Bolsonaros Anhänger jubelten

Populist Bolsonaro lenkt künftig die Geschicke Brasiliens

Montag, 29. Oktober 2018 | 14:51 Uhr

Der Rechtsaußenpolitiker Jair Bolsonaro lenkt künftig die Geschicke Brasiliens: Bei der Stichwahl um die Präsidentschaft im größten Land Lateinamerikas setzte sich der ultrarechte Politiker am Sonntag mit 55 Prozent der Stimmen deutlich gegen den Linkskandidaten Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (PT) durch. Bolsonaro kündigte an, er wolle Brasilien zu einer “großen Nation machen”.

“Gemeinsam werden wir Brasiliens Schicksal verändern”, sagte der 63-jährige Populist in seiner auf Facebook übertragenen Siegesrede. “Wir können nicht länger mit dem Sozialismus, dem Kommunismus, dem Populismus und dem Linksextremismus flirten.” Zugleich beteuerte der Anhänger der Militärdiktatur der Jahre 1964 bis 1985, er werde “Verfassung, Demokratie und Freiheit” verteidigen. Das sei “ein Schwur vor Gott”.

Nach seiner Niederlage gratulierte Fernando Haddad dem ultrarechten Wahlsieger. “Präsident Jair Bolsonaro, ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Unser Land verdient das Beste”, schrieb er am Montag auf Twitter. “Ich schreibe diese Nachricht heute mit leichtem Herzen, mit Aufrichtigkeit, auf dass sie das Beste in uns allen hervorbringe. Viel Glück.”

Haddad und Bolsonaro hatten sich einen erbitterten Wahlkampf geliefert. “Diese roten Typen werden aus unserem Vaterland verbannt”, sagte Bolsonaro noch vor einer Woche. “Es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben.”

Bolsonaro war nach seinem Sieg in der ersten Runde als Favorit in die Stichwahl gegangen. Er übernimmt das Präsidentenamt am 1. Jänner 2019 vom scheidenden Staatschef Michel Temer. Am Dienstag reist er bereits nach Brasilia, um die Amtsübergabe vorzubereiten. Geplant sind dabei Treffen mit Temer, dem Stabschef der Armee und dem Präsidenten des Obersten Gerichts.

Der mit rund 45 Prozent unterlegene Linkskandidat Haddad warnte, mit Bolsonaros Wahlsieg seien die bürgerlichen, politischen und sozialen Rechte der Brasilianer bedroht. In der Opposition wolle er jetzt “die Interessen der Nation” verteidigen.

Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses feierten Zehntausende Anhänger Bolsonaros auf dem Strand von Barra da Tijuca in Rio de Janeiro. “Wir sind das empörte Volk, das an der Gewalt und der Korruption verzweifelt”, sagte der Unternehmer André Luiz Lobo. Auch in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo feierten zahlreiche Anhänger Bolsonaros.

Wirtschaftlich steht Bolsonaro für einen neoliberalen Kurs, der ihn zum bevorzugten Kandidaten für die Finanzmärkte machte. Investoren schielen auf Bolsonaros Favoriten für das Amt des Finanzministers, den in Chicago ausgebildeten Ökonomen und Investment-Banker Paulo Guedes. Guedes will hunderte staatliche Unternehmen privatisieren, darunter Teile des Ölkonzerns Petrobras und des Versorgers Electrobras. Allerdings kollidiert seine Idee von freier Marktwirtschaft mit den Vorstellungen der einflussreichen Generäle, die Bolsonaro an die Macht verholfen haben. Sie wollen strategisch wichtige Unternehmen lieber in Staatshand halten.

Brasilien steckt in einer schweren Krise. Zahlreiche Bestechungsskandale haben die politische Führung des Landes erschüttert. Nach einer schweren Rezession erholt sich die Wirtschaft nur langsam, zugleich grassieren Kriminalität und Gewalt. Darüber hinaus hinterlässt der erbittert geführte Präsidentschaftswahlkampf tiefe Risse in der Gesellschaft.

Bolsonaro, der häufig als “Donald Trump Brasiliens” bezeichnet wird, empfiehlt sich als “Saubermann”. Der ehemalige Fallschirmjäger und Hauptmann der Reserve sorgte in der Vergangenheit allerdings immer wieder mit rassistischen, frauenfeindlichen und homophoben Äußerungen für Empörung.

“Die Wahl Bolsonaros birgt Risiken für Indigene, Kleinbauern, Homosexuelle, Schwarze, Frauen und Aktivisten”, sagte die Amerika-Chefin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Erika Guevara-Rosas. Der Brasilienexperte Norbert Bolte vom Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat erklärte: “Bolsonaro will zurück in die Militärdiktatur. Auch wenn alle hoffen, dass seiner Rhetorik keine Taten folgen, sollte man sich da keinen Illusionen hingeben.”

In seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg gab sich Bolsonaro zunächst versöhnlich. Er sprach von einem “Brasilien der unterschiedlichen Meinungen, Farben und Orientierungen.” In dem mit harten Bandagen geführten Wahlkampf hatte Bolsonaro noch Minderheiten und Linke verunglimpft und “Säuberungen” angekündigt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) rief unmittelbar nach dem Wahlsieg des Rechtsaußenpolitikers zur Achtung der Demokratie auf. HRW stehe an der Seite der “unabhängigen Richter, engagierten Staatsanwälte, mutigen Journalisten und der lebhaften Zivilgesellschaft”, um die nach der Militärdiktatur errungenen demokratischen Rechte und Institutionen in Brasilien zu verteidigen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

11 Kommentare auf "Populist Bolsonaro lenkt künftig die Geschicke Brasiliens"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
aristoteles
aristoteles
Superredner
18 Tage 11 h

viel glück

One
One
Tratscher
17 Tage 13 h

Die Welt denkt um und die Menschen sind bereit sich aus dem Schlamassel der letzten Jahrzehnte zu befreien. Junge, gebildete, weltoffene Leute, denken eben anders und zukunftsorientiert. Die letzte Generation der „Alten“ Wähler wird verschwinden und endlich Platz für die Jugend machen.

ivo815
ivo815
Kinig
17 Tage 11 h

Ganz deiner Meinung, sehr weise und durchdacht. Endlich beenden wir das Schlamassel der letzten Jahrzehnte. Frieden, Wohlstand und eine zusammenwachsende Welt, all das ist nun endlich bald vorbei. Ist auch kaum auszuhalten. Freuen wir uns auf das, was nun kommt, auf die Zeit, die wir vor dem Schlamassel der letzten Jahrzehnte hatten.

felixklaus
felixklaus
Tratscher
17 Tage 11 h

Ist das jetzt dein ernst ? Weltoffen und zukunftsorientiert ? Einer der die millitärdiktur verherrlicht und sein sohn lieber tot möchte wie schwul! Bist ziehmlich neben der spur !!!!!!

FC.Bayern
FC.Bayern
Tratscher
17 Tage 20 h

gute Arbeit !!
wieder etwas mehr rechts auf dieser Welt 👍
und dieser Italiener ( fällt der Name jetzt nicht ein ) kann sich auch richtiger Weise auf seine Auslieferung vorbereiten !!!

maria zwei
maria zwei
Superredner
17 Tage 14 h

Battisti

felixklaus
felixklaus
Tratscher
17 Tage 8 h

Hoffe das man dich bald aus thailand abschiebt !

andy215
andy215
Grünschnabel
18 Tage 5 h

Bitte nicht…

m69
m69
Kinig
17 Tage 16 h

Eigentlich wenn er bei den Linken ein wenig aufräumt, dem ist nichts entgegen zu setzen. Ob es aber dabei bleibt ist allerdings fraglich!

Anduril61
Anduril61
Grünschnabel
17 Tage 16 h

Gute Wahl, Brasilien hat eine der höchsten Verbrechensraten weltweit, eine starke Hand kann da mal nicht schaden. Er wird zudem als ziemlich neoliberal gesehen und war auch der Favorit der Wirtschaft, viel kann in dem Land ja nicht mehr schief gehn….

zombie1969
zombie1969
Superredner
17 Tage 4 h

Die 14 Familien, die Brasilien, die Medien, die Industrie, den Handel und die Landwirtschaft an sich gerissen haben, sagen, wie es läuft. Schon immer. Irgendwelche Puppen dürfen sich “Presidente” nennen, haben aber nichts wichtiges zu entscheiden. Das wichtigste Prinzip dabei ist nach wie vor: dumm halten. Also keine Bildung für das Volk. Dafür gibt es Karneval und ganz viel Fussball.

wpDiscuz