Noch geben sich Kanzlerin Merkel und Herausforderer Schulz freundlich

Peinliche Panne bei SPD vor TV-Duell Schulz gegen Merkel

Sonntag, 03. September 2017 | 15:12 Uhr

Schon Stunden vor dem TV-Duell ihres Kanzlerkandidaten Martin Schulz gegen Kanzlerin Angela Merkel hat die SPD im Internet den Sieg in dem Schlagabtausch für sich reklamiert und dafür Spott geerntet. “TV-Duell: Merkel verliert – klar gegen Martin Schulz – spd.de” war in einer Google-Anzeige zu lesen, die von 0.00 bis etwa 7.00 Uhr in der Früh freigeschaltet war.

Der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokraten entschuldigte sich am Sonntag per Twitter für die Panne: “Dienstleister ist heute Nacht bei Google peinlicher Fehler unterlaufen. Nicht unser Stil. Verwirrung bitten wir zu entschuldigen.”

Viele Twitter-Nutzer ließen diese Entschuldigung allerdings nicht gelten und fielen genüsslich über die SPD her. “Was will uns der Tweet sagen? Sie haben doch dem “Dienstleiter” Text mit der Ausrufung des Siegers des TV-Duells in Auftrag gegeben”, schrieb der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Das Ganze sei “an Dämlichkeit nicht zu toppen”.

Andere Reaktionen lauteten: “Die Schuld auf Andere zu schieben zeugt von #Nichtregierungsfähigkeit; #unwählbar”. Oder: “Peinlich ist es eher, schon vor dem Duell eine solche Anzeige zu verfassen. Und das geht doch wohl auf Ihre Kappe?”

Bei dem Fernsehduell werden die CDU-Vorsitzende Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Schulz 90 Minuten lang ihre Positionen zu den Themen Migration, Außenpolitik, soziale Gerechtigkeit und Innere Sicherheit austauschen. Merkel und Schulz werden von vier Journalisten der Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 befragt. Diese übertragen das TV-Duell auch live. Im Vorfeld hatten die SPD und Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dem Kanzleramt vorgeworfen, die Bedingungen und Regeln für die Sendung diktiert zu haben. Die Sender hatten sich zudem ein zweites Duell gewünscht, was Merkel aber ablehnte.

Die SPD hat hohe Erwartungen an den Schlagabtausch und gab sich kurz davor demonstrativ zuversichtlich. “Wir werden am Sonntag eine Veränderung in den Umfragen bekommen”, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Freitag im ZDF-“Morgenmagazin” voraus. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag der “Bild am Sonntag” gingen allerdings 52 Prozent der Befragten davon aus, dass das TV-Duell nur einen geringen Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl haben wird. Lediglich 10 Prozent sahen einen “sehr starken” Einfluss, weitere 20 Prozent eine “eher starken” Einfluss.

Nach Darstellung von Reinhard Schlinkert, dem Generalbevollmächtigten des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, gehen fast alle CDU-Anhänger (88 Prozent) davon aus, dass Merkel das Duell gewinnen wird. Bei den SPD-Anhängern seien es erheblich weniger, die auf einen Erfolg von Schulz setzen. Viele sähen in dem Duell aber auch die letzte Chance für Schulz, die SPD-Wähler auf seine Seite zu bringen. Das bedeute, Merkel gehe mit einer ziemlich hohen Erwartungshaltung ihrer Anhänger in das Duell. Sie müsse zeigen, dass sie dem gerecht werde. “Der Herausforderer hat die Chance zu überraschen”, sagte Schlinkert.

Aus den anderen Parteien kommen zahlreiche Forderungen an die Adresse von Merkel und Schulz. So rief Linken-Chef Bernd Riexinger den SPD-Kandidaten auf, einer Fortsetzung der Regierung mit der Union eine klare Absage zu erteilen. “Wenn Martin Schulz noch eine Chance haben will, den Wind im Wahlkampf zu drehen, muss er im Kanzler-Duell Farbe bekennen und eine Beteiligung der SPD an einer großen Koalition definitiv ausschließen”, sagte Riexinger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt verlangte von der Kanzlerin ein klares Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen. “Die macht einen auf grün, aber verabschiedet sich still und leise vom Klimaschutz, nimmt sogar einen Bruch mit dem Pariser Klimavertrag in Kauf”, sagte Göring-Eckardt mit Blick auf Merkel. “Hier bahnt sich ein Skandal mit Ansage an.”

Von: APA/dpa/ag.