Schatten über Trump zunehmend auch aus der eigenen Partei

Prominente Republikaner gehen auf Distanz zu Trump

Freitag, 16. Oktober 2020 | 20:32 Uhr

Weniger als drei Wochen vor der US-Präsidentenwahl gehen mehrere prominente Republikaner auf Distanz zu Präsident Donald Trump. Dabei steht der Umgang mit der Coronakrise im Mittelpunkt. Der Trump-Vertraute Chris Christie kritisierte die Schutzvorkehrungen im Weißen Haus. Er habe angenommen, sich dort in einer “sicheren Zone” zu befinden: “Ich lag falsch.” Christie hatte Trump geholfen, sich auf die TV-Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden vorzubereiten.

Der Trump-Vertraute wurde danach rund eine Woche im Krankenhaus wegen einer Covid-19-Erkrankung behandelt. Der Ton, den Christie in einer Stellungnahme am Donnerstag und einem TV-Auftritt am Freitag einschlug, stand dabei in scharfem Kontrast zu Äußerungen Trumps. So warnte der Ex-Gouverneur von New Jersey davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen.

“Es ist etwas, das man sehr ernst nehmen muss”, erklärte er und rief dazu auf, Masken zu tragen und Abstand zu halten. “Niemand sollte glücklich sein, das Virus zu bekommen, und niemand sollte hochmütig darüber sein, sich angesteckt zu haben oder andere anzustecken.” Unterdessen nährte der Präsident bei einem TV-Auftritt erneut Zweifel am Nutzen von Masken.

Bereits vergangene Woche hatte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, gesagt, dass er seit Anfang August nicht im Weißen Haus gewesen sei – wegen der Sorge um den dortigen Umgang mit Coronavirus-Risiken. Seine Äußerungen wurden von einigen politischen Beobachtern in Washington als Freibrief für Republikaner gewertet, sich nicht mehr mit Kritik an Trump zurückzuhalten. Trump liegt in Umfragen deutlich hinter Biden zurück.

Der republikanische Senator Ben Sasse attackierte unterdessen in einer Telefonkonferenz mit Wählern den Amtsinhaber auf breiter Front. Trump habe mit “Rassisten geflirtet”, gebe Geld “wie ein betrunkener Matrose” aus und “küsst Diktatoren den Hintern”, schimpfte Sasse in einem Mitschnitt, den die konservative Website “Washington Examiner” veröffentlichte. Trumps Führung in der Coronakrise sei zudem weder vernünftig, noch verantwortungsvoll gewesen. Sasse warnte auch, dass die Republikaner wegen Trump dauerhaft an Einfluss bei den Wählern verlieren könnten.

Auch der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham, der dem Justizausschuss vorsitzt, bescheinigte seinen Kollegen aus der demokratischen Partei offen starke Aussichten bei der Präsidentenwahl am 3. November. “Ihr habt gute Chancen, das Weiße Haus zu gewinnen”, sagte Graham in einer Ausschusssitzung am Donnerstag. Er selbst muss um seine Wiederwahl im Bundesstaat South Carolina im November bangen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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9 Kommentare auf "Prominente Republikaner gehen auf Distanz zu Trump"


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Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
6 Tage 12 h

Wenn der 🏀 so clever und “great” ist, wie er sich selber sieht, dann hat er sicher schon einen “Altersruhesitz” in einem Land an der Angel, das kein Auslieferungsabkommen mit den USA hat. Alles andere wäre höchst dumm und fahrlässig, würde aber irgendwie zu ihm passen.

Look_at_Yourself
6 Tage 11 h

Nord Korea würde sich da anbieten.
Mit dem Kim ist er es ja ganz dicke, sozusagen.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
6 Tage 11 h

ja, hochmütig ist Herr Trump!

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
6 Tage 8 h

Es muss auch vernünftige Republikaner geben.

Neumi
Neumi
Kinig
5 Tage 11 h

Davon gibt’s sogar reichlich, aber die meisten sind halt doch sehr parteitreu. Das Problem in den USA ist nunmal, dass es nur 2 nennenswerte Parteien gibt. Wer nicht zur eigenen Partei steht, riskiert, dass die anderen die absolute Mehrheit in beiden Häusern kriegen. Das System ist so dermaßen festgefahren wie kaum ein anderes. Die “beste Demokratie der Welt” ist eigentlich ein Vorzeigebeispiel, wie es NICHT laufen soll.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
5 Tage 8 h

@Neumi
wo ist Ihrer Meinung nach die beste Demokratie?

Neumi
Neumi
Kinig
4 Tage 15 h
@ pfaelzerwald Eine definitive Aussage kann ich dazu nicht machen, aber z.B. Deutschland ist gut im Rennnen dabei. Warum ich die Schweiz nicht nenne? Weil dort genau die Schwachstellen der Demokratie am stärksten sind, die bereits Sokrates und Plato bemängelt haben (salopp gesagt: Es ist viel zu leicht, das Volk zu beeinflussen, man arbeitet mit Gewinnversprechen oder schürt Angst). Außerdem ist dort die Wahlbeteiligung dank der ständigen Abstimmungen im Keller. Ich denke, das Modell der Elitären Demokratie (die Gebildetsten/Besten/Geeignetsten entscheiden demokratisch) wäre erfolgreicher als die Demokratie des Volkes (die Beliebtesten entscheiden, oder besser noch: der Mann von der Straße ohne… Weiterlesen »
M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
5 Tage 12 h

gehören warscheinlich auch zur Weltverschwörung und zum “Deep State” 🙂 

andr
andr
Universalgelehrter
6 Tage 5 h

Da wird er aber zornig werden der donald er wird sie alle rausschmeißen er wird sich weiterlieben wie immer

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