Der 76-jährige Staatschef erhielt vorerst 56 Prozent der Stimmen

Opposition in Nigeria will Wahlergebnis anfechten

Mittwoch, 27. Februar 2019 | 15:56 Uhr

Bei der Präsidentschaftswahl in Nigeria ist Amtsinhaber Muhammadu Buhari wiedergewählt worden. Seine Gegner wollen das Ergebnis jedoch anfechten. Der 76-jährige Staatschef erhielt 56 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer, der frühere Vize-Präsident Atiku Abubakar, 41 Prozent – wie die Wahlkommission in der Nacht auf Mittwoch mitteilte.

Abubakar sprach von einer “Scheinwahl”, deren Ergebnis er vor Gericht anfechten werde. “Wenn ich eine freie und faire Wahl verloren hätte, hätte ich den Sieger binnen Sekunden angerufen”, um ihm zu gratulieren und ihm “meine Dienste” bei der Vereinigung des Landes anzubieten, erklärte Abubakar. Er habe “noch nie erlebt, dass unsere Demokratie so derartig entwürdigt” worden sei wie am Tag der Wahl, twitterte der 72-Jährige. In vielen Bundesstaaten sei es zu vorsätzlichem Fehlverhalten gekommen. Zudem hätten Truppen in einigen Landesteilen ihre Waffen auf die Bürger gerichtet, statt sie zu beschützen.

Buhari wies Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Wiederwahl zurück. Die Wahl sei auch aus Sicht örtlicher und ausländischer Wahlbeobachter “frei und fair” gewesen, versicherte er. Er fühle sich geehrt und sei seinen Landsleuten “außerordentlich dankbar”, ihnen vier weitere Jahre dienen zu dürfen, sagte er zuvor in der Wahlkampfzentrale der Regierungspartei All Progressive Congress (APC). Die neue Regierung werde ihre Bemühungen in Sicherheitsfragen, bei der Umstrukturierung der Wirtschaft und beim Kampf gegen Korruption verstärken.

Buharis Herausforderer, der Millionär und Geschäftsmann Abubakar, erhielt laut offiziellem Wahlergebnis fast vier Millionen Stimmen weniger als der Wahlsieger. Die Wahlkommission hatte am frühen Mittwochmorgen Buhari mit 15,1 Millionen Stimmen zum Sieger erklärt. Die Wahlbeteiligung betrug nur 35 bis 40 Prozent.

Die Abstimmung war Mitte Februar in letzter Minute um eine Woche verschoben worden – offiziell aus logistischen Gründen. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Buhari und Abubakar vorausgesagt worden. In den vergangenen Tagen zeichnete sich dann aber immer mehr ein deutlicher Vorsprung für Buhari ab, der Nigeria seit 2015 regiert.

Buhari gewann vor allem in seinen traditionellen Hochburgen im dichtbesiedelten Norden. Abubakar gewann in fast allen südlichen Bundesstaaten. Experten hatten zuvor gewarnt, dass es bei einem knappen Wahlausgang zu Gewalt zwischen Anhängern beider Lager kommen könnte.

Überschattet wurde die Wahl von gewaltsamen Zwischenfällen mit mindestens 53 Toten. Wahlbeobachter und Vertreter der Zivilgesellschaft kritisierten zudem Organisationsmängel, eine Einschüchterung von Wählern und die Zerstörung von Wahlmaterialien.

Die Gruppe Situation Room, die landesweit 8.000 Wahlbeobachter entsandt hatte, forderte am Mittwoch Erklärungen für die Zahl von insgesamt einer Million annullierter Stimmzettel in 18 der 36 Bundesstaaten. Bei der Wahl 2015 waren 844.000 Stimmzettel für ungültig erklärt worden. Am Vorabend hatte die Wahlbeobachtergruppe Parteien und Kandidaten, die Zweifel am Wahlverfahren hätten, aufgerufen, juristisch dagegen vorzugehen.

Der Präsident und frühere General Buhari hat einen harten Kampf gegen die Korruption und eine Verbesserung der Sicherheitslage in Afrikas bevölkerungs- und ölreichstem Land versprochen. Mit ähnlichen Versprechen war er bereits 2015 angetreten, Kritiker stellten ihm aber eine schlechte Bilanz aus.

So verübt die Islamistengruppe Boko Haram weiterhin regelmäßig Angriffe. Das Land kämpft zudem mit den Folgen einer Rezession. Schätzungen zufolge leben 87 Millionen der 190 Millionen Einwohner von weniger als 1,90 Dollar am Tag. Grassierende Korruption und rasantes Bevölkerungswachstum erschweren den Kampf gegen die Armut. Viele Nigerianer flüchten deshalb Richtung Europa.

Von: APA/ag

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