Christian Wehrschütz sorgt sich um die Sicherheit

ORF-Korrespondent Wehrschütz beklagt Schikanen in Ukraine

Donnerstag, 27. Dezember 2018 | 16:25 Uhr

Der ORF-Korrespondent in Kiew, Christian Wehrschütz, beklagt Schikanen ukrainischer Behörden und sieht sich nach einer Brandmarkung als “Agent des Kreml” bedroht. Dies erklärte Wehrschütz am Donnerstag gegenüber der APA. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz trifft deshalb am Freitag den ukrainischen Botschafter in Wien, Olexander Scherba, der für 8. Jänner zudem ins Wiener Außenamt geladen wurde.

“Seit Monaten haben wir mit massiven Schikanen und Problemen mit Behörden zu kämpfen”, sagte Wehrschütz in einem Telefonat mit der APA. Er betonte, dass diese Probleme seit Mai 2018 verschärft hätten. Damals war die Zuständigkeit für Medienakkreditierungen im Frontgebiet im Osten der Ukraine vom Geheimdienst SBU zu den ukrainischen Streitkräften gewandert.

Nachdem im Herbst zunächst zwei langjährigen Mitarbeitern aus Donezk die Akkreditierung im Frontgebiet mit einem salopp formulierten Verweis auf fehlenden Patriotismus verweigert worden war, kann seit Anfang Dezember auch der ORF-Korrespondent selbst nicht mehr legal in die betreffenden Gebiete reisen. “Ich hatte meine Akkreditierung bis 4. Dezember. Als ich um Erneuerung angesucht habe, hat man mir diese kommentarlos verweigert”, erzählte Wehrschütz. Er unterstrich, sich bei seinen Reisen auf die Krim oder in die von Kiew nicht kontrollierten Gebiete im Osten des Landes stets an die ukrainischen Gesetze gehalten zu haben.

Im Zusammenhang mit einer ukrainischen Webseite, die ihn seit Oktober als “Agent des Kreml” bezeichnet, macht sich Wehrschütz gleichzeitig Sorgen um seine Sicherheit und die Sicherheit seiner Mitarbeiter in der Ukraine. “Jemanden als ‘Agent des Kreml’ oder als ‘Volksfeind’ zu diffamieren, ist in der Ukraine etwas, dass eine Bedrohung sein kann. Wir haben Fälle gehabt, wo Journalisten ukrainischer Sender bei einem Aufsager eine Ohrfeige bekommen haben”, sagte der ORF-Korrespondent. Er wolle nicht, dass es zu Übergriffen komme und anschließend jemand darüber eine nette Meldung schreibe.

Von den Regierenden in Kiew fordere er deshalb die Löschung der Diffamierung als “Agent des Kreml” sowie ein Ende bürokratischer Schikanen und normale Arbeitsbedingungen, sagte Wehrschütz.

“Die unbegründete Ablehnung der Akkreditierung ist ein Grund zur Sorge und resultiert in der Verunmöglichung von Berichten aus dem Konfliktgebiet im Osten der Ukraine”, betonte Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) am Donnerstag. Die österreichische Botschaft in Kiew und das Außenministerium in Wien arbeiteten auf allen Ebenen, dass die benötigten Akkreditierungen durch die ukrainischen Behörden ausgestellt würden, erklärte sie. Auf APA-Nachfrage betonte eine Sprecherin des Außenministeriums, dass abgesehen von Wehrschütz auch ein Journalist einer österreichischen Tageszeitung ein diesbezügliches Problem habe. Parallel hat das Außenministerium Botschafter Scherba für den 8. Jänner 2019 ins Außenministerium geladen.

“Jegliche Eingriffe in die journalistische Berufsausübung sind nicht zu tolerieren”, erklärte auch ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am Donnerstag in einer Presseaussendung und betonte, dass sich Wehrschütz als hochprofessioneller Journalist weder abschrecken noch einschüchtern ließe. Wrabetz wird Botschafter Scherba am Freitag zu einem Gespräch treffen.

Ob die Probleme des ORF-Korrespondenten auf diplomatischer Ebene gelöst werden können, ist unklar. “Der Kern des Problems ist, dass die derzeitige Führung in der Ukraine kein Verständnis für eine objektive und kritische Berichterstattung hat”, sagte Wehrschütz am Donnerstag.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "ORF-Korrespondent Wehrschütz beklagt Schikanen in Ukraine"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Anduril61
Anduril61
Grünschnabel
25 Tage 23 h

Irgendwie verständlich dass die ukrainische Führung auf Ö Reporter nicht gut zu sprechen ist, wenn sich die Ö Aussenministerin als Putin freundlich outet und mit ihm auch noch ein Tänzchen aufs Parkett legt, das dürfte der Ukraine wohl sehr sauer aufgestosen sein. Auch der Vizekanzler H.C. Strache pflegt eine gute Connection mit Moskau. Persönlich denke ich Europa sollte wieder mehr auf Russland zugehen, es liegt vor der EU Haustür und wieder normalisierte Handelsbeziehungen mit Russland wären für die EU und Russland eine WinWin Situation….die Sanktionen haben dem Westen mehr geschadet als Putin…..

wpDiscuz