Die Polizei patrouilliert durch die Straßen von Straßburg

Polizei ruft Bevölkerung nach Anschlag zur Mithilfe auf

Mittwoch, 12. Dezember 2018 | 21:30 Uhr

Nach dem Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt fahndet die französische Polizei nun öffentlich nach dem Verdächtigen Cherif Chekatt. Die Polizei gab am Mittwochabend einen offiziellen Fahndungsaufruf mit einem Foto heraus, in dem sie die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem weiterhin flüchtigen 29-Jährigen bat. Es gilt die höchste Terrorwarnstufe.

Das Foto zeigt einen jungen Mann mit schwarzen Augen, dichten Augenbrauen, schwarzen Haaren und einem kurzen Bart. Der Gesuchte sei “gefährlich”, warnte die französische Polizei im Kurzbotschaftendienst Twitter. “Greifen Sie auf keinen Fall selber ein.” Chekatt ist demnach 1,80 Meter groß und hat eine “normale Statur”. Wer Informationen über seinen Aufenthaltsort hat, soll sofort die Polizei verständigen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft eröffnete Chekatt am Dienstagabend gegen 19.50 Uhr mit einer automatischen Pistole das Feuer nahe dem Straßburger Münster, wo auch in diesem Jahr der Weihnachtsmarkt stattfindet. Er sei dann durch die Fußgängerzone gelaufen und habe Menschen beschossen und mit einem Messer angegriffen. Nach Angaben von Zeugen rief er “Allahu Akbar” (Gott ist groß), wie die Staatsanwaltschaft erklärte.

Soldaten eröffneten später das Feuer auf den Täter, wie Innenminister Christophe Castaner sagte. Sie verletzten ihn am Arm, konnten ihn aber nicht stoppen. Der Angreifer floh schließlich mit einem Taxi aus der Altstadt in Richtung des Wohnviertels Neudorf, wo sich seine Spur verlor.

Nach Behördenangaben wurden bei dem Angriff zwei Menschen getötet, unter ihnen ein thailändischer Tourist, ein drittes Opfer wurde später für hirntot erklärt. Zwölf Menschen wurden verletzt. Sechs von ihnen schwebten am Mittwoch weiter in Lebensgefahr. Österreicher oder Deutsche sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht unter den Opfern.

In Frankreich beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums mehr als 700 Sicherheitskräfte an der Fahndung nach dem gebürtigen Straßburger. Chekatts Mutter, sein Vater und zwei Brüder wurden nach Angaben aus Ermittlerkreisen am Mittwoch festgenommen und verhört. Es gab zudem mehrere Hausdurchsuchungen.

Chekatt wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom französischen Inlandsgeheimdienst DGSI überwacht und wegen seiner Radikalisierung als Gefährder geführt. Bisher habe es aber keine Erkenntnisse über eine bevorstehende islamistische Tat gegeben, hieß es aus dem Innenministerium.

Eigentlich sollte der Mann in der Früh vor der Tat festgenommen werden. Der Einsatz sei im Zusammenhang mit “einer versuchten Tötung” bei einem Raubüberfall gestanden, sagte Innenstaatsekretär Laurent Nunez. Dabei fanden die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft Waffen in der Wohnung des Verdächtigen: eine Granate, Munition und vier Messer.

Nach Angaben des Innenministeriums von Baden-Württemberg war der Verdächtige auch in Deutschland aktenkundig: 2016 war er wegen zweifachen Einbruchdiebstahls zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ein Jahr später wurde er nach Frankreich abgeschoben. Als Gefährder wurde er aber in Deutschland nicht geführt.

Die Behörden schließen nicht aus, dass er nach Deutschland gelangt sein könnte. Die deutsche Bundespolizei fahndete deshalb “mit verstärkten Kräften” im deutsch-französischen Grenzgebiet.

