Noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt

Opferzahlen nach Doppelanschlag in Benghazi gestiegen

Mittwoch, 24. Januar 2018 | 15:58 Uhr

Bei einem Doppelanschlag in der ostlibyschen Hafenstadt Benghazi sind mehr als dreißig Menschen ums Leben gekommen. Wie am Mittwoch aus Krankenhausquellen verlautete, wurden bei den Explosionen zweier Autobomben nahe einer Moschee am Dienstagabend außerdem dutzende Menschen verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Attentat.

Das erste Fahrzeug explodierte nach Angaben von Sicherheitskräften vor einer Moschee im Viertel Al-Sleimani, als die Gläubigen nach dem Abendgebet das Gotteshaus verließen. Eine halbe Stunde später explodierte in der Nähe ein weiteres Auto, als bereits Sicherheitskräfte vor Ort eingetroffen waren. Auf einem Parkplatz neben dem Gebetshaus standen ausgebrannte Autos mit zerborstenen Fensterscheiben, am Boden waren zahlreiche Blutflecken. Am Mittwoch versammelten sich Trauernde vor der Moschee.

Die genauen Opferzahlen sind noch nicht bekannt. Einer Sprecherin des Al-Jala-Krankenhauses in Benghazi zufolge habe die Klinik 25 Tote und 51 Verletzte aufgenommen, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP. Ein Sprecher des Benghazi Medical Centers habe neun Tote und 36 Verletzte gemeldet. Die deutsche Nachrichtenagentur dpa berichtete von insgesamt 33 Toten. Die Zahlen könnten noch steigen, da viele Verletzte in Lebensgefahr schwebten. Einige Opfer wurden zudem in Privatkliniken eingeliefert.

Die Moschee, die Ziel des Anschlags wurde, ist als Hochburg salafistischer Gruppen bekannt, die im vergangenen Jahr an der Seite des umstrittenen abtrünnigen Generals Khalifa Haftar gegen Jihadisten kämpften. Nach dreijährigen Kämpfen hatte Haftar im vergangenen Juli die vollständige Befreiung Benghazis verkündet. Seitdem gilt die Stadt als vergleichsweise sicher. Unter den Toten ist nach Militärangaben auch Ahmad Al-Fitouri, ein ranghohes Mitglied der selbst ernannten Nationalen Libyschen Armee (ANL) Haftars.

Seit dem Sturz von Libyens langjährigem Machthaber Muammar Al-Gaddafi im Herbst 2011 herrscht Chaos in dem nordafrikanischen Land. Weite Teile Libyens werden von bewaffneten Milizen kontrolliert. Die Autorität der international unterstützten Regierung der nationalen Einheit wird von einer Gegenregierung infrage gestellt, die mit Hilfe der ANL im Osten von Libyen herrscht.

Die Gegenregierung rief nach dem Anschlag eine dreitägige Trauerzeit aus. Die Regierung der nationalen Einheit in Tripolis verurteilte die Attacke als “terroristischen und feigen Akt”. Die UN-Mission in Libyen mahnte, dass “direkte oder wahllose Angriffe auf Zivilisten (…) Kriegsverbrechen darstellen”.

Alle Versuche der UNO, die beiden rivalisierenden Regierungen zu versöhnen, sind bisher fehlgeschlagen. Haftar hatte im Dezember gesagt, er werde Wahlen im Jahr 2018 unterstützen. Gleichzeitig drohte er mit “Maßnahmen”, sollten die Bemühungen für “eine friedliche Machtübergabe durch freie und demokratische Wahlen ausgeschöpft” sein. Haftars Gegner werfen ihm vor, eine Militärdiktatur errichten zu wollen. Anhänger fordern, er solle “im Auftrag des Volkes” die Kontrolle über Libyen übernehmen.

Die anhaltende Unruhe im Land verhindert eine Erholung der Wirtschaft und bietet Freiraum für extremistische Gruppen. Schlepper nutzen die Lage, um über Libyen Zehntausende Migranten nach Europa zu bringen.

Von: APA/ag.