Mehrere Häftlinge, Soldaten und Kommandoeinheiten verletzt

Pakistans Militär beendet Geiselnahme in Gefängnis: 35 Tote

Dienstag, 20. Dezember 2022 | 15:07 Uhr

Das pakistanische Militär hat eine Geiselnahme in einem Gefängnis für inhaftierte Terroristen blutig beendet. Spezialkräfte töteten bei der Befreiungsaktion in der von Unruhen geprägten nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa 33 Geiselnehmer, wie Verteidigungsminister Khawaja Asif im Parlament erklärte. Beim Sturm der Anlage am Dienstag seien auch zwei Kommandosoldaten getötet sowie mehrere Häftlinge und Sicherheitskräfte verletzt worden.

Die eigentliche Befreiungsaktion dauerte gut eine Stunde, die Geiselnahme deutlich länger. Bereits am Sonntag hatten militante Extremisten die Haftanstalt gestürmt und mehrere Sicherheitskräfte in ihre Gewalt gebracht. Die Angreifer wollten Häftlinge befreien und eine unbehelligte Ausreise ins Nachbarland Afghanistan erzwingen, das seit August 2021 wieder von den islamistischen Taliban beherrscht wird. Unter den Geiselnehmern waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch Anhänger der pakistanischen Taliban (TTP).

Der Militäroperation am Dienstag waren – letztlich gescheiterte – Verhandlungen vorausgegangen. Es folgten lange Feuergefechte, auch Explosionen seien zu hören gewesen, sagte ein Polizeioffizier. In der Nacht auf Dienstag wehrten pakistanische Soldaten zudem den Versuch dutzender Angreifer ab, einen Militärposten zu stürmen.

Konflikte mit bewaffneten Extremisten haben in Pakistan jüngst wieder zugenommen, nachdem es in der Region mehrere Jahre lang eher ruhig geblieben war. Ende November erklärten die pakistanischen Taliban eine im Mai vereinbarte Waffenruhe mit der Regierung in Islamabad für beendet und riefen ihre Kämpfer zu Anschlägen auf. Die TTP ist eine Dachorganisation militanter islamistischer Gruppen, die mehrere Tausend Kämpfer umfassen soll. Das pakistanische Militär vertrieb sie zwischen 2008 und 2014 nach Afghanistan. Seit der Machtübernahme der afghanischen Taliban in Kabul hat sich die TTP in ihren ehemaligen Hochburgen an der afghanischen Grenze neu formiert.

Von: APA/dpa

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