Die französische Regierung rief nach dem Anschlag die höchste Terrorwarnstufe aus. Wie Premierminister Edouard Philippe am Abend mitteilte, werden die 7.000 Soldaten des permanenten Anti-Terror-Einsatzes “Sentinelle” in den kommenden Tagen zudem um 1.800 Soldaten verstärkt. Auf allen Weihnachtsmärkten und an Grenzen wurden die Sicherheitskontrollen verschärft.

Konservative und Rechtspopulisten forderten Präsident Emmanuel Macron erneut zu einem schärferen Vorgehen gegen Gefährder auf. Frankreich war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel islamistischer Anschläge geworden. Seit Anfang 2015 wurden dabei mehr als 240 Menschen getötet.

Mit Blick auf den Anschlag in Straßburg und die “Gelbwesten”-Krise rief Macron zu politischer Zurückhaltung auf. Die aktuellen Geschehnisse verlangten von jedem verantwortungsvollen politischen Führer Ruhe und Mäßigung, sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung unter Vorsitz Macrons. Unklar war am Mittwoch, wie sich der Straßburger Anschlag auf mögliche “Gelbwesten”-Demonstrationen am Samstag auswirkt. Der Straßburger Weihnachtsmarkt wird auch am Donnerstag geschlossen bleiben, Kindergärten und Schulen sollen aber wieder öffnen.

In der Nacht auf Donnerstag wird die Beleuchtung des Eiffelturms für eine Trauerminute abgeschaltet. Das Wahrzeichen von Paris bleibe um Mitternacht “zu Ehren der Opfer” dunkel, teilte Bürgermeisterin Anne Hidalgo am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Sie drückte zudem ihre “Unterstützung für die Angehörigen und alle Straßburger” aus. Der Eiffelturm bleibt nach Attentaten weltweit regelmäßig dunkel.

Bereits am Mittwoch wurde in Frankreich vielerorts der Opfer gedacht. Am Straßburger Münster läutete zu Mittag zehn Minuten lang die Totenglocke, im Plenarsaal des Europaparlaments und in der Pariser Nationalversammlung hielten die Abgeordneten Schweigeminuten ab.

Auch Papst Franziskus verurteilte den Anschlag. Mit “Traurigkeit und Sorge” habe der Heilige Vater von dem am Dienstagabend verübten Attentat erfahren, hieß es in einem Kondolenzschreiben des vatikanischen Staatssekretärs Pietro Parolian an den Straßburger Erzbischof, Luc Ravel. Der Heilige Vater bete für die Familien der Todesopfer und alle beim Attentat betroffenen Personen.

Von: APA/ag.

Kommentare

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19 Kommentare auf "Polizei ruft Bevölkerung nach Anschlag zur Mithilfe auf"


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Septimus
Septimus
Superredner
1 Monat 4 Tage

Was mich persönlich an der Sache irritiert,ist dass man den Terroristen schon kennt, bevor dieser verhaftet wurde.🤔🤔.. Höchste Terroralarmstufe..will man es den Gelbwesten schwer machen..auch in Zukunft auf die Straße zu gehen,um zu protestieren..??..nur so eine Überlegung meinerseits..oder war das etwa ein Geistesblitz..? 💡💡

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 4 Tage

@septimus wohl eher ein Blitz ohne Geist. Um von den Protesten abzulenken, organisiert man mal so einen Terroranschlag? Was den Täter angeht, hat man diesen für seine vorhergehenden Taten verurteilt und bestraft. Die Schwere dieser Straftaten scheint eine lebenslängliche Verwahrung nicht gerechtfertigt zu haben. Präventiv Menschen einzusperren, für etwas das sie nicht getan haben, sieht ein demokratischer Rechtsstaat nicht vor.

typisch
typisch
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@ivo815
27 straftaten verschiedener art soll er begonnen haben und immer noch frei herum schön dass du so etwas verteitigst, solche menschen haben nichts mehr zu verlieren

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@ivo815

wenn du selbst auf dem Weihnachtsmarkt gewesen wärst, hättest du das im GAU vielleicht selber nicht mehr sagen können. Was denkst du so darüber?

typisch
typisch
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@Savonarola
Vieleicht hätte er ihm die hand gegeben, wer weiß

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 3 Tage

Genau Ivo ein anschlag im richtigen Moment von einem ausgebildeten Täter. Der Tod ist ihm auch schon sicher.

razorback
razorback
Tratscher
1 Monat 3 Tage

@ivo815 es brennt 👊

Dublin
Dublin
Kinig
1 Monat 4 Tage

…man hört, der Täter ist in Deutschland 20-fach vorbestraft!…kann trotzdem unbehelligt quer durch Europa reisen…was soll man da noch sagen…
😢

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Der Attentäter von Berlin ist nach dem Angriff auf den Weihnachtsmarkt ist auch ungestört durch Europa gereist. Seine Flucht wurde dann auch nur durch eine zufällige Polizeikontrolle beendet.

Septimus
Septimus
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Dublin ja genau,und unsere “Politischen Eliten” verurteilen diese Tat verbal in den Medien..und bla,bla,bla.. anstatt diesen Ganoven früh genug abzuschieben von wo er her kam,schieben sie sich diese faulen Eier gegenseitig zu,oder hin und her,von Land zu Land…die Bürger sind dabei die Leidtragenden..

Staenkerer
1 Monat 3 Tage

olles zum kotzn!

sein kriminelles vorlebn ohne ernsthofte strofn, zum kotzn!
es wissn das er a gefährder isch, ohne das es folgn hot, zum kotzn!
bewachung? a welche? zum kotzn!
das er auf der flucht isch und überoll sein konn, zum kotzn!
der gedonke drunn wieviel solche branntgfährliche frei ummerrennen, zum fürchtn!
der gedonke an de unschuldigen de es gsetz aufnbgewissn hot, zum weinen!

typisch
typisch
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Als gutmensch findet man schwierig wörter sowas noch schönzureden

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

txpisch@
“linksradikaler” ist passender als gutmensch….

aristoteles
aristoteles
Superredner
1 Monat 4 Tage

das sicherheits dekret bräuchte es auch in frankreich wie es ausschaut

der Rote Wichtel
1 Monat 4 Tage

@Septimus
Du Verschwörer, schäm dich!!!
Nein, du hast vollkommen Recht. Auch Macron scheint den von Hollande praktizierzen “Notanker Terrorismus” für sich entdeckt zu haben. Sobald er politisch unter Druck steht, wird geknallt. Und Die Proteste der Gelbwesten lassen ihn momentan wirklich mit dem Rücken zur Wand stehen.
Jeder einzelne der bisherigen Attentäter war der Polizei bzw. den Geheimdiensten bekannt, das ist doch kein Zufall!! Staatsterrorismus als Regierungsform, klingt unglaublich, ist aber leider Realität

Staenkerer
1 Monat 4 Tage

man wos des er a schläfer isch, man woas das er kriminell isch, ober man schaug, wie üblich, weg!
wer erklärt des epper den verletzten und hinterbliebenen und wie erklärt man ihnen des?

sarnarle
sarnarle
Tratscher
1 Monat 3 Tage

So ein Migrant mit französischen Pass, dessen Strafregister einen Ordner in Anspruch nimmt, und frei herumlauft????? Warum laufen solche Typen eigentlich fei rum?? Es braucht dringenst härtere Strafen und eine schnelle Gerichtsbarkeit in Europa. Man sollte auch über Zwangsarbeitslager nachdenken.

OlmEiniMitnHeini
OlmEiniMitnHeini
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

„Österreicher oder Deutsche sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht unter den Opfern.“
Ober oaner von trient!!! Wer schreib de Artikel!?

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
1 Monat 3 Tage

In Österreich hat man die Lösung des problems……https://www.krone.at/1825179

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