Brisanter Fall für "Justitia"

Polizisten an IS verraten: Iraker in Graz vor Gericht

Donnerstag, 19. Oktober 2017 | 16:40 Uhr

Ein 28-jähriger Iraker hat sich am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht wegen einer mutmaßlichen Beteiligung an der terroristischen Vereinigung “Islamischer Staat” (IS) verantworten müssen. Der Mann soll vor seiner Einreise nach Österreich in seiner Heimat Polizisten an den IS verraten haben sowie Verwandten und Bekannten gedroht haben. Er bestritt die Vorwürfe, wurde aber von Zeugen belastet.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, als eine Art Geheimagent Informationen an den IS weitergegeben zu haben. Zudem soll er die terroristische Vereinigung finanziell unterstützt haben. Der Richter sprach von einem “hochbrisanten” Prozess, die Justizwachebeamten waren maskiert und der Einlass in den Zuschauerraum wurde streng kontrolliert. “Kaum eine Zeuge wollte heute freiwillig herkommen”, erklärte der Richter. Der Polizei zufolge soll es seitens der Familie des Angeklagten Drohungen gegen Dritte geben – schlimmer noch: sogar von Toten ist die Rede, von abgeschnittenen Köpfen, sagte der Richter.

“Die Zeugen haben Angst um sich selbst und um ihre Angehörigen. Manche sind plötzlich erblindet und kommen nicht, um auszusagen”, fuhr der Richter fort. Der Beschuldigte bestritt, etwas mit den Drohungen zu tun zu haben. Weder er noch jemand aus seiner Familie gehöre dem IS an. Doch laut dem Richter sagen die Zeugen etwas anderes. Einer von ihnen gab getrennt vom Angeklagten befragt an, dass der 28-Jährige ein Terrorist sei. Das wisse der Zeuge von seinen Bekannten und Verwandten in Mossul. Der Angeklagte habe Leute verraten und erpresst.

“Er hat Polizisten im Irak verraten. Die wurden alle vom IS verschleppt und umgebracht”, sagte der Zeuge vor dem Schöffengericht. Der Beschuldigte soll auch für den Tod einer schwangeren Frau im Irak verantwortlich sein. Sie habe über Gott gelästert, was der Angeklagte erfahren habe. Er habe sie dann an den IS verraten. Die Frau sei im vierten Monat schwanger gewesen und ihr wurde der Kopf abgeschnitten, sagte der Zeuge. Er selbst sei vom Vater des Beschuldigten bedroht worden, wenn er in die Türkei oder den Irak komme, dann werde er sterben.

Weitere Zeugen sollen noch gehört werden. Der Prozess wird an zumindest zwei Verhandlungstagen im November fortgeführt.

Von: apa