Der ORF-TV-News-Chefredakteur legt seine Funktion zurück

ORF-TV-News-Chefredakteur Schrom tritt zurück

Mittwoch, 09. November 2022 | 18:13 Uhr

ORF-TV-News-Chefredakteur Matthias Schrom tritt nach einer Chat-Affäre mit sofortiger Wirkung zurück. Ein entsprechendes Angebot hat ORF-Generaldirektor Roland Weißmann laut einer Aussendung am Mittwoch angenommen. Bis auf weiteres übernimmt Eva Karabeg die Redaktionsleitung. Sie ersetzt Schrom bereits seit Montag, als dieser ankündigte, einen längeren “Urlaub” anzutreten.

Gegenüber den “Salzburger Nachrichten” erklärte Schrom: “Die öffentliche Diskussion über die bekannten Chats hat für große Unruhe gesorgt und wirft ein falsches Bild auf mich und die großartige Arbeit der ORF-Redaktion.” Um diese unabhängige Arbeit weiter zu garantieren, habe er Weißmann gebeten, ihn von seiner Funktion zu entbinden. Schrom: “Dieser Schritt tut mir persönlich weh, aber ich muss ihn setzen, um die Unabhängigkeit der Berichterstattung weiter sicherzustellen.” Und: Es sei ihm eine Ehre gewesen, diese Redaktion über vier Jahre geleitet zu haben.

Schrom wurden publik gewordene Chats aus dem Jahr 2019 mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zum Verhängnis. Er tauschte sich damals als ORF 2-Chefredakteur mit dem Politiker zur inhaltlichen Ausrichtung der ORF-Berichterstattung und Personalwünschen der FPÖ aus. Mit seinem Rückzug kommt er wohl einem Misstrauensvotum der Redaktion zuvor. Denn für Donnerstag ist eine Redaktionsversammlung in dieser Causa geplant, wo auch eine Vertrauensabstimmung diskutiert werden sollte. “Viele Kolleginnen und Kollegen sind fuchsteufelswild, weil sie hier in eine Sache hineingezogen werden, mit der sie absolut nichts zu tun haben”, hielt der Vorsitzende des ORF-Redakteursrats Dieter Bornemann gegenüber der APA fest. Auch setzte Weißmann den ORF-Ethikrat auf die Causa an.

Die Entscheidung Schroms nehme man “mit Respekt zur Kenntnis”, so Bornemann im APA-Gespräch. Die geplante Redaktionsversammlung finde dennoch statt. Es gebe genug Gesprächsbedarf. Auf eine Vertrauensabstimmung über Schrom verzichte man aber, sagte Bornemann. Der Vorsitzende des ORF-Redakteursrats geht davon aus, dass der Job als ORF-TV-News-Chefredakteur ausgeschrieben wird und eine Abstimmung über Schroms Nachfolger stattfindet.

“Auch wenn die bisherige Amtsführung von Matthias Schrom untadelig und die ORF-TV-Information in den vergangenen vier Jahren bei Millionen Menschen in Österreich sehr erfolgreich war, sind es gerade das große Vertrauen in unsere Berichterstattung und die kompromisslose Glaubwürdigkeit unserer Journalistinnen und Journalisten, die einen Schritt wie diesen unausweichlich erscheinen lassen”, hielt ORF-Chef Weißmann zum Rücktritt Schroms fest. Er zolle ihm Respekt für seine Entscheidung, weil er damit beweise, dass ihm das Interesse der Redaktion wichtiger sei als seine Funktion.

In der Aussendung stellte der ORF fest, dass Schrom in seiner Funktion als TV-News-Chefredakteur “mit einer Sonderzahl an nationalen und internationalen Krisen und Ereignissen konfrontiert” gewesen sei. Im Rahmen von diversen Berichterstattungs-Schwerpunkten hätten sich auch Journalisten bewährt, die Schrom ergänzend zum “ZiB”-Team holte und förderte – etwa Tobias Pötzelsberger, Margit Laufer, Martin Thür und Simone Stribl.

Schroms Rücktritt bewirkten nun Chats mit Strache. Dem Ex-FPÖ-Chef missfiel 2019 ein “ZiB 24”-Bericht, der sich um eine von Strache veranstalteten Antisemitismuskonferenz und Aussagen des Schriftstellers Doron Rabinovici über die FPÖ gedreht haben dürfte. Schrom reagierte auf die Beschwerde von Strache mit Zustimmung: “Das ist natürlich unmöglich.” Zur inhaltlichen Ausrichtung der ORF-Sender schrieb er: “Es ist schon bei uns genug zu tun und jeden Tag mühsam, aber langsam wird’s, und die, die glauben, die SPÖ retten zu müssen, werden weniger.” Der ORF 1-Redaktion unterstellte er eine linke Gesinnung.

Schrom räumte bereits vor Tagen ein, dass der in einem Bericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) enthaltene Chat-Verlauf “zugegebenermaßen keine glückliche Außenwirkung” habe. Die Unterhaltung habe jedoch vor dem Hintergrund massiver Angriffe durch die FPÖ auf den ORF stattgefunden. “Die Aufrechterhaltung einer Gesprächsbasis zu einer Regierungspartei, die dem ORF nicht nur kritisch, sondern ablehnend gegenüberstand, war wichtig – vor allem, da Personalwünschen nie Rechnung getragen wurde”, so Schrom.

Von: apa

Kommentare

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2 Kommentare auf "ORF-TV-News-Chefredakteur Schrom tritt zurück"


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Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
25 Tage 3 h

Der hat sich jahrelang beim ORF als der Aufklärer und Saubermann gebärdet. Wahrscheinlich das falsche Waschmittel verwendet….

Neumi
Neumi
Kinig
24 Tage 14 h

Weiß nicht, wie schlimm der tatsächlich gehaust hat, aber die Chats, die sie vorgelesen haben, klingen schon sehr nach einem Staatsstreich 🙂
Man könnte das als lustig empfinden, wenn man sich nicht im Klaren darüber wären, dass die das Gerede über die “neue Ära” ernst meinen.

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