Pilz zieht Konsequenzen

Pilz nimmt wegen Belästigungsvorwürfen Mandat nicht an

Samstag, 04. November 2017 | 16:46 Uhr

Lange konnte Peter Pilz seinen Wahl-Triumph über die Grünen nicht auskosten: Noch bevor der neue Nationalrat kommende Woche erstmals zusammentritt, musste Pilz am Wochenende den Hut nehmen. Zu Fall brachten den prominenten langjährigen Parlamentarier Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Diese liegen zwar allesamt schon etwas zurück, wurden aber erst jetzt öffentlich bekannt.

Freitagabend berichteten “Presse” und “Profil” über Vorwürfe einer ehemaligen Assistentin von Pilz, die sich Ende 2015/Anfang 2016 mit protokollierten verbalen und körperlichen Belästigungen an die Gleichbehandlungsanwaltschaft gewandt hatte. Samstagfrüh legte der “Falter” nach und machte Anschuldigungen einer Mitarbeiterin der Europäischen Volkspartei publik, wonach Pilz sie 2013 beim Forum Alpbach in betrunkenem Zustand vor Zeugen begrapscht haben soll.

Letzteren Vorwurf nahm Pilz Samstagvormittag in einer Pressekonferenz zum Anlass für seinen Rückzug. Er könne sich zwar an den Vorfall nicht erinnern, aber “persönliche Erinnerungslosigkeit ist keine Entschuldigung”. Er werde sein Nationalratsmandat nicht annehmen: “Ich werde am Donnerstag bei der Angelobung nicht dabei sein.” Sein Rücktritt habe auch mit einer “Wahrung der Verantwortung” zu tun.

Gänzlich anders reagierte Pilz dagegen auf die Vorwürfe seiner ehemaligen Mitarbeiterin im Grünen Klub: Er bestritt sämtliche Vorwürfe und stellte sich stattdessen bei der Pressekonferenz als Opfer dar. Es habe sich um einen “Arbeitskonflikt” gehandelt, weil er die sehr ehrgeizige Assistentin nicht befördern habe wollen. Er habe sich aber nicht gegen die Anschuldigungen wehren können, weil man ihm seitens der Grünen die verschriftlichten Vorwürfe verwehrt habe, beklagte Pilz. “Ich weiß nur, dass hier jemand Vorwürfe produziert, die frei erfunden sind”, sagte Pilz und kündigte an, sich dagegen zur Wehr zu setzen.

Als Quelle für die nunmehrige Veröffentlichung in den Medien vermutet Pilz seine ehemalige Partei, mit der er sich nach jahrelangen Querelen letztlich im Zuge der Listenerstellung für die Nationalratswahl zerkracht hatte. Während die Grünen aus dem Parlament flogen, schaffte Pilz mit seiner flugs gegründeten eigenen Liste Mitte Oktober den Einzug ins Hohe Haus. “Fallen mit den Mandaten und mit den Jobs auch die Hemmungen weg? Heißt’s jetzt Rache für das, was nicht ich, sondern Wählerinnen und Wähler entschieden haben?”, stellte er nun in den Raum.

Seitens der Grünen meldete sich die frühere Parteichefin und Klubobfrau Eva Glawischnig in einer Aussendung zu Wort und wies “den Vorwurf der politischen Intrige aufs Schärfste zurück”. Das Verhältnis zwischen Glawischnig und Pilz galt nie als eng und vor allem gegen Ende als zerrüttet. Glawischnig war im Mai aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. “Ich hätte mir persönlich gewünscht, dass ich in meinem Berufsleben niemals mit solchen Vorwürfen zu tun haben muss”, betonte sie nun.

Pilz sei mit den Vorwürfen detailliert konfrontiert worden, erklärte Glawischnig – allerdings nicht schriftlich, weil die Betroffene dem nicht zugestimmt habe. Die Mitarbeiterin habe sich zumindest bereit erklärt, dass das Schreiben Pilz “in fast allen Passagen” vorgelesen werden könne. “Es wurde ihm langsam vorgelesen, er konnte mitschreiben”, meinte Glawischnig. “Er war also sehr wohl in Kenntnis der Vorwürfe.”

Für eine politische Klärung samt Konsequenzen in der Klubsitzung wäre die Entbindung von der Verschwiegenheitspflicht Voraussetzung gewesen, die aber nicht erteilt worden sei, so Glawischnig. Von der Anwältin der Betroffenen sei das mit der Befürchtung einer öffentlichen Bloßstellung und langfristigen Stigmatisierung argumentiert worden.

Wie es nun mit seiner Liste Pilz weitergeht, ist offen – der Gründer will sein Projekt von außen weiterbetreuen. Ob auch als Parteivorsitzender, blieb zunächst offen. Seine künftigen Abgeordneten stellten sich hinter ihn und wünschten sich eine “möglichst intensive Kooperation” mit Pilz. Unklar ist, wie die Partei künftig heißen wird und wer den Klubvorsitz übernimmt. Eine Krisensitzung der Pilz-Getreuen war Samstagnachmittag noch im Gange.

Statt Pilz wird Martha Bißmann als Abgeordnete nachrücken. Die Liste Pilz hat dann übrigens mit 50 Prozent die höchste Frauenquote – insgesamt steigt der Frauenanteil im Nationalrat auf genau ein Drittel.

Von: apa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Pilz nimmt wegen Belästigungsvorwürfen Mandat nicht an"


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Eppendorf
Eppendorf
Superredner
19 Tage 9 h

Aha, Grüne decken also sexuelle Belästigungen.

thomas
thomas
Superredner
19 Tage 9 h

was für ein Trauerspiel. Grüne kaputt. Pilz vergiftet

geronimo
geronimo
Superredner
19 Tage 9 h

Die Grabscher lauern überall!

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

…hosch heitzutog koan sexskandal, nor bisch nix… 🤣

Staenkerer
19 Tage 6 h

tjo, sollte sich de gschicht als rachefeldzug einer pitgeilen dame entpuppen, soll de frau, so wie olle frauen de secueller belästigungen aus rachemotive erfinden, sehr hoh gstroft wern! biher passier den intiganten tussis zu wenig bis nix, der ruf des jeweiligen mannes isch ober für immer mit an nachgeschmak behaftet!

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
19 Tage 6 h

sie mal einer an, die grünen Gleichrechtler und Saubermacher, sonst immer mit dem erhobenen Taliban-Zeigefinger, haben selbst Dreck am Stecken. Cohn-Bendit lässt grüssen.

Baduila
Baduila
Tratscher
18 Tage 11 h

Welchen Stecken meinst Du ;-)?

harmlos
harmlos
Tratscher
19 Tage 8 h

Der Gscheidere gib noch.

Bluemchen
Bluemchen
Tratscher
19 Tage 3 Min

@harmlos
Wohl eher der Schmutzigere.

Staenkerer
18 Tage 22 h

… und desholb hobn de dummen es sogn …

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
19 Tage 59 Min

Mal sehen, wie lange es dauern, bis aus dem heiligen Land Südtirol auch ähnliche Vorwürfe herausbrechen.

Staenkerer
18 Tage 15 h
do des jetz mode zu sein scheint und, wie man sicht, oft schun a folsch formulierter sotz reicht zu a anklage, werds nimmer long dauern! nochdem man mit a onzeige an unangenehmen nebenpuhler und aussichtsreicheren männlichen gegenkandidat vom politschachbrett stoßen konn werd des sicher als tussistrategie nit ausbleibn! wenn man bedenkt, frau reicht a anspielung in de medien mann schlecht zu mochn, mann braucht longe, longe zeit des klorzustellen, und sein leben long bleib der fleck auf seiner weste! bequemer um für sie kariere zu mochn und seine karriere und seinen ruf unwiederbringlich zu zerstören geats jo nit, in der… Weiterlesen »
PuggaNagga
PuggaNagga
Superredner
18 Tage 23 h

Soso. Und i hon gimoant di grianen sein heilige. Zumindest gebn sie sich al selche aus.
Ober dorweil sein dejenign gonz linge burschn.

Baduila
Baduila
Tratscher
18 Tage 11 h

Abgesehen davon das sich Leute wie Petzi Pilz durch solche Aktionen selbst unglaubwürdig machen frage ich mich warum die Dame ihn nicht postwendend eine geschmiert hat. Das wäre sinnvoller gewesen als nach Jahren feig im Zuge einer Art Massenouting Anschuldigungen zu erheben.

typisch
typisch
Superredner
18 Tage 5 h

hier zeigen die grünen ihr wares gesicht

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