Letzte TV-Konfrontation zwischen Drahos und Zeman Donnerstagabend

Präsidentschafts-Stichwahl in Tschechien hat begonnen

Freitag, 26. Januar 2018 | 15:21 Uhr

In Tschechien hat am Freitagnachmittag die zweitägige Stichwahl der Präsidentenwahlen begonnen. Seit 14.00 Uhr haben rund 8,5 Mio. Wahlberechtigte Tschechen die Möglichkeit, ihre Stimme entweder für den derzeitigen Staatschef Milos Zeman oder den früheren Direktor der Wissenschaftsakademie, Jiri Drahos, abzugeben. Die erste Runde hatte Zeman mit 38,6 Prozent gewonnen, Drahos kam auf 26,6 Prozent.

Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Laut der Befragung der Meinungsforschungsinstitute Median und Kantar TNS waren jeweils rund 45 Prozent der tschechischen Wähler mehr oder weniger entschlossen, für Zeman oder Drahos zu stimmen. Etwa zehn Prozent wussten demnach noch nicht, wem sie ihre Stimme geben werden.

Ähnlich sieht es das Meinungsforschungsinstitut STEM/MARK. Hier lag Drahos knapp vor Zeman. 47 Prozent der Befragten wollen demnach Drahos und 43 Prozent Zeman wählen. Die restlichen zehn Prozent seien noch unentschlossen. Zeman genieße die Unterstützung in kleineren Gemeinden und Städten, Drahos in größeren Städten, vor allem in Prag, so die Befragung von STEM/MARK.

Zeman und Drahos versuchten diese Woche in zwei Fernsehduellen die unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. Während sich in der ersten TV-Konfrontation laut Medien eher Zeman durchgesetzt hat, wird die zweite Debatte vom Donnerstagabend als eher “ausgeglichen” eingeschätzt. Drahos, der keine politischen Erfahrungen hat, zeigte sich bei den Debatten “nervös”, während der gesundheitlich angeschlagene Zeman “müde” ausgesehen habe, heißt es.

Als eines der wichtigsten Themen des Wahlkampfes zeigte sich die Flüchtlingskrise. Während Zeman sich als ein rasanter Gegner der Aufnahme von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern präsentiert, zeigt Drahos eine entgegenkommendere Haltung, auch wenn er die EU-Flüchtlingsquoten ablehnt. Die Kritiker werfen Drahos vor, er würde sich vor der EU “beugen”. Auch die Themen EU und Euro-Einführung wurden oft angesprochen, wobei sich beide Kandidaten zurückhaltend zeigten, was ein Beitrittsdatum zur Eurozone angeht. Auch die pro-russische und pro-chinesische Haltung Zemans wurde thematisiert. Überhaupt nicht kam diesmal das Thema der Nachkriegsvertreibung der Sudetendeutschen und der Benes-Dekrete zur Sprache, wie es vor fünf Jahren im Duell Zeman-Schwarzenberg der Fall war.

Während Zeman aus der ersten Runde mit einem größeren Vorsprung hervorging, kann Drahos auf die Empfehlung seitens der gescheiterten Präsidentschaftskandidaten setzen. Die Bewerber, die auf den Plätzen drei bis sechs gelandet waren und insgesamt 32,5 Prozent der Stimmen gewonnen hatten, forderten ihre Anhänger auf, in der Stichwahl für den Akademiker Drahos zu votieren. Dies könnte Drahos einen Vorteil bringen. Ob die Wähler dieser Wahlempfehlung allerdings tatsächlich folgen, war unklar. Laut Experten könnte auch die Wahlbeteiligung eine wichtige Rolle spielen. Sollten bisherige Nichtwähler auf dem Land, diesmal zu den Urnen gehen, könnte der Sieger wieder Milos Zeman heißen.

Zemans fünfjährige Amtszeit wird am 8. März zu Ende gehen. Für den Fall seiner Niederlage erklärte der amtierende Staatschef, es würde ihm “sehr leid tun”, allerdings habe er einen “Schaukelstuhl und Haufen von Büchern” zu Hause, die er lesen möchte. Auch Drahos zeigt sich gelassen für den Fall seiner eigenen Niederlage. “Wenn es nicht gelingt, wird die Welt nicht untergehen”, tröstete er sich.

Die Wahllokale werden am Freitag um 22.00 Uhr vorübergehend geschlossen. Am Samstag wird die Wahl ab 8.00 Uhr fortgesetzt und die Stimmabgabe um 14.00 Uhr endgültig beendet. Aussagekräftige Ergebnisse werden am Samstagnachmittag erwartet.

Von: apa