Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei in Lützerath

Polizei und Demonstranten krachen bei Lützerath zusammen

Samstag, 14. Januar 2023 | 22:18 Uhr

Bei Zusammenstößen zwischen Klima-Demonstranten und der Polizei vor dem Dorf Lützerath im deutschen Braunkohlerevier sind am Samstag nach Polizeiangaben Menschen verletzt worden. Es habe Verletzte auf beiden Seiten gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Die genaue Anzahl der verletzten Personen und die näheren Umstände, die zu den Verletzungen führten, wurden zunächst nicht bekannt.

Die Beamten setzten Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. Ein Polizeisprecher sagte, man müsse “unmittelbaren Zwang” anwenden, um die Demonstranten daran zu hindern, nach Lützerath vorzudringen. Das kleine Lützerath westlich von Köln ist seit Tagen von der Polizei abgeriegelt und mit einem doppelten Zaun umgeben.

Die wenigen Gebäude der Siedlung im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen werden derzeit abgerissen, um es dem Energiekonzern RWE zu ermöglichen, die darunter liegende Kohle abzubaggern. Dagegen protestierten am Samstag trotz Dauerregens und starker Windböen viele Tausend Menschen im benachbarten Ortsteil Keyenberg. Die Polizei sprach von 15.000 Teilnehmern, die Veranstalter schätzten die Zahl auf 35.000.

Ein Teil der Demonstranten versuchte, nach Lützerath zu gelangen oder in das Tagebaugebiet durchzukommen. Die Polizei drängte sie gewaltsam zurück. Bis zur Tagebaukante zu laufen, sei lebensgefährlich, weil der Boden durch den Regen aufgeweicht sei und Erdrutsche drohten, warnte die Polizei. “Ich bin absolut entsetzt, wie normale Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sich dazu hinreißen lassen, hier den absoluten Gefahrenbereich zu betreten”, sagte der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach.

Nach Polizei-Angaben attackierten einzelne Demonstranten auch Streifenwagen der Polizei und warfen Pyrotechnik in Richtung der Beamten. Über Festnahmen und Verletzte könne man noch nichts sagen, hieß es.

Ein Sprecher auf der Kundgebungsbühne hatte die Demo-Teilnehmer zuvor explizit aufgerufen, sich über Anweisungen der Polizei hinwegzusetzen. Er finde es legitim, wenn die Teilnehmer versuchten, in das abgesperrte Lützerath vorzudringen, sagte er: “Lasst euch von der Polizei nicht aufhalten. Wir sind mächtig. Wir sind auf der Seite der Gerechtigkeit. Wir lassen uns von diesem repressiven System nicht aufhalten. Wir stoppen diesen Tagebau. Macht alles, was ihr für richtig haltet.”

Hauptrednerin bei der Kundgebung war die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. “Lützerath ist noch da, und solange die Kohle noch in der Erde ist, ist dieser Kampf nicht zu Ende”, sagte die 20-Jährige unter dem Jubel der Zuhörer. Es sei ihr unbegreiflich, dass im Jahr 2023 noch immer Kohle abgebaggert und verfeuert werde, obwohl zur Genüge bekannt sei, dass der dadurch ausgelöste Klimawandel in vielen Teilen der Welt Menschenleben koste. “Deutschland als einer der weltweit größten Verschmutzer hat eine enorme Verantwortung”, mahnte Thunberg.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur kritisierte die weltbekannte Aktivistin die Grünen wegen ihrer Unterstützung für den Abriss von Lützerath. Konzerne wie RWE müsse man eigentlich dafür zur Rechenschaft ziehen, wie sie mit Menschen umgingen. “Dass die Grünen mit solchen Unternehmen Kompromisse schließen, zeigt, wo ihre Prioritäten liegen”, sagte Thunberg.

In Lützerath selbst ging die Räumung unterdessen weiter. Einsatzkräfte kletterten auf Bäume, auf denen Aktivisten ausharrten. Nach Angaben des Energiekonzerns RWE liefen zudem Vorbereitungen, um zwei Aktivisten aus einem Tunnel zu holen. “Die Kräfte gehen sehr behutsam vor, hier kann kein schweres Gerät eingesetzt werden, weil das die Menschen in den unterirdischen Bodenstrukturen gefährden würde”, sagte Polizeipräsident Weinspach. Der Abriss der bereits geräumten Gebäude wurde am Samstag ebenfalls fortgesetzt. Darunter war auch das frühere Wohnhaus von Bauer Eckardt Heukamp. Er war der letzte Landwirt in Lützerath gewesen.

Thunberg hatte bereits am Freitag Lützerath besucht und dabei “Polizeigewalt” angeprangert. Polizeipräsident Weinspach hatte diesen Vorwurf vehement zurückgewiesen. Auf die Frage, ob sie ihre Kritik an der Polizei aufrechterhalte, sagte Thunberg der dpa: “Polizeigewalt bedeutet in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Dinge. Aber es gab mehrere Fälle, in denen die Polizei das Leben von Aktivisten gefährdet hat.”

Auch die Grüne Jugend Deutschlands kritisierte das Vorgehen der Polizei. “Die Berichte, die wir aus dem Dorf bekommen, sind nicht zu rechtfertigen”, teilte die Landessprecherin der Grünen Jugend NRW, Nicola Dichant, mit. “Bilder von Polizeieinsätzen, die Aktivist*innen massiv gefährden, Sanitäter*innen, die von der Polizei aus dem Dorf geschmissen werden, und Presse, die nicht beobachten darf. Das ist das Gegenteil von einem deeskalativen Einsatz.”

Von: APA/Reuters

Kommentare

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16 Kommentare auf "Polizei und Demonstranten krachen bei Lützerath zusammen"


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Staenkerer
25 Tage 18 h

i honn gsechn in de nochrichtn …. seit es gretchen sich einfliegn glossn hot um mitzugschaftlen, krochts …..

Stryker
Stryker
Superredner
25 Tage 17 h

8 Johr friar hern sie auf mit kohleabbau wenn sie des
bissl no kriagn,ober de Verschwöhrungsteoretiker
von der letzten Generation (verwöhnte Reiche junge
Leit wos zu viel Klebstoff schnüffeln)
Sein jo nia zufrieden und miasn Polizisten ungreifen
und sich strafbor mochn.
Des Dorf isch schun long nui gebaut, und die
Bewohner sein zufrieden mit die nun Klimahäuser.
Olle wegn Hausfriedensbruch einlochn und
wegsperrn so wias die Bayern tian!

Hustinettenbaer
25 Tage 17 h

Der Streit um Garzweiler/Hambach… begann schon 4 Jahrzehnten.
Als Energiealternative bildete sich 1986 der Solarförderverein.
Wir hatten keine Chance gegen die roten und schwarzen Regierungsbarone.
Ich könnte 🤢.

Hustinettenbaer
25 Tage 16 h

“begann schon vor 4 Jahrzehnten”
Sorry wegen des Rechtschreibfehlers.
40 Jahre verschwendete Energiewendezeit. Da schwillt mir noch heute der Kamm 🤬.

brunner
brunner
Universalgelehrter
25 Tage 18 h

Diese junge Frau ist nur noch streng zu ertragen…schade….

N. G.
N. G.
Kinig
25 Tage 17 h

Tja, ich wünsche dir für das neue Jahr Einsicht, Einkehr und Erkenntnis!
Denk darüber nach, es ist wirklich ernst gemeint!

N. G.
N. G.
Kinig
25 Tage 18 h

Wer weiss wie und in welchem Bezug Thunberg in zukünftigen Geschichtsbüchern auftauchen wird aber sie WIRD und das sicherlich positiv.
Und all ihre Kritiker wird man vergessen haben!

Hustinettenbaer
25 Tage 18 h

ExxonMobil… RWE. Die Suchtstoffproduzenten wussten (wie die Tabakindustrie), was sie taten.
“Das US-Unternehmen habe die globale Erderwärmung als Folge des Ausstoßes von Treibhausgasen seit Ende der 1970er Jahre genau vorhergesagt, schreiben die Forscher in einem Artikel im Fachjournal „Science“. Zugleich habe das Unternehmen diesen Zusammenhang jahrzehntelang systematisch heruntergespielt.”

Interne Daten: Ölkonzern Exxon wusste früh vom Klimawandel (faz.net)
Die USA gegen die Tabakindustrie – Capital.de

N. G.
N. G.
Kinig
25 Tage 17 h

Alle, egal im welchem Bereich, sie wussten was sie taten. Wer nimmt denn an, dass das dumme Leute sind?! In Aufsichtsräten sitzen schlaue Köpfe.
Was haben sie erreicht? Das Ergebniss kann man heute und HIER in SN repräsentativ für die Manipulation die stattgefunden hat lesen!

schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Superredner
25 Tage 16 h

Dann geh zu fuss jeder wollte den wohlstand und ein automobil und jetzt nicht rumm eier auch die lieben jugendlichen dann fangt an zu fuss zu gehen in den schulen die heizung abzu drehen usw aber wie gesagtvder wohlstand ist ein sauhund darauf will man nicht verziechen. Und händy ausschalten nicht vergessen machtvauch co2 in unmengen

Hustinettenbaer
25 Tage 2 h

@schwarzes Schaf
Hätten wir es mit Erdöl, Gas, Kohle genauso krachen lassen, wenn auf den Verbrauch eine saftige “Schadsteuer” gepackt worden wäre ?
Und die Umweltabgabe in Solar-, Windenergie…
Das hätte unserem Gesamt-Wohlstand nicht geschadet. “Nur” Exxon… hätten sich anpassen müssen.
Das wollten sie nicht und haben bewusst “Unsicherheiten übertrieben, Klimamodelle kritisiert, den Mythos globaler Abkühlung verbreitet und Unwissenheit darüber vorgetäuscht, wann – oder ob – die vom Menschen verursachte globale Erwärmung messbar sein würde”
https://www.t-online.de/finanzen/unternehmen-verbraucher/unternehmen/id_100111034/oelkonzern-exxonmobile-belog-die-welt-jahrzehntelang-ueber-die-klimakrise.html

Hustinettenbaer
25 Tage 1 h

Lese gerade den Spiegel:
“Ein aktuelles, besonders groteskes Beispiel für die Methoden der Fossilindustrie: Der Präsident der nächsten Weltklimakonferenz COP28 in Dubai soll ein Mann namens Sultan al-Jaber werden . Er ist der Chef der Abu Dhabi National Oil Company . Das ist kein Witz. Es ist, als setze man Pablo Escobar ein, um den Kokainhandel zu bekämpfen.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/luetzerath-warum-rwe-nicht-zu-trauen-ist-kolumne-a-5e8e3254-1665-4bc3-8d84-d402901d89ee

schwarzes Schaf
schwarzes Schaf
Superredner
25 Tage 16 h

Rechnung des polizeieinsatzes an gretchen die hat millionen genug um zu zahlen

oli.
oli.
Kinig
25 Tage 15 h

Viele jammern rum wegen Klimakriese , aber auf Auto , Technik Handy PC , Haus/Wohnung etc. wollen Sie nicht verzichten.
Dann lebt doch wie 1930ig wenn Ihr es mit dem Klimaretten Ernst meint.

Gievkeks
Gievkeks
Superredner
25 Tage 11 h

oli.:
Will ich auch nicht freiwillig. Weils sonst auch keiner macht.
Aber ich will, dass es durch die Politik über die Brieftasche erzwungen wird. Nur dann wird sich wirklich was ändern.

Dass in der aktuellen Konsum/-Weckwerfgesellschaft ziemlich viel katastrophal läuft wird dir wohl klar sein oder?

Hustinettenbaer
25 Tage 25 Min

@oli.
Das waren die Argumente, wenn man auf die Risiken fossiler Energieträger (inkl. Uran) verwies: “naiv… dann sitzt doch mit kaltem Hintern…”.
Dabei gab es schon Solar-, Windenergie-Alternativen.

Nun ist zu lesen: Die Folgen waren bekannt. Die Argumente vorgeschoben.
Mit Lügen wurde der Markt für alternative Energien kaputt gemacht.

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