, aber auch Menschen mit Vorfahren aus Russland oder Anatolien, die stolz darauf seien, Bürger dieses Landes zu sein. Wie könne jemand, der Deutschland so verachtet, darüber bestimmen wollen, wer Deutscher sei?”, fragte er.

“Ihr tobender Mob wollte mich am Aschermittwoch abschieben. Das geht leichter, als Sie sich das vorstellen”, sagte Özdemir, der in Bad Urach geboren wurde, dessen Eltern aber aus der Türkei nach Deutschland gekommen waren. Denn demnächst fahre er wieder nach Bad Urach. “Da ist meine schwäbische Heimat, und die lass ich mir von Ihnen nicht kaputt machen”, rief er. “Dieses Deutschland ist stärker, als es Ihr Hass jemals sein wird.”

Von: APA/dpa