Friedlicher Widerstand gegen weißrussischen Präsidenten Lukaschenko

Polizeigewalt bei Protesten gegen Lukaschenko

Sonntag, 22. November 2020 | 16:52 Uhr

Tausende Menschen haben trotz Polizeigewalt zum 15. Mal in Serie in Weißrussland bei einer Sonntagsdemonstration gegen Machthaber Alexander Lukaschenko protestiert. In der Hauptstadt Minsk versammelten sich die Menschen zunächst in ihren Wohnvierteln und bildeten dann einzelne Protestzüge mit den historischen weiß-rot-weißen Fahnen der Opposition. Die Polizei begann schon zu Beginn der nicht genehmigten Versammlungen mit Festnahmen.

Das Menschenrechtszentrum Wesna veröffentlichte am Nachmittag die Namen von mehr als 200 Festgenommenen. An den vorangegangenen beiden Sonntagen kam es jeweils zu rund 1.000 Festnahmen. Auch in anderen Städten forderten Menschen erneut Lukaschenkos Rücktritt. Offiziell war die Aktion diesmal als “Marsch gegen den Faschismus” angekündigt. Die Organisatoren regierten damit auf jüngste Beschimpfungen durch Lukaschenko, sie seien Faschisten.

Der Machtapparat zog Hundertschaften vermummter Uniformierter von Innenministerium und Armee in Minsk zusammen. Gefangenentransporter, Wasserwerfer und andere schwere Technik standen bereit. Es wurden zur Abschreckung Leucht- und Lärmgranaten gezündet, wie auf Bildern im Nachrichtenkanal Telegram zu sehen war. Das Innenministerium in Minsk bestätigte den Einsatz von “Spezialmitteln”.

Die großen Plätze der Hauptstadt waren mit Metallgittern abgesperrt. Die Behörden regelten zeitweilig erneut das mobile Internet herunter und sperrten stundenlang etwa zehn Metrostationen. So sollten Menschenansammlungen verhindert werden.

Die Proteste der Demokratiebewegung dauern seit mehr als drei Monaten an. Die Bewegung fordert auch ein Ende der Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, die Freilassung aller politischen Gefangenen und eine Neuwahl. Lukaschenko beansprucht den Sieg der Präsidentenwahl vom 9. August mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich – nach 26 Jahren im Amt. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als Siegerin der Wahl.

Tichanowskaja, die im Exil in der EU lebt, will die Einheiten des Innenministeriums, darunter die Sonderpolizei OMON, international zu “Terrororganisationen” erklären lassen. Die Initiative dazu sei angestoßen, sagte sie nach Treffen mit EU-Politikern. Vorbereitet würden zudem Strafprozesse wegen Verbrechen die Menschlichkeit.

Bei den Protesten gab es bereits mehrere Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Festnahmen. Lukaschenko zeigt sich weiter unbeeindruckt von den Protesten und von den Sanktionen der EU. Er kann sich auf die Unterstützung Russlands verlassen.

Die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch sprach sich im Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” für ein härteres Vorgehen des Westens gegen “Diktator” Lukaschenko aus. So könne Weißrussland etwa aus dem internationalen Bankensystem ausgeschlossen werden. Die 72-Jährige hatte Minsk wie viele Mitglieder des Koordinierungsrates für einen Machttransfer verlassen. Sie reiste nach Berlin aus.

Von: APA/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "Polizeigewalt bei Protesten gegen Lukaschenko"


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Tanne
Tanne
Superredner
7 Tage 21 h

Warum schaut die Welt zu, wie ein Tyrann friedliche Menschen niederknüppelt und einsperrt? Wer will so einen schon die Hand geben? Pfui Teifl.

DontbealooserbeaSchmuser
7 Tage 19 h

Es sind immer beide Seiten der Medaille vorhanden…
Bei uns hörst du nur von friedlichen, legitimen Demonstrationen und gewalttätigen Polizisten, im Osten nur von randalierenden bezahlten Provokateuren, die eine legitime Regierung stürzen wollen.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, aber wir als EU tun seit Jahren alles, um Weißrussland in unsere Einflusssphäre zu bekommen.

Edeltraud
Edeltraud
Neuling
7 Tage 16 h

Vielleicht sollte man einwenig vorsichtiger sein, wie man Nachrichten von den Medien auffasst.

Gruentee6
Gruentee6
Grünschnabel
7 Tage 14 h

Keine Sicherheitsabstände! Hierzulande wird appladuiert wenn Proteste ohne Sicherheitsabstände aufgelöst werden…

selwol
selwol
Superredner
7 Tage 10 h

@Tanne Du redest hier sicher über Berlin nicht wahr

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
7 Tage 9 h

@selwol
Neiiiin. In Berlin waren es Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker. Da sind Wasserwerfer und Festnahmen gerechtfertigt. Ein paar ganz Linientreue applaudieren noch. In Weißrussland ist das was ganz anderes. Frag mal ein paar bestimmte Foristen. Die erklären dir schon den Unterschied.

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
6 Tage 20 h

Dontbea….
könntest du diese Medien benennen, wo man das genau nachlesen kann? Also zum Thema bezahlte Provokateure.

selwol
selwol
Superredner
6 Tage 19 h

@Du konsumierst wohl zuviel ZDF u.ARD

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
5 Tage 22 h

selwol
wie kann man zu viel eines öffentlich rechtlichen Senders konsumieren, deren Journalisten zu den Besten Europas gehören.
Achso, hab ja vergessen, sind laut gewissen Personen ja “Systemmedien” 😀 😀 😀

Faktenchecker
7 Tage 17 h

Die friedlichen Proteste werden gewinnen.

eisern
eisern
Tratscher
7 Tage 8 h

Eine Diktatur kann man nur durch eine friedliche Revolution stürzen. Haltet durch und lasst euch nicht provozieren. Ich habe 89 in Leipzig erlebt was es heißt wenn man die Kalaschnikow in seiner Nähe hat. Das Volk wird siegen .Durchhalten!

Piefke-NRW
Piefke-NRW
Superredner
7 Tage 6 h

Seitdem werden im Westen die Straßen immer schlechter.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Universalgelehrter
7 Tage 13 h

in Berlin sind es unverantwortliche Extremisten, welche randalieren – in Weissrussland sind es freiheitsliebende Menschen, die für die Demokratie kämpfen …laut Medien…

Also für mich sehen die Bilder aus Berlin und aus Weissrussland gleich aus ….

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
5 Tage 22 h

wow ………… ja was will man da noch sagen. da gehts wohl eher darum, dass man ein gewisses Verständnis für die Berlin-Chaoten hat, da hilfts natürlich ein wenig zu relativieren.
Oder wie kann man sich schwer prügelnde Polizisten, willkürliche Festnahmen (für lange Zeit), willkürliche Inhaftierungen, Folter in den Gefängnissen und Unterdrückung unabhängiger und oppositiioneller Medien mit Berlin vergleichen …. Diese Liste könnte noch weiter geführt werden.
Aber hey, ist ja alles das selbe ……………………………………………………………………

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