LR Buchmann will gegen Bescheid nicht berufen

Plagiatsvorwurf: Uni erkennt Landesrat Doktortitel ab

Mittwoch, 05. April 2017 | 14:42 Uhr

Die Universität Graz hat dem steirischen Wirtschafts- und Kulturlandesrat Christian Buchmann (ÖVP) seinen Doktortitel aberkannt. Buchmann erklärte am Mittwoch, er werde gegen den Bescheid nicht berufen. Er sehe ein, dass er vor 17 Jahren “nicht genau genug gearbeitet” habe, sein Amt wolle er auch ohne Doktortitel weiterführen, sagte er am Mittwoch im kurzfristig angesetztem Hintergrundgespräch.

In wissenschaftlichen Arbeiten Texte anderer Autoren zu übernehmen, ohne diese vollständig und umfänglich als deren Werke zu kennzeichnen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern widerspricht den akademischen Standards – und kann auch noch nach Jahren belangt werden. Dem steirischen Landesrat für Wirtschaft, Tourismus, Europa und Kultur hat dieses Vorgehen bei seiner Dissertation aus dem Jahr 2000 nun den Doktortitel gekostet.

Mittwochfrüh wurde dem Landesrat der Bescheid der Universität Graz zugestellt, der – laut Buchmann – festhalte, er habe es “in Teilen der Arbeit unterlassen, die vollständige und umfängliche Zitierung von Werken anderer Autoren entsprechend zu kennzeichnen”. Das tue ihm “persönlich sehr, sehr leid. Dafür möchte ich mich auch entschuldigen”, betonte der Landesrat. Gleichzeitig gab er bekannt, dass er nicht vorhabe, gegen den Bescheid der Universität zu berufen. Dazu wird ihm von Gesetz her grundsätzlich eine Vier-Wochen-Frist eingeräumt. Buchmann bleibt nach der Aberkennung der Mastertitel.

Laut der Universität Graz umfasse der Bescheid mehr als 20 Seiten, aufgrund des Persönlichkeitsrechts dürfe aber nur der Betroffene selbst daraus zitieren. Das ausführliche Prüfungsverfahren sei jedenfalls zum Schluss gekommen, “dass gravierende Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis” vorliegen. Die Entscheidung der Aberkennung sei auf Grundlage dreier Gutachten sowie zweier Stellungnahmen des Betroffenen getroffen worden.

Buchmann gestand Fehler ein: “Ich habe es offenkundig handwerklich nicht gut gemacht. Natürlich würde ich 17 Jahre später vieles anders machen”. Eines habe er nicht gemacht: “Ich habe nicht getrickst”, so der Landesrat, der bat “einen Fehler, der mir offenkundig passiert ist, nachzusehen”. Der damalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und die deutsche Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CSU bzw. CDU) waren 2011 bzw. 2013 kurz nach Bekanntwerden von Plagiaten bzw. wegen eines entsprechenden Bescheids zurückgetreten.

Rückendeckung bekam Buchmann vom steirischen LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP). Die Aberkennung sei zur Kenntnis zu nehmen. Buchmanns Wissen und Einsatz für die steirische Wirtschaft seien aber unbestritten, daher solle er “eine tragende Säule unserer Arbeit für die Steiermark bleiben”, teilte der LH mit.

Für den steirischen FPÖ-Wirtschaftssprecher Gerald Deutschmann ist der Vertrauensverlust allerdings “schwerwiegend und nicht hinnehmbar. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) äußerte die Vermutung, dass es in der ganzen Plagiats-Affäre “nicht um lautere Interessen” gehe. Es seien “anonyme politische Heckenschützen” am Werk, die ganz offensichtlich zu feig sind, öffentlich zu den Motiven ihrer sündteuren Gutachten-Aufträge zu stehen. Auch der steirische WKO-Präsident Josef Herk fragte sich laut Aussendung öffentlich, “wer die Auftraggeber für das ursprüngliche Gutachten Stefan Webers waren und warum dafür jemand viele tausende Euro ausgegeben hat”. Für ihn stelle sich die Frage nach einem Rücktritt Buchmanns “auf jeden Fall nicht”. Für den Verbleib in seinen Funktionen sprach sich auch VP-Landesrat Christopher Drexler aus. Vom Koalitionspartner auf Landesebene, der SPÖ gingen vorerst keine Stellungnahmen ein.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz