Kein Ende der Gewalt im Westjordanland (Archivbild)

Palästinenser: 14-Jähriger von israelischen Soldaten getötet

Donnerstag, 27. Juli 2023 | 08:37 Uhr

Von: APA/dpa

Israelische Soldaten haben nach palästinensischen Angaben bei Konfrontationen einen 14-Jährigen im besetzten Westjordanland erschossen. Der Jugendliche sei durch einen Schuss in den Kopf tödlich verletzt worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium der Nacht auf Donnerstag mit. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.

Die Sicherheitslage in Israel und den palästinensischen Gebieten ist seit langem extrem angespannt. Regelmäßig kommt es im Westjordanland zu tödlichen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und dem israelischen Militär. Zudem gibt es vermehrt Berichte über Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser oder israelische Aktivisten.

Insgesamt kamen in diesem Jahr bereits 165 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder nach eigenen Anschlägen ums Leben. Bei einem Großteil handelt es sich um bewaffnete Kämpfer, unter den Toten bei Militäreinsätzen sind jedoch auch unbeteiligte Zivilisten. Im gleichen Zeitraum wurden 25 Menschen bei Anschlägen getötet.

Israel hatte 1967 das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen unabhängigen Staat Palästina mit dem arabisch geprägten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt.

Israels rechtsextremer Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, besuchte unterdessen erneut den Tempelberg in Jerusalem. Israelischen Medienberichten zufolge kam er am Donnerstag früh anlässlich des jüdischen Fasten- und Trauertags “Tisha Beav” zu der heiligen Stätte in der Altstadt. Es ist bereits der dritte Besuch des Polizeiministers, seitdem er im Amt ist. Seine vorherigen Besuche hatten international heftige Kritik ausgelöst. Von palästinensischer Seite werden sie als gezielte Provokation gesehen.

Der Tempelberg (Al-Haram al-Sharif) mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung, während Israel für die Sicherheit zuständig ist. Laut einer Vereinbarung mit den muslimischen Behörden dürfen Juden die Anlage besuchen, dort aber nicht beten. Dagegen gibt es jedoch immer wieder Verstöße.

Ben-Gvir hatte diese Vereinbarung in der Vergangenheit als “rassistisch” und Diskriminierung gegen Juden kritisiert. Die Palästinenser befürchten, Israel wolle seine Kontrolle der heiligen Stätte ausweiten. Ben-Gvir sagte laut Medienberichten am Donnerstag: “Dies ist der wichtigste Ort für das Volk Israel, an den wir zurückkehren müssen, um zu zeigen, dass wir regieren”. Zu “Tisha Beav” betrauern religiöse Juden die Zerstörung der beiden antiken Tempel in Jerusalem